Der ganz große Schock kommt noch

Die künftigen Pensionisten werden wenig zu lachen haben.

Der ganz große Schock kommt noch

"Alles gut gegangen, so schlimm war’s gar nicht", denken sich die Verantwortlichen in der Pensionsversicherungsanstalt – und zweifellos auch einige Politiker – dieser Tage wohl erleichtert. Die große Angst vor dem Schock ging um, den die Pensionskonto-Zuschriften bei ihren Empfängern auslösen hätten können. Erstmals bekam ja ein guter Teil der Österreicher dieser Tage per PVA-Brief die Information schwarz auf weiß serviert, dass die Rente dereinst niedriger ausfallen wird. Tatsächlich nahmen die Landsleute diese Hiobsbotschaft – alle müssen mit der Einführung des Pensionskontos Kürzungen hinnehmen, manche bis zu 25 Prozent – erstaunlich gelassen zur Kenntnis. Ist wohl der gute, alte österreichische Fatalismus.

Trotzdem ist es für die Lenker und Denker des Pensionssystems zu früh zum Durchatmen. Der ganz große Schock wird nämlich noch kommen. Und zwar verlässlich dann, wenn die Politik in einigen Jahren per Gesetzesänderung in die Renten eingreifen wird müssen, weil sich wegen der trotz Pensionskonto immer noch überbordenden staatlichen Zuschüsse alles wieder einmal nicht mehr auszugehen droht.

Die jetzt so gelobte Pensionskonto-Transparenz wird der Politik dann auf den Kopf fallen. Lag die künftige Pensionshöhe bisher in einer diffusen Zukunft verborgen, gibt es nun dank Pensionskonto einen konkreten Betrag, den alle kennen. Kürzungen werden sofort sichtbar. Der Fall wird eintreten, dass jeder Österreicher plötzlich zusehen kann, wie der ihm fix zugesagte künftige Betrag auf seinem Konto über Nacht kleiner wird – eben weil die Regierung ein Gesetz beschließen musste, das alte Versprechungen außer Kraft setzt.

Dass es irgendwann Kürzungen geben wird, steht außer Frage. Praktisch alle ernst zu nehmenden Experten sehen das so – Sozialminister ausgenommen. Knapp neun Milliarden muss der Staat derzeit pro Jahr ins Pensionssystem einspeisen, 2060 werden es valorisiert bereits 37 Milliarden sein. Wenn nicht doch noch konsequent reformiert wird.

Selbstverständlich hat die Politik hier bislang auf geradezu sträfliche Weise versagt. Das neue Pensionskonto ist nur eine andere Berechnungsweise, eine Reform ist es noch lange nicht. Das hilflose Herumdoktern am Pensionsantrittsalter verdient vielleicht Mitleid, die Bezeichnung „Reform“ aber ganz sicher nicht. Es wird in den nächsten 15 bis 20 Jahren ein völlig neues System brauchen, das nicht nur den Generationenvertrag über den Haufen wirft, sondern das gesamte Thema neu denkt.

Das wird jedenfalls zur Folge haben, dass die Pensionen weiter sinken. Weil uns seitens der Politik niemand seriös darauf vorbereitet, werden wir ziemlich geschockt sein. Dann aber wirklich.

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