Der Philosoph am Herd: Herbert Hacker über das "Zum goldenen Anker" in Hainburg

Der junge David Gansterer ist ein ziemlich ungewöhnlicher Zeitgenosse. Er wollte zunächst Pianist werden und lernte Klavierspielen. Dann erschien ihm ein Dasein als ­Philosoph als besonders erstrebenswert, und er studierte Philosophie. Schließlich zog es den wissbegierigen Jüngling auch an den Herd, und so lernte er unter anderem bei Wilhelm Schnattl in Wien, wie man eine Ente zerlegt, ohne sich dabei die Finger ­abzutrennen.

Frei nach Wittgensteins „Die Welt ist alles, was der Fall ist“ scheint in Gansterers Welt besonders vieles der Fall zu sein.

Grund genug, um nach Hainburg zu fahren, wo der 25-Jährige im Gasthaus seiner Mutter jede Woche von Donnerstag bis Sonntag am Herd steht (an den anderen Tagen nur fallweise). Das überaus reizvolle Wirtshaus mit Fremdenzimmern, unmittelbar an der Donau ge­legen, wird gerade etwas runderneuert, besitzt aber in jedem Fall einen eigenwilligen Charme.

Das lässt sich auch über die Küche Gansterers sagen, der offenbar, Kants Kategorischem Imperativ entsprechend, so kocht, wie du willst, dass andere für dich kochen. Zumindest sagt er so ähnliche Sätze nicht ungern.

Eine Küche von höchst angenehmer Schnörkellosigkeit.
Rehkrustl mit Fisolen, ein Jungbeiried mit Selleriepüree und Pilzen, ein punktgenau gebratener Waller mit Fisolen, Kohlrabi und Paprikasauce – dem philo­sophierenden Koch gelingen diese Gerichte so hervor­ragend, dass einem ein freundlicher Herr namens ­Aristíppos von Kyrene einfällt. Der griechische Philosoph ging nämlich als Begründer des Hedonismus in die Geschichte ein – und hätte an Leuten wie David Gansterer seine helle Freude gehabt.

Name: Zum goldenen Anker
Adresse: 2410 Hainburg a. d. Donau, Donaulände 27, Tel.: 02165/648 10
Öffnungszeiten: Mo–Sa 11–22 Uhr, So 11–21 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 8,20, Hauptspeisen bis 19,50 Euro

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