Der Mohr kann gehen! Herbert Hacker
über das Ende des Meinls am Graben

Für Freunde großer Küche war es keine gute Nachricht. Diese Woche wurde bekannt, dass der Feinschmeckertempel im ersten Stock des Delikatessengeschäfts Meinl am Graben nur noch bis Ende April offen hat. Dann ist Sense, aus und vorbei. Damit geht eine Ära zu Ende.

Immerhin handelt es sich dabei um eines der besten Restaurants der Stadt. Es war vor allem die Küche, die diese Lokalität von Anfang an zu etwas Besonderem gemacht hat. Ganz zu Beginn – nach der Gründung 1999 – kochte dort Christian Petz, der schon nach wenigen Jahren mit Auszeichnungen überhäuft wurde. Im Service agierte damals der leider schon verstorbene Karl Seiser – ein legendärer Sommelier. Später trat ein nicht minder geniales Duo auf den Plan: Joachim Gradwohl als Küchenchef und Hermann Botolen als Sommelier. Gradwohl – ebenso wie Petz ein Schüler des großen Eckart Witzigmann – sorgte zuweilen für unvergessliche Esserlebnisse. Gradwohl als exzellenter Küchenvirtuose und Botolen als wandelndes Weinlexikon waren ein einzigartiger Glücksfall. Einfach genial, wenn der eine kochte, was ihm gerade vorschwebte, und der andere lustvoll nach önologischen Raritäten fahndete. Wer solch kulinarische Sternstunden erlebte, der wird selbst den zuletzt schon reichlich abgewetzten und grellfärbigen Polstern in den Fensternischen nachtrauern. Wien verliert damit ein wirklich herausragendes Restaurant. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern irgendwie auch beschämend. Nach mehreren Abgängen in der letzten Zeit bleibt in der Weltstadt Wien jetzt tatsächlich nur noch das Steirereck in der obersten Liga übrig. Meinl ist jedenfalls Geschichte. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan – der Mohr kann gehen.

Name: Meinl am Graben
Adresse: 1010 Wien, Graben 19, Tel.: 01/532 33 34-6000
Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 8–24 Uhr; Sa. 9–24
Sperrstunde: Ende April

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten