Der falsche Korrektheits-Terrorismus

Was dieser Tage im Zuge der Festwochen-Aufführung des Stückes "Die Neger“ von Jean Genet diskutiert wird, fällt eindeutig unter das Thema falsch verstandene Political Correctness, kurz PC-Terror.

Der falsche Korrektheits-Terrorismus

Gleich vorweg: Blackfacing, also wenn Weiße Schwarze persiflieren, hat nicht nur in den USA eine rassistische Konnotation. Auch Schüler bei einem Legasthenietest das Wort "Neger“ finden zu lassen - geht gar nicht. Aber was dieser Tage im Zuge der Festwochen-Aufführung des Stückes "Die Neger“ von Jean Genet diskutiert wird, fällt eindeutig unter das Thema falsch verstandene Political Correctness, kurz PC-Terror, der selten Ergebnis von Einfühlungsvermögen ist.

Via Facebook wurde eine Petition veröffentlicht, initiiert vom Wiener Verein Pamoja, die fordert, "das N-Wort und die rassistische Inszenierung aus dem Programm zu entfernen!“ Es handelt sich um eine Produktion, die am 3. 6. Premiere hat. Viel ist von der Inszenierung daher noch nicht bekannt, einzig, dass weiße Schaupieler in Maske spielen.

Mehr als 20 Jahre lang hat Genet selber darauf bestanden, dass "Die Neger“ nur von Schwarzen gespielt werden dürfen, von denen einige auch Weiße darstellen. Nach Peter Steins Schaubühnen-Inszenierung von 1983, wo erstmals - mit Genets Billigung - schwarzgeschminkte Weiße spielten, hat sich nun auch Johan Simons dafür entschieden. Genet, selbst stets politisch aktiv, wollte mit seinem Theater nie Wirklichkeit abbilden, sondern beschäftigte sich mit Maskerade und Ritual.

Die Neger in "Die Neger“ spielen nicht sich selbst, sondern die weiße Phantasie vom schwarzen Mann. Und jetzt wird ein antirassistisches und antikoloniales Stück von Antirassismus-Aktivisten torpediert, weil sie es der Inszenierung wegen für rassistisch halten?! Genet hätte der Wirbel gefreut.

Nachhaltiger kann man ein Thema nicht verankern! Für ihn waren alle Unterdrückten: "Neger“. Wie schon John Lennon sang: Woman Is the Nigger of the World.