Der seltsame Kampf um ein paar Facebook-Seiten

Der seltsame Kampf um ein paar Facebook-Seiten

Der ORF darf sich nicht auf Facebook präsentieren. Der Verwaltungsgerichtshof hat eine Beschwerde des TV-Senders gegen einen entsprechenden Bescheid des Bundeskommunikationssenats abgewiesen. Worum geht es? Um rund 40 unterschiedliche Seiten des ORF auf dieser Social Media-Plattform, die mehr oder weniger gut besucht sind (meistens weniger).

Dort weist der ORF unter anderem auf Sendungen wie „Die Große Chance“ oder „Report“ hin. Und weshalb die ganze Aufregung? Der Kommunikationssenat und die Medienbehörde KommAustria waren im Frühjahr des Jahres zum Schluss gekommen, diese Aktivitäten würden nicht mit dem ORF-Gesetz zu vereinbaren sein. Hier stellt sich die Frage, die sich zurzeit auch im Zusammenhang mit der FMA stellt: Haben die denn keine anderen Probleme?

Im Hintergrund geht es um die prinzipielle Frage, was der ORF im Internet generell machen darf. Die Zeitungsverlage sind der Meinung, der Sender mache ihnen auf diesem Gebiet ungebührlich Konkurrenz. Nicht ganz zu Unrecht meinen sie, es könne nicht sein, dass ihnen in einer schwierigen Situation von einem öffentlich-rechtlichen Sender auf diesem Gebiet Konkurrenz gemacht wird. Aus diesem Grund musste der ORF schon einige seiner Internet-Angebote zurechtstutzen; so wurde etwa die bekannte „futurezone“ abgegeben, nun hält der Kurier diese Marke. Auch die TVthek, das Online-Video-Angebot des ORF ist ständig ein Anlass für Streitigkeiten.

Maßlos übertrieben

Aber man kann es auch übertreiben: Dem ORF seine Facebook-Seiten zu verbieten ist lächerlich. Müssen jetzt die Twitter-Accounts der ORF-Redakteure abgedreht werden? Und darf der ORF überhaupt nicht mehr im Internet auf seine Angebote hinweisen? Was ist dann mit Plakaten? Und mit Einschaltungen in Printprodukten?

Die ganze ORF-Diskussion nutzen viele der Verleger doch nur, um von eigenen Problemen abzulenken. Kein Wunder: Seit 2000 werden in Österreich insgesamt um 8,1 Prozent weniger Tageszeitungen verkauft, auch am Werbemarkt tun sich die Zeitungen zunehmend schwer. Auf den ORF hinzuhauen ist leicht, denn manchmal tun sich wirklich seltsame Dinge am Küniglberg. Doch das Internet ist eben ein Bestandteil der neuen Medienwelt und der ORF sollte im Prinzip die Möglichkeit haben, das zu nutzen – natürlich vorwiegend als Unterstützung seiner eigenen Angebote. Doch die Grenzen zwischen den Medien verschwinden: Die Zeitung verweist auf Online-Angebote, Verlagshäuser stellen Videos ins Netz, Sender geben Printprodukte heraus, Podcasts ergänzen das Radio. Diese schöne, neue Medienkonvergenz macht nur den Controllern, Erbsenzählern und konservativen Bewahrern Angst. Der Kuchen ist prinzipiell nämlich groß genug, dass alle ein Stück bekommen, vorausgesetzt sie wollen überhaupt mitschneiden und sitzen nicht beleidigt und ängstlich in ihrer Ecke.

Dem Sender aber überhaupt das Internet abzudrehen, bringt daher gar nichts. Die Printverleger haben andere, drängendere Probleme.

Robert Prazak

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