Der Glanz von damals

Der Glanz von damals

Die Sozialdemokraten in Österreich und Deutschland haben es derzeit nicht leicht. Hier wie dort stecken sie in komplizierten Koalitionsverhandlungen, bei denen es wenig zu gewinnen gibt.

In Deutschland wird die übermächtige Mutterfigur Angela Merkel dem hölzernen Sigmar Gabriel wenig Spielraum gönnen, die schwarz-rote Koalition bei seiner Parteibasis schönzureden. Und in Österreich ist die kommende rot-schwarze Regierungspartnerschaft wohl die endgültig letzte ihrer Art.

Nun nähert sich der hundertste Geburtstag Willy Brandts, der Lichtgestalt, der sozialdemokratischen Legende. Nicht nur das Feuilleton wird in zahlreichen Rückblenden das Lebenswerk des früheren deutschen Kanzlers und Berliner Bürgermeisters abfeiern. Im Scheinwerferkegel seines posthum beleuchteten Ruhms wird auch Österreichs sozialdemokratische Identifikationsfigur, Bruno Kreisky, wieder ein wenig strahlen. Den Bürgern beider Länder wird das die ehemalige Macht der Politik von SPD und SPÖ in Erinnerung rufen. Was sie bewegte, wie sie gestaltend eingriff, auch international. Die Parteien von heute können dagegen eigentlich nur abstinken.

Brandts Hunderter wird vielen schmerzlich vor Augen führen, wie sehr die Sozialdemokratie die Überfahrt in die Moderne verschlafen hat. Dass die einstige Durchschlagskraft weg ist. Dass man daran scheiterte, traditionelle Werte in das heutige, völlig anders gebaute sozialökonomische Koordinatensystem zu übersetzen. Und wie wenig von Glanz und Gloria früherer Zeiten geblieben ist.

- Klaus Puchleitner

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