Dem schlechten Geld kein gutes nachwerfen

Dem schlechten Geld kein gutes nachwerfen

Anleger sollten im Einzelfall prüfen, ob sich weitere Einzahlungen in die Privatpension mangels Ertragskraft noch lohnen.

Von Jahresanfang bis Mitte März brachten Wiener Aktien im Schnitt knapp 15 Prozent Ertrag. Das schürte die Hoffnung bei den rund 1,6 Millionen Österreichern, die einen Vertrag zur staatlich geförderten Zukunftsvorsorge unterschrieben haben, werden doch mindestens 30 Prozent der Gelder vornehmlich in Austro-Stocks investiert. Aber schon im 2. Quartal machte sich wieder Ernüchterung breit, die heimische Börse kam im Lichte der Eurokrise wie viele andere Aktienmärkte unter Druck.

Darüber hinaus setzte Finanzministerin Maria Fekter den Rotstift an und halbierte im Rahmen des Stabilitätspakts 2012 die Prämie der staatlichen Zukunftsvorsorge. Damit werden die Einzahlungen, die heuer bis zu 2.329,88 Euro betragen können, nur noch mit 4,25 Prozent vom Staat gesponsert. Auch wenn viele Anleger die Kürzung der Prämie als Affront betrachten – die wahren Probleme der Zukunftsvorsorgeprodukte liegen in der Konstruktion selbst.

Schon in den vergangenen Jahren hat sich die Verpflichtung, einen Teil des Geldes in heimische und osteuropäische Börsen zu investieren, als Bumerang erwiesen. Die Folge: Zahlreiche Zukunftsvorsorgevehikel brauchten im Laufe der Finanzkrise wegen Absicherungen ihre Risikobudgets auf und können deshalb in Zukunft selbst dann nicht mehr profitieren, wenn sich in Wien oder in Osteuropa irgendwann doch wieder ein Börsenboom einstellt. Darüber hinaus sind die Renditen sicherer Staatsanleihen aus Deutschland oder Österreich, die bei der Veranlagung der Zukunftsvorsorge-Prämien eine wichtige Rolle spielen, im Keller.

Anfang der Woche trat sogar erstmals der Sonderfall ein, dass bei zweijährigen Österreich-Anleihen negative Zinsen von 0,06 Prozent zu Buche standen. Selbst die zehnjährige Bindung schafft keine Abhilfe, liegen doch die aktuellen Renditen deutscher Papiere mit rund 1,2 Prozent und von Österreich-Anleihen mit knapp 1,9 Prozent deutlich unter der Inflation.

Sand im Getriebe

Obwohl die bei Zukunftsvorsorge-Produkten obligatorische Kapitalgarantie vor Verlusten schützt, sollten Anleger im Einzelfall prüfen, ob sich weitere Einzahlungen in die Privatpension mangels Ertragskraft noch lohnen. Das ist beim Zukunftsvorsorgefonds Espa Vorsorge Classic 2003 (ISIN AT0000641972), der laut Bloomberg seit Juli 2007 im Schnitt jährlich 5,3 Prozent Verlust einfuhr, ebenso fraglich wie beim Austro Garant der Volksbank (AT0000647383), bei dem der Fünf-Jahres-Verlust jährlich 4,3 Prozent beträgt. Dass auch Versicherungslösungen dem schwierigen Umfeld Tribut zollen müssen, zeigt etwa das Produkt Pension & Garantie (AT0000505318) der Uniqa, bei dem die jährliche Rendite seit Juli 2007 minus 2,1 Prozent beträgt.

Tipp: Anleger sollten den Anbieter ihres Zukunftsvorsorge-Produkts kontaktieren und Auskunft zur Wertentwicklung einholen. Fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus, können die Einzahlungen ausgesetzt werden. Eine Prämienfreistellung wird meist unbürokratisch erledigt, in der Regel reicht eine kurze Mail oder ein Schreiben an den Anbieter.

- Robert Winter

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