Debatte: Managergehälter am Pranger

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Steuervorteile abschaffen

Bild: GEORG HOCHMUTH / APA Andreas Schieder (SPÖ), Staatssekretär im Finanzministerium, ist für eine Begrenzung der Absetzbarkeit von Gehältern.

Ist es gerecht, wenn der Chef im Jahr so viel verdient wie sein Mitarbeiter in 20 Jahren? Leistet der ATX-Manager, der das 48fache der Angestellten verdient, heute so viel mehr als vor zehn Jahren, als er im Schnitt noch das 20fache bekam? Das sind die Kernfragen in der Diskussion um die Deckelung von Managergehältern.

In Österreich ist diese Debatte noch um eine Dimension reicher. Denn Unternehmen können die Einkommen ihrer Spitzenmanager als Betriebsausgabe geltend machen und von der Steuer absetzen. Dem Steuerbonus sind damit nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

Ich finde: Wenn jemand viel verdient, sei ihm das gegönnt. Bezüge jenseits der 500.000 Euro im Jahr fallen aber eindeutig in die Kategorie "Luxus“. Wer so viel verdient, braucht keinen extra Steuerbonus zum Glück. Ich bin deshalb für eine Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit.

Das wird den Spitzenmanager nicht arm machen und seine Leistungsbereitschaft nicht schmälern. Der Staatskasse aber bringt das bis zu 35 Millionen Euro im Jahr - Geld, das wir dort einsetzen können, wo es tatsächlich einen Unterschied macht: in Kindergärten und Schulen. Hier entscheidet sich die künftige Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Die Debatte läuft auch am europäischen Parkett. Dort stehen vor allem die Boni der Bankmanager im Fokus der Kritik. Denn hohe Boni für kurzfristigen Erfolg gehen im schlimmsten Fall zu Lasten nachhaltiger Geschäftsmodelle, erzeugen überschießende Risiken und tragen ihren Teil zur Destabilisierung des Finanzsystems bei.

Das EU-Parlament will die Banker-Boni deshalb begrenzen. Meiner Meinung nach geht es auch darum, Manager stärker in die Verantwortung zu nehmen. Jeder Kfz-Versicherte kennt das Prinzip "Wo ein Bonus, da ein Malus“. Ein Prinzip, das in Zukunft auch für Manager stärker gelten sollte.

Kein Husch-Pfusch-Gesetz

Bild: Walter Wobrazek Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbands für Anleger (IVA), plädiert für transparente Regeln und mehr Mitspracherechte.

Spät, aber doch ist den biederen und wirtschaftsfreundlichen Schweizern der Kragen über Manager geplatzt, die den "Hals nicht genug vollbekommen“ können. Was die Manager-Vergütung anbelangt, spielen die österreichischen Vorstände nicht in der Champions League, sondern bestenfalls in der Regionalliga Ost. Trotzdem besteht auch in Österreich Handlungsbedarf.

Ein Gesetz zur Beschränkung von Managerbezügen ist aber der falsche Weg. Nach Interventionen von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung wäre maximal ein kompliziertes Gesetz mit Ausnahmen und schwammigen Formulierungen zu erwarten. Das würde nur die einschlägigen Berater freuen, die den Betroffenen gegen hohe Honorare entweder die Anwendung oder die Umgehung des Gesetzes aufzeigen könnten.

Die Diskussion über die Angemessenheit von Bezügen sollte entkrampft und versachlicht werden. Die Unternehmen sollten - ausländischen Beispielen folgend - einen verständlichen Vergütungsbericht für die Aktionäre und die Öffentlichkeit erstellen, in dem die wesentlichen Elemente der Vergütungsgrundsätze dargestellt werden und auch über die Durchschnittsgehälter der übrigen Belegschaftsgruppen sowie der Frauen informiert wird. Die Grundsätze der Vergütungen und die Struktur des Berichts sollten durch den Corporate-Governance-Kodex vorgegeben werden. Die variablen Anteile müssen auf mehrere Jahre verteilt ausbezahlt werden. Eine prozentuelle Begrenzung der variablen Entgeltkomponenten vom Fixbezug ist sicher sinnvoll.

Die Hauptversammlung sollte in einer nicht bindenden Abstimmung ein Urteil fällen ("Say on Pay“). Im Ausland hat sich diese Vorgangsweise als dämpfende Maßnahme bewährt. Der Gesetzgeber sollte wenn, dann nur im Rahmen des Steuerrechts Akzente setzen, d. h. ab einer gewissen Betragsgrenze die Begünstigung des 13. und 14. Monatsbezugs streichen. Für die politische Diskussion gibt es wichtigere Themen.

Leistung muss sich lohnen

Bild: Marcus E. Deak Aleksandra Izdebska, Gründerin von DiTech, betont, dass Manager auch Verantwortung für Arbeitsplätze tragen.

Ich kann gut verstehen, dass vielerorts die Rufe nach einer gesetzlichen Beschränkung von Managergehältern laut werden. Für die meisten Leute ist es nicht nachvollziehbar, dass es Manager gibt, die in einem Jahr mehr Geld verdienen als andere in ihrem ganzen Leben.

Was man oft nicht sieht, ist, dass diese Menschen mit ihren Entscheidungen auch Verantwortung für milliardenschwere Unternehmen und Tausende Arbeitsplätze tragen. Man könnte sich ebensogut fragen, womit die Millionengagen von Spitzenfußballspielern oder Golfstars gerechtfertigt sind und warum diese nicht zur Diskussion stehen.

Ich habe den Eindruck, dass es sich bei den aktuellen Vorschlägen um Anlassgesetzgebung handelt, von der ich nicht viel halte, da sie nie der Sache, sondern nur einer politischen Stimmung dient. Ich bin vielmehr der Meinung, dass es den Prinzipien der freien Marktwirtschaft widerspricht, gesetzliche Beschränkungen von Gehältern für Führungskräfte einzuführen. Solche gesetzlichen Vorschriften mögen im öffentlichen Bereich Sinn machen, wo es immerhin um Steuergelder geht. In der Privatwirtschaft sollte aber letztlich der Eigentümer eines Unternehmens darüber entscheiden können, wie viel ihm seine Führungspersönlichkeiten wert sind und mit welchen Anreizen er sie motivieren bzw. entlohnen möchte. In diesem Bereich sollte er frei in seiner Entscheidung sein.

Eine gesetzliche Bestimmung würde ein völlig falsches Signal an alle Führungspersönlichkeiten schicken, die eine enorme Verantwortung übernehmen und Leistung erbringen. Als Unternehmerin bin ich generell der Überzeugung, dass Leistung und Verantwortungsbereitschaft nicht begrenzt oder bestraft, sondern vielmehr bestärkt werden sollten. Dass dabei Geld als Anreiz nicht das Einzige und oft auch nicht das beste Mittel ist, muss auch klar gesagt werden. Denn wahres Verantwortungsgefühl, wahre Eigenmotivation und echte Begeisterung kann man nicht einfach kaufen.

Unnötige Interventionen

Bild: Heidi Michel-Debor Peter Malanik, Ex-AUA-Vorstand und Manager bei Neumann & Partners, verweist auf die bestehenden Rechte der Aktionäre.

Angestellte Manager handeln anders als Eigentümer mit fremdem Kapital und konnten bisher nur ihren Job verlieren. Manager wie Unternehmer zu honorieren ist daher irrational: Die Honorierung eines Managers sollte sich, handelt man rational, nach den Anforderungen richten, die an die Funktion gestellt werden: Komplexität, persönliche Kompetenz, emotionale Stressbelastung etc.

Sanierungsmanager z. B. wären hoch zu bezahlen: Das Risiko ist groß und der emotionale Stress enorm. Tatsächlich handeln Unternehmen aber oft irrational. Sie honorieren diejenigen am höchsten, die in strukturell ohnehin profitablen Unternehmen viel Profit machen.

Je größer das Unternehmen ist, desto größer wird der "Hebel“, den das Hantieren mit fremdem Kapital liefert. Wer als Treasurer eines Großunternehmens täglich 5 Mio. disponiert und damit ein Prozent Profit macht, vollbringt keine hundertmal so schwierige Aufgabe wie ein Kollege in einem kleinen Unternehmen, der täglich nur 50.000 Euro zu verwalten hat. Dennoch wird der Treasurer des Großunternehmens argumentieren, er habe der Firma ein positives Finanzergebnis von 10 Mio. beschert, wovon ihm nun ein Zehntel zustünde. Dem zuzustimmen wäre irrational - es passiert aber.

Soll der Staat gegen irrationale Privatunternehmen einschreiten? Nicht zur Besänftigung des Neids. Vielleicht zum Schutz der Aktionäre? Die wählen ohnehin den Aufsichtsrat, der die Konditionen für den Vorstand festlegt. Wenn sie keine Mehrheit zu dessen Abwahl finden, können sie zudem das Unternehmen als Ganzes abwählen, indem sie ihre Aktien verkaufen.

Aufsichtsräte, die unangemessene Honorierung von Vorständen beschließen, müssen mit den Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter, die Reputation des Unternehmens und die Haltung der Aktionäre fertig werden. Wer sich mit irrationaler Managerhonorierung in Argumentationsnotstand bringen will, soll das tun dürfen. Eine Intervention des Staates ist indes nicht erforderlich.

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