Das große Sticheln

Miriam Koch über die Taktik des Kanzlers, ÖVP-Minister dumm dastehen zu lassen.

Was haben das Bankgeheimnis, die Bad Bank für die Hypo Alpe Adria und das Bienensterben gemeinsam? Es sind alles Themen, für die Bundeskanzler Werner Faymann nicht hauptzuständig ist. Dennoch macht er sie zur "Chefsache“ - bringt sich ein und widerspricht öffentlich den verantwortlichen ÖVP-Ministern. Umweltminister Nikolaus Berlakovich etwa steht jetzt als böser Bienenvernichter da, denn er stimmte in der EU gegen ein Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel, die im Verdacht stehen, das Sterben dieser Insekten zu begünstigen. Faymann stichelt und sagt, er sei natürlich für ein solches Verbot.

Bienenfleißig zeigt sich der Kanzler neuerdings auch in Sachen Hypo Alpe Adria. Gebrieft durch die Notenbank hat er sich auf EU-Ebene und national der staatlichen Problembank, für die eigentlich Finanzministerin Maria Fekter verantwortlich ist, angenommen. Diese Woche erklärte er nebenbei, man prüfe nun doch die Installierung einer Bad Bank. Ein kleiner Nebensatz, eine große Brüskierung für Fekter. Denn sie hat ihre Gegnerschaft gegen eine solche Risiken-Abbaugesellschaft immer wieder vollmundig und lautstark betont. Insider erwarten bereits, dass sie hier bald klein beigeben wird müssen, so wie bei ihrem vergeblichen Kampf um das Bankgeheimnis.

Und was bleibt der Finanzministerin dann? Sie wird wohl ein bisschen sticheln und versuchen, es irgendwie Faymann heimzuzahlen. Vielleicht unterstützt sie ja Berlakovich. Der Sommer verspricht, unharmonisch zu werden.

- Miriam Koch

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