Das neue Politainment

Dass Wahlkampf im TV immer ein billiger Quotenbringer ist, ist nichts Neues. Zunehmend zeigt sich aber, dass Politik – auch abseits unfreiwilliger Komik! – Spitzenentertainment liefern kann.

Das neue Politainment

Spindoktoren, Agenturen wie Medien haben die Zeichen der Zeit längst erkannt, in der Erregungswellen immer neues Futter brauchen, in der politische Inszenierungen immer komplexer und Internet-affiner werden müssen. Da der Wahlkampf selbst bewegungsloser wird und den Parteien inhaltlich kaum mehr viel Spielraum für Ecken und Kanten lässt, arbeitet man am Feintuning der Kandidaten. Kurzum: es menschelt mehr – Steinbrück mit Stinkefinger, Strache in Badehose. Nach Edutainment (spielerische Vermittlung von Wissen bei gleichzeitigem Unterhaltungswert) ist Politainment das neue Wort der Stunde: Bestens umgesetzt vom ORF in seiner „Wahlfahrt“, in der der Ex-USA-Korrespondent Hanno Settele die sechs Spitzenkandidaten jeweils einen Tag lang in einem alten Mercedes durch den Wahlkampf kutschiert und mit ihnen über Gott und die Welt plaudert.

Ein, dem Gefährt gemäß, entschleunigtes Format, das erfrischende Einblicke gibt, abseits der herkömmlichen Stehsätze. Aufschlussreich wie gefährlich – weil es den Menschen hinter der Maske zeigt.

Diese „Wahlfahrt“ bringt Erlösung vom Wahlkampf-Schwampf, ist ziemlich gute Unterhaltung und: absolut legitim. Vielleicht beschäftigen sich ja so ein paar jener Menschen wieder mit Politik, die sich schon angewidert abgewendet haben.

- Michaela Knapp