Das Neuformulieren der Regeln am
Finanzmarkt wird noch Jahre dauern

„Die Gründe für die Ablöse von BA-Chef Hampel liegen in dessen prononciert österreichischer Haltung.“

Dass die folgende Prognose zu pessimistisch sei, hofft die Schreiberin dieser Zeilen inständig. Die Zeichen, dass gleich nach der Krise alles besser wird, stehen momentan allerdings wirklich nicht gerade gut. Wobei die Betonung auf „gleich“ liegt: Aller Erfahrung nach vollziehen sich die großen Pendelschläge auch in der Wirtschaftsgeschichte nicht rasch und radikal, sondern langsam und sukzessive. Und auch die Änderung, sprich Verbesserung, der Spielregeln auf den Finanzmärkten wird irgendwann kommen. Aber eben nicht gleich.

Zum Thema „neue Spielregeln auf den Finanzmärkten“ hier ein paar Meldungen der letzten Tage: „Angst vor neuer Euro-Dollar-Öl-Spirale“ titelt beispielsweise die „Financial Times Deutschland“ und beschreibt, wie in jüngster Zeit – trotz sinkender Nachfrage nach Öl! – der Ölpreis schon wieder spekulativ in die Höhe klettert. In den USA, wo die „Future-
Märkte“ generell „im Aufwind“ seien, steckten die Anleger ihr Geld schon wieder „verstärkt in Junkbonds“. Alles in allem sieht es also nicht so aus, als ob sich an der Einstellung und am Verhalten der Finanzmarkt-Akteure viel geändert hätte. Gleichzeitig erweisen sich die potenziellen Antipoden ungeregelter Märkte – die Politiker – auch nicht gerade als Lichtgestalten der Glaubwürdigkeit. England wird gerade von einem Spesenskandal erschüttert. In der EU packt man zwar, vernünftigerweise, viel Geld in Konjunkturpakete. Es weiß auch jeder, wer eines Tages dafür geradestehen muss. Aber die Politiker tun so, als würde der EU-weite Steuerwettlauf nach unten hiefür keinerlei Hindernis darstellen. Und so weiter und so fort. Dass Marktteilnehmer und Politiker demnächst umdenken, ist offenbar nicht rasend wahrscheinlich. Insofern dürfte auch die Prognose kaum gewagt sein, dass ein Neuformulieren der internationalen Finanzmarktregeln Jahre und Jahre in Anspruch nehmen wird.

Themenwechsel. Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass an der Spitze der Bank Austria ein Revirement bevorsteht. Gleichzeitig diskutierten die Medien die Verhandlungen zwischen der Bank-Austria-Mutter UniCredit und den Staaten Österreich sowie Italien zum Thema Bankenhilfe. Dazu sollte man ein paar Fakten kennen. Die drei größten italienischen Finanzgruppen, UniCredit, Intesa Sanpaolo und Generali, sind profitabel, und ihre Führungskräfte geben sich relativ optimistisch. Im ersten Quartal erwiesen sich ihre Ertragszahlen zwar gegenüber dem Vorjahr als schwächer, die Kapitalbasis aber stimmt. Jedenfalls bei der UniCredit. Im ersten Quartal 2009 wies der Bank-Austria-Mutterkonzern einen Gewinn von 447 Millionen Euro aus, was gegenüber dem Vorjahr eine Verminderung von 58 Prozent und vis-à-vis dem vorangegangenen Quartal ein Minus von 11,5 Prozent bedeutet. Interessanterweise schloss dabei die Sparte Investmentbanking, die 2008 noch schlecht dastand, mit plus 367 Millionen Euro Betriebsergebnis positiv ab.

Was das von Österreich aus geführte Osteuropageschäft angeht, ist UniCredit „vorsichtig optimistisch“. UniCredits Aktienkurs hatte unter den Osteuropa-Konjunkturdiskussionen ziemlich zu leiden: Jüngst erklärte Konzernchef Alessandro Profumo aber, dass sich Osteuropa „zu stabilisieren beginnt“ und dass sich die Qualität der dortigen Veranlagungen „jetzt weniger rasch verschlechtert als noch vor ein paar Monaten“. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass es sich bei dieser Einschätzung auch, bis zu einem gewissen Grad, um Zweckoptimismus handeln könnte. Die Osteuropabank EBRD prognostiziert für die Region „Wachstums“raten von im Schnitt minus 5,3 Prozent (für 2009), wobei die Ukraine und das Baltikum um mehr als 10 Prozent abzusaufen drohen und wobei die EBRD die wesentlichen Wachstums- und Ausfallsverluste der in Osteuropa tätigen Banken erst in den nächsten Monaten kommen sieht. Dies deshalb, weil die Verluste dort vornehmlich mit dem Abschwung in der Realwirtschaft verknüpft sind. (Das Problem der Ausfälle für Banken wird dadurch wesentlich abgemildert, dass der IWF, die EU und die Bankeigner-Staaten den Schuldnern beziehungsweise deren Banken finanziell unter die Arme greifen werden.) Zwar ziehen Westeuropas Banken ihren Ost-Töchtern keine Mittel ab, andere Finanzinvestoren in Osteuropa tun das aber sehr wohl. In der Summe erlebt die Region jedenfalls einen kräftigen Kapitalabfluss.

Die Bank Austria mit ihrem üppigen Osteuropageschäft gilt als bestes Institut der UniCredit-Gruppe. Nicht zuletzt dank ihr geht es der UniCredit-Aktie auch ziemlich gut. Sie pendelte Mitte dieser Woche um 1,90 Euro, nachdem sie Anfang März mit weniger als 0,70 Euro zu Buch gestanden war. Die Gründe für die Ablöse von Bank-Austria-Chef Hampel liegen übrigens tatsächlich in dessen – aus UniCredit-Sicht – allzu prononciert „österreichischer“ Haltung. Der Verkauf der Bank war, so wie er ablief, eben wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Trotzdem zählte die Bankführung auch danach noch zu den erfolgreichsten heimischen Großlobbyisten …

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