Das Märchen von den guten Banken

Das Märchen von den guten Banken

Immer mehr Banken wollen uns glauben machen, dass ihnen das Gemeinwohl wichtiger als der Profit ist. Das ist nicht sehr glaubwürdig.

Die alten, bösen Banken waren einmal. Heute – mehr als vier Jahre nach Beginn der großen Finanzkrise – haben wir es nur noch mit neuen, guten Banken zu tun. Vom großen „Kulturwandel“ spricht die mächtige Deutsche Bank, von „peinlichen Fehlern“ der Vergangenheit der Boss der Investmentbank JPMorgan. Der eine oder andere Abstrich beim Millionenbonus hier, geläuterte Attitüde, gepaart mit Reumütigkeit, da. Worte wie „Rekordprofite“ werden tunlichst aus dem Wortschatz der Top-Banker gestrichen, dafür wird die Liebe zum Kunden ganz neu entdeckt. Einzig die Bedürfnisse der Kunden und der Allgemeinheit würden ab nun das Geschäftsmodell der Banken diktieren, jegliches Profitdenken und das Dogma des Shareholder-Value werden fortan in den Hintergrund gedrängt.

All das wollen uns die Banken glauben machen. Denn sie haben erkannt: Ein Imagewandel muss dringend her. Wer will sich schon Tag für Tag mit einem wütenden Mob vor den Bankzentralen herumschlagen, wer will ständig die Finanzaufseher im eigenen Haus haben? Und noch viel wichtiger: Wer will sich ständig mit neuen, strengeren Regularien befassen? Eben! Deswegen also nun die Hinwendung zum Guten. Aber meinen es die Großbanken wirklich ernst mit diesem Kulturwandel, haben sie tatsächlich erkannt, dass es sich lohnen könnte, ihr Augenmerk auch auf andere Aspekte als Traumrenditen zu lenken?

Es gibt mehrere Hinweise, dass das alles nicht mehr als nur schöne Worte und Teil einer für die Banken konzipierten PR-Strategie sind. Nehmen wir nur einmal den Finanzskandal in Salzburg: Bis vor kurzem haben etliche Banken – großteils mit Erfolg – versucht, dem unbedarften Land höchst komplexe Produkte unterzujubeln. Selbst eingefleischte Investmentbanker bekennen geknickt, diese Produkte – vom Switchable-to-fixed Steepener bis hin zum Callable Range Accrual Zinsswap – nicht einmal ansatzweise verstanden zu haben.

Es war zudem kein großes Geheimnis, dass bei diesen Spekulationen die Risiken äußerst ungleich verteilt waren: Null Risiko aufseiten der Banken stand hundertprozentiges aufseiten des Landes gegenüber. Und Salzburg genoss in der heimischen Bankenszene hinter vorgehaltener Hand seit Jahren den Ruf eines willigen Opfers. Ein Opfer, das den Banken zu Millionenprovisionen verhalf. Auch wenn die Gier auf beiden Seiten groß gewesen sein dürfte, ein besonders schönes Licht auf die Banken wirft der Salzburger Finanzskandal nicht. An vorderster Front stand in Salzburg übrigens jene Bank, die nun ganz laut den Kulturwandel ausgerufen hat.

Ein einmaliges Versehen, ein blöder Ausrutscher, oder hat der neue, gute Geist die Salzburger Bankgeschäfte eben zu spät beseelt? Mag sein, aber nicht sehr wahrscheinlich. Denn dieser Tage gab die Deutsche Bank, gefolgt von der Allianz Versicherung, bekannt, dass sie nun nach reiflicher Überlegung wieder in das Geschäft der Agrarspekulationen einsteigen werde.

Noch im Vorjahr zog sich die Bank öffentlichkeitswirksam aus den bösen Geschäften zurück. Die Erklärung für den Wiedereinstieg passt aber ganz ins Gutbanken-Schema: nur zum Wohl der Kunden und der Allgemeinheit, selbstverständlich.

Es gebe jedenfalls keine empirischen Belege dafür, dass diese Spekulationen zu Preissteigerungen und damit zu Lebensmittelknappheit führten, argumentiert das Institut. Einen Beweis für das Gegenteil blieb die Bank aber ebenso schuldig. Der Verdacht drängt sich auf, dass der eine oder andere Banker vielleicht doch bloß Margen und Umsätze bei dieser Entscheidung im Hinterkopf gehabt haben könnte.

Ebenso wie die Wall-Street-Bank Goldman Sachs, die seit kurzem im Verdacht steht, die strengen Regeln des Eigenhandels geschickt umgangen zu haben. Rekordgewinne waren die Konsequenz. Und ein lachender Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, dessen Bonus im abgelaufenen Jahr um 90 Prozent auf wieder stattliche 19 Millionen Dollar angewachsen ist.

Alles bloß zum Wohl des Kunden? Nein, bestimmt nicht! Die Wahrheit lautet: Im ethischen Sinn gute Banken, die auch noch prächtig Geld verdienen, gibt es nicht oder höchstens für kurze Zeit. Banken brauchen Investoren, um ihre vom Gesetzgeber geforderten Kapitalpolster aufzufüllen. Dazu müssen sie ihren Aktionären entsprechend hohe Renditen bieten, und die lassen sich nun einmal nicht mit Investments in Baumschulen und keimfreie Kindergärten erzielen. Traurig, aber so ist das im Leben.

- Angelika Kramer

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