Das grüne Kleid ist zu teuer

Das grüne Kleid ist zu teuer

„Die Begeisterung für Wind- und Solarenergie hat weniger mit Grün-Euphorie als mit schnödem Mammon zu tun.“

Wäre es nicht äußerst charmant, wenn wir alle eines Tages von Sonne, Wind und vielleicht noch Liebe leben könnten? Weg mit den hässlichen, schmutzigen Kohlekraftwerken, den gefährlichen AKWs und dem Luftverpester Auto! Man muss kein ausgesprochener Öko sein, um all das mit einem freudigen „Ja“ zu beantworten.

Und lange Zeit lief in der EU – angefeuert vom vermeintlichen Umweltschutzvorreiter Deutschland – alles in diese Richtung. Bei unserem nördlichen Lieblingsnachbarn sind mittlerweile ganze Land- und auch Wasserstriche mit optisch nicht gerade hübschen Windrädern oder Solarpaneelen zugepflastert. Speziell seit der Katastrophe von Fukushima muss jeder Bürger grüne Flagge zeigen. Wer kein eigenes Paneel oder Windrad auf dem Dach hat, gilt fast schon als aussetzig. Das nennt man Energiewende.

Was uns die vermeintlichen Umweltschutzvorreiter, die nun von Ökorekord zu Ökorekord eilen, meist nicht sagen: Die Begeisterung für Wind und Sonne rührt weniger von der Grün-Euphorie als vom schnöden Mammon her. Allein in Deutschland wurde die erneuerbare Energie letztes Jahr mit satten 20 Milliarden Euro subventioniert, europaweit belaufen sich die Schätzungen auf 50 Milliarden Euro. Was ja auch noch irgendwie okay wäre, wenn wir es in Europa blöderweise nicht gerade mit einer Wirtschaftskrise zu tun hätten. Denn bezahlt werden diese Zuschüsse nicht von Sonne und Wind, den Grünen und schon gar nicht von der Liebe, sondern natürlich von den Konsumenten.

Dies hat nun auch die EU endlich erkannt und so musste auf dem dieswöchigen Gipfel das Öko-Primat jenem der leistbaren Energie weichen. Höchste Zeit! Denn immerhin können in manchen EU-Ländern, wie etwa in Bulgarien, weite Bevölkerungsschichten ihre Stromrechnung gar nicht mehr bezahlen. Gut, könnte man sagen, ein bedauerlicher Einzelfall, in dem einige dreiste Versorger eben die Konsumenten abzocken. Stimmt nicht! Denn das Problem der teuren Energie in Europa geht weit über das arme Bulgarien hinaus. Kürzlich hat sich das österreichische Vorzeigeunternehmen Voestalpine – nicht zuletzt wegen der geringeren Energiekosten – für eine neue Produktionsanlage in den USA entschieden. Oder besser: Gegen eine größere Investition und zahlreiche Arbeitsplätze in Europa. Die Voest wird nicht das einizige österreichische Unternehmen bleiben, das wegen der hohen Energiekosten die Flucht in die USA antritt. Angeblich haben bei den zuständigen US-Stellen bereits mehrere österreichische Firmen, darunter ein Autozulieferer und ein größeres Verpackungsunternehmen, um Einlass angesucht.

Denn während man in Europa fieberhaft mit dem Bau von Solar- und Windparks beschäftigt ist, hat die USA das Schiefergas-Fieber ereilt und die Gaspreise massiv reduziert. Kostete in Europa die Megawattstunde Gas im vergangenen Jahr 29,4 Euro, waren es in den USA gerade einmal 7,2 Euro. Erst kürzlich hat Präsident Obama sein Ja zum Bau einer Gasexport-Station – Kostenpunkt: zehn Milliarden Dollar – gegeben. Überschwemmen die Amerikaner in ein paar Jahren Europa mit Flüssiggas, dann wird die Preisdifferenz wohl noch dramatischer ausfallen. Nun mag man der Förderung von Schiefergas und vor allem der Methode des Fracking duchaus kritisch gegenüber stehen, sie aber von vornherein – wie vielfach in Europa und auch hierzulande passiert – zu verteufeln, ist wohl unklug. Und noch weniger klug ist es, jegliche Forschung auf dem Gebiet der Energiegewinnung zurückzufahren. Während die Amerikaner 2,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Forschung ausgeben, können die Europäer gerade einmal 1,9 Prozent dafür entbehren.

Das Schlimmste und gleichzeitig Absurdeste an dieser Öko-Energiewende ist aber, dass es in punkto Umweltschutz in Europa gar keine Fortschritte gibt. Die USA haben Europa in Sachen Treibhausgasreduktion mittlerweile längst überholt. Denn wegen der schwankenden Einspeisung von Sonnen- und Windstrom ins Netz mussten vor allem die Deutschen – zum Ausgleich der Spitzen – reihenweise ihre Kohlekraftwerke anschmeißen. Allein der deutsche Versorger RWE baut gerade an neun Braunkohlemeilern, die die Ökostrom-Mängel ausgleichen und billigeren Strom erzeugen sollen.

Klimaschutz, Umweltschonung oder grüne Werte? Nichts von alledem! Wir werden uns also von Luft, Sonne und Liebe allein allmählich verabschieden müssen. Das hat, spät aber doch, nun auch die EU erkannt.

- Angelika Kramer

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