Das ganz große Kino

Das ganz große Kino

„Nicht hinnehmbar“ sei die NSA-Bespitzelung, polterte Michael Spindelegger im Nationalrat. Von nichts gewusst habe er, man werde bei der US-Botschaft auf Aufklärung drängen. Das ist großes Kino. Zu glauben, dass die Europäer beim NSA-Datensammeln nicht stillschweigender Partner sind, wäre wohl naiv.

Selbst das biedere heimische Heeresnachrichtenamt windet sich, fragt man zum Thema Informationsaustausch an. Verteidigungsminister Gerald Klug gibt den Nichtwisser. Gut, er ist ja erst kurz im Amt. Aber die größte darstellerische Leistung liefert Johanna Mikl-Leitner ab. Ihre Rolle: Unschuldslamm. Nein, von den NSA-Praktiken habe ihr Haus rein gar keine Kenntnis, beteuert die Innenministerin mit großen Augen. Mit „Rehleinaugen“, würde Vorgängerin Maria Fekter dazu sagen. Der Außenminister, der Verteidigungsminister, die Innenministerin – alle ahnungslos. Dabei wäre es ihr Job, über solche Dinge Bescheid zu wissen. Und Angela Merkel erst. Die mächtigste Frau der Welt las beim G8-Gipfel dem mächtigsten Mann der Welt die Leviten: Sie habe Präsident Obama mitgeteilt, dass das so gar nicht gehe, erzählte sie. Wie gesagt: ganz großes Kino.

- Klaus Puchleitner

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