Das Kanzlerduell: Den Pudding an die Wand nageln

Das Kanzlerduell: Den Pudding an die Wand nageln

„Uns sind ein bisserl die Gegner ausgegangen“, sagte SP-Wahlkampfchef Norbert Darabos. So kann man sich irren.

So schnell kann´s gehen in der Politik: Vor nicht einmal vier Wochen gab Norbert Darabos, eben den Stahlhelm abgelegt und in die Rüstung des obersten Wahlkämpfers geschlüpft, im „Standard“ sein erstes Interview als SP-Bundesgeschäftsführer. Es war erstaunlich angriffig für den sonst eher zurückhaltenden Burgenländer: „Ich sag´s ganz ehrlich: Uns sind ein bisserl die Gegner ausgegangen.“

Und dann kam Salzburg. Seither ist vieles anders. „Michael Spindelegger ist jetzt auf Augenhöhe mit Werner Faymann“ ( FORMAT-Autor Christoph Kotanko in der letzten Ausgabe ). „SPÖ: Eine Partei zerbröselt. Der nächste Kanzler? Ungewiss“ („ profil “ in der aktuellen Ausgabe).

Ja, so schnell kann´s gehen in der Politik: Die Sozialdemokratie, die bisher gedachte, Werner Faymann im Schlafwagen zur Wiederwahl im Herbst zu rollen, ist nach vier verlorenen Urnengängen in der Defensive. Ein bisserl „Gerechtigkeit“, ein bisserl „Arbeit für alle“, ein bisserl Reichenbashing samt Silberlocke Faymann auf staatstragend zu plakatieren – das wird jetzt nicht mehr reichen.

Noch dazu, wo die Sozialdemokratie einen wahlpolitischen Strategiewechsel vollziehen muss, den sie so erst seit kurzem auf der Rechnung hat. Etwas besseres als das von FPÖ-Chef H.C. Strache ausgerufene „Kanzlerduell“ mit Faymann hätte den Roten nämlich gar nicht passieren können. Die Zuspitzung Gut gegen Böse im Finish eines untergriffigen Wahlkampfes hätte dem seriösen Amtsträger sicher ein paar Prozentpunkte zusätzlich eingebracht. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass der Koalitionspartner ÖVP dazwischen marginalisert worden wäre.

Doch Hättiwari ist nicht, diese Auseinandersetzung wird es nicht geben. Wie wir ja wissen, hat Frank Stronach den Aufstieg des Blauen gestoppt.

Jetzt muss die SPÖ einen Pudding an die Wand nageln. Im Ernst: VP-Chef Michael Spindelegger ist gerade dabei, an sich zu glauben. Dass er bisher Ecken und Kanten aufwies, wird niemand guten Gewissens behaupten können.

Jetzt entwickeln sich zumindest Konturen. Nach drei gewonnenen Landtagswahlen trotz eines Gesamtverlustes von mehr als 100.000 Stimmen ist die Partei geschlossen, siegeshungrig wie lange nicht mehr. Bei der pompösen „Österreich-Rede“ vergangenen Mittwoch hat es Spindelegger denn auch erstmals so richtig getan: Er hat das „K“-Wort in den Mund genommen. „Als Bundeskanzler werde ich jeden Tag hart arbeiten.“ Man könnte hinzufügen: Nichts anderes würden wir uns erwarten.

Inhaltlich bot die Rede wenig Neues. Es war die Tour d´Horizon eines braven konservativen Parteiführers. Mit all den bekannten, teils richtigen Schlagwörtern, die man auch schon von Alois Mock oder Wolfgang Schüssel gehört hat: Leistung muss sich wieder lohnen, nur die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, Steuern runter, schlankerer Staat etc. Dabei stellt sich nur eine Frage: Die ÖVP sitzt jetzt seit 27 Jahren ununterbrochen in der Regierung, stellte Kanzler, Finanzminister, Wirtschaftsminister, warum hat sie das alles bisher nicht umgesetzt?

Wie auch immer: Die Schwarzen gehen jedenfalls stolzgeschwellt ins Duell mit Faymann. Aber es ist und bleibt ein Zweikampf Not gegen Elend. Denn Fakt ist, dass beide Frontmänner in der Frage der Kanzlerdirektwahl die geringste Zustimmung seit Erfindung dieses Instruments durch die Meinungsforscher aufweisen.

Und beide Parteien sind auf ihre Art ausgehöhlt, auf den Stammwählerkern reduziert: Bei der SPÖ sind das Pensionisten, bei der ÖVP im Wesentlichen Beamte, Landbevölkerung, Kleingewerbetreibende. Dass ÖAAB-Mann Spindelegger jetzt spät, aber doch versucht „Wirtschaftskompetenz“ aufzubauen, beweist, dass seine Strategen eine inhaltliche Verbreiterung anstreben. Kammerpräsident Christoph Leitl agiert dabei als Chefmentor.

Die SPÖ muss erst einen Weg aus der Verengung finden. Urbane, gebildete Milieus etwa haben der Faymann-SPÖ längst den Rücken gekehrt.

Durch die Zersplitterung der Parteienlandschaft gilt aber für beide Ex-Großparteien: Wer weniger Stimmen als der andere verliert, geht als Erster durchs Ziel. Das ist die Ausgangslage im Abendrot der ewigen großen Koalition.

In einem hat Spindelegger vergangenen Mittwoch überrascht: In der Härte der Angriffe auf den Koalitionspartner. Und das kann nur eines bedeuten: Schafft Michael Spindelegger nicht die Nummer eins, weiß er, dass er Geschichte ist. Das gilt im umgekehrten Fall auch für Werner Faymann.

Insofern ist das Kanzlerduell 2013 doch spannender als erwartet.

- Andreas Weber

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