Das Duell des Jahres 2014

Das Duell des Jahres 2014

„Ein Land, das einst ambitionierte Außenpolitiker hatte, ist international abgetaucht.“

0049302000: Das ist sie, jene Nummer, die Österreich am Ende des Jahres die letzte Blamage erspart hätte. Unter der ist Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck zu erreichen. Heinz Fischer, sonst gewiefter Diplomat, hätte nur anrufen lassen müssen. Schon hätte er vom Mandela-Trauerakt in Südafrika mit Gauck im deutschen Regierungsflieger direkt nach Leipzig zur Feier des 100. Geburtstages von Willy Brandt zurückfliegen können. Fischer trat dort als Festredner auf.

Da in der Hofburg keiner auf diese Idee kam, war Österreich bei den Mandela-Feiern, immerhin eine der größten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, nur drittklassig vertreten. Fischer machte bei seinen Erklärungen, warum er die Reise ans Kap ausließ (Zeitnot, kein eigener Flieger etc.), erstmals in seiner Amtszeit klägliche Figur.

Doch das war nur der Schlusspunkt unter ein außenpolitisches "Annus horribilis“. Überstürzter Abzug vom Golan, ein Außenminister, der weniger Zeit im Ausland verbrachte als ein normaler Urlauber, auf EU-Ebene außer kecken Sprüchen wenig. Im neuen Regierungsprogramm sind "Österreich in Europa und der Welt“ heiße sieben Seiten gewidmet.

Kurz: Ein Land, das mit Kreisky, Mock, Busek über teils umstrittene, jedoch ambitionierte Außenpolitiker verfügte, ist international abgetreten. Und widmet sich wenig anderem als der Introspektion.

In diese Zeitläufte fällt die Wahl zum EU-Parlament kommenden Mai. Selten hatte eine Wahl mehr Symbolcharakter, selten war ein Duell der Hauptkontrahenten ungleicher: da FPÖ-Chef HC Strache, für den die EU eine "global organisierte Räuberbande“ ist. Dort VP-Spitzenkandidat Othmar Karas, unser angesehenster EU-Politiker, der sein Leben der europäischen Einigung widmet. Der Ausgang dieser Wahl hat größere Bedeutung als die Entsendung von 18 Abgeordneten nach Brüssel. Es geht, aufgrund des Platzmangels allerschlichtest formuliert, um: sich weiter abschotten oder mitgestalten. Jüngsten Umfragen zur EU-Wahl zufolge ist Strache schon Nummer zwei. Tendenz stark steigend.

- Andreas Weber

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