Das Duell 2013 lautet Strache gegen Stronach

Das Duell 2013 lautet Strache gegen Stronach

Das Duell 2013 lautet nicht Faymann gegen Strache, sondern Stronach gegen Strache: Der Wahlkanadier als „anständige“ populistische Alternative für Verdrossene.

In Kärnten und Niederösterreich gab es vergangenen Sonntag Wahlen. Sie brachten wichtige Ergebnisse, die aber wenig miteinander zu tun hatten. An der Traisen triumphierte die ÖVP, am Wörthersee die SPÖ. In St. Pölten gab es ein Dacapo, in Klagenfurt den Wechsel als Sondereffekt nach zahllosen Skandalen. Nur eine Gemeinsamkeit bestand: Die FPÖ verlor, und Frank Stronach hatte beim Erstversuch gute Ergebnisse.

In seiner Wahlheimat Kanada war der Magna-Milliardär bereits Ende der Achtzigerjahre für die Liberal Party angetreten (Slogan: „Let’s be Frank!“); damals scheiterte er. Seine Tochter wurde später immerhin Ministerin.

Nach dem Wahlsonntag war Stronach nicht ganz zufrieden, er hatte mit mehr gerechnet. Aber eines versprach der Neueinsteiger: „Diese Bewegung wird wachsen wie eine Lawine.“

Nun neigt der Politbetrieb zum hysterischen Dauerton; auch für Stronach gilt: Nicht unter-, nicht überschätzen. Aber die Lawinengefahr für HC Straches Freiheitliche hat sich seit Sonntag merkbar erhöht.

Bisher hatte die FPÖ im rechten Spektrum fast ein Monopol bei Protestwählern. Zielgruppe: Leute, die sich ohnmächtig fühlen gegenüber wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und daher das herrschende System verachten. Ihr Feindbild sind die politischen Eliten. Die Furcht vor Immigration, Europa, Privatisierungen, Sozialmissbrauch, all das befeuert den Populismus.

Der Frust ist nachweisbar riesig: Von denen, die an Wahlen teilnehmen, kreuzen bis zu 30 Prozent eine rechtspopulistische Bewegung an. Das Reservoir für Stimmenfänger ist freilich größer: Zur Nationalratswahl 2008 gingen 1,3 Millionen gar nicht hin; das sind mehr potenzielle Wähler, als das größte Bundesland hat.

Stronach speist sich, wie wir seit Kärnten und Niederösterreich wissen, aus mehreren Quellen: Er mobilisiert vormalige Nichtwähler und hat Zuflüsse von SPÖ („Ich bin das Kind von einer Orbeiterfamilie“) und ÖVP („Die ÖVP ist eine Bankenpartei“). Und er ist die Anlaufstelle für verdrossene Freiheitliche, die nicht mehr mit zugehaltener Nase FPÖ wählen wollen. Stronach, die „anständige“ Alternative: Das ist Straches größte Bedrohung.

Dass der gewöhnliche FP-Wahlkampf nicht mehr funktioniert, zeigte Niederösterreich. Dort spulten der rechte Schreihals und seine altdeutsche Frontfrau Barbara Rosenkranz das übliche Programm ab. Doch gegen Brüssel, Machtmissbrauch und Parteibuchwirtschaft ist Stronach ebenso. Er steht nur nicht im Geruch, rechtsradikal zu sein. Das ist auch biografisch bedingt. Während der junge Strache Wehrsportübungen mit später verurteilten Neonazis machte, baute der steirische Auswanderer Stronach ein Weltunternehmen auf. Beides prägt.

Strache hat die Gefahr erkannt. Früher war er Vorredner des Volkszorns. Jetzt versucht er in seiner Not, zwei Gegenargumente anzubringen. Eines lautet, Stronach sei „eine Erfindung von Rot und Schwarz, um uns zu schaden“. Das glaubt ihm keiner angesichts der Watschen, die „Fränk“ gegen SPÖ wie ÖVP austeilt.

Zweitens behauptet der bedrängte FP-Chef, er schütze „die eigenen Landsleute“ besser vor Kriminalität, Asylbetrug, Unsicherheit und der EU. Den Ton wird er verschärfen, der Wahlkampf wird dreckig wie nie.

Strache hat freilich das Risiko, dass sich gemäßigte Protestwähler wieder Stronach zuwenden. Die Alternative fehlte ihnen bisher. Stronach wird das Megafon der Verdrossenen, obwohl auch sein Angebot dürftig ist. Das Team hat Landesliganiveau, was er will, ist sechs Monate nach Parteigründung nicht zu erkennen.

Im April will Stronach ein Programm präsentieren, an dem man ihn dann messen kann. Für die Nationalratswahl wird er groß kampagnisieren. Klein gibt’s nicht: „Ich erwarte mir die meisten Stimmen.“ Das ist natürlich Unsinn. Realistisch sind aus heutiger Sicht 10 bis 15 Prozent. Aber Stronach ist ein Störenfried, der die Symmetrie der Traditionsparteien bedroht. Und er ist die populistische Alternative zu Strache, der sich seinen Kanzlertraum abschminken kann. Das Duell 2013 lautet nicht Faymann gegen Strache, sondern Strache gegen Stronach.

- Christoph Kotanko
Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten in Wien

Dem Autor auf Twitter folgen:

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten