Burg. Konflikt. Feigheit.

Burg. Konflikt. Feigheit.

Die nun vorliegenden Zahlen über Verluste und Nachzahlungen ans Finanzamt sind das einzig Klare im Finanzdebakel um das Burgtheater. Zusammen mit der Bundestheater-Holding wurde eine Konfliktlösungsstrategie verfolgt, die Strategieberater verzweifeln ließe.

Nun haben wir es also Schwarz auf Weiß: Nach Wochen diskutierter Vermutungen über Bilanzfälschungen und dubiose Überweisungen liegen die Zahlen auf dem Tisch: 8,3 Millionen Verlust in der Saison 2012/13 plus 5 Millionen Nachzahlung ans Finanzamt, hat Bundestheater-Holding-Chef und Aufsichtsrats-Vorsitzender Georg Springer bekanntgegeben. Diese Zahlen sind das einzig Klare im Finanzdebakel um das Burgtheater, das gemeinsam mit der Holding in der Causa eine Konfliktlösungsstrategie gefahren ist, die Profistrategen Tränen ins Auge treiben muss.

Was bleibt, ist ein Fragen-Konvolut und der Zweifel an der Einzeltätertheorie. Nach wie vor wird Ex-Vizedirektorin Silvia Stantejsky verantwortlich gemacht. Sie soll die Bilanzen derart frisiert haben, dass keiner Durchblick haben konnte. Wie bitte? Das bedeutet ein dramatisches Versagen sämtlicher Kontrollorgane, die damit wohl alle fehl am Platz wären. Und was ist die Konsequenz? Nichts, außer Gejammer und Schuldzuweisungen mit verteilten Rollen. Dass Burgchef Matthias Hartmann deutlich mehr produziert hat, als er sich leisten kann, ist Faktum. "Wir machen jeden Tag Schulden“, formulierte er bereits anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Hauses.

Vielleicht wäre da schon ein Nachfragen des Eigentümers am Platz gewesen. Auch dass die Holding alle Abschreibungsläufe durchgehen ließ, ist nicht vertrauensbildend. Georg Springers Vertrag läuft mit Ende des Jahres aus. Kein ruhmvoller Abgang. Man sollte nun überlegen, wofür eine Bundestheater-Holding hinkünftig stehen soll und kann und schleunigst die Nachfolge ausschreiben.

- Michaela Knapp

knapp.michaela@format.at

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