Bullshit-Serie, Teil 5: Begeben Sie sich in gute Gesellschaft!

Bullshit-Serie, Teil 5: Begeben Sie sich in gute Gesellschaft!

In manchen Fahrstühlen finden Sie eine "Tür zu“-Taste. Darauf ist ein Piktogramm mit Pfeilen, die nach innen zeigen. Ich erwische sie meist aus Versehen, ehrlich! Denn eigentlich wollte ich die darüberliegende "Tür auf“-Taste drücken, um den heraneilenden Jungmanager wenigstens ein kleines bisschen zu unterstützen. Denn leicht hat er es wirklich nicht.

Eine vor kurzem vom französischen Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty vorgelegte Studie kommt zu dem Schluss, dass sich die Erträge aus Geldanlagen seit drei Jahrzehnten auf vier bis fünf Prozent pro Jahr belaufen - während die Einkommenssteigerung im Durchschnitt nur 1,6 Prozent pro Jahr ausmacht. Was das heißt? Ganz einfach: Durch Arbeit alleine werden Sie nicht reich.

Geld verdienen können Sie nur, wenn Sie schon welches haben. Und um welches zu haben, müssen Sie die richtigen Leute kennen. Dafür wird Sie dann der Fahrstuhl auch zuverlässig nach oben bringen. Wie Sie die richtigen Leute kennenlernen? Hier gibt es verschiedene Optionen. Die einfachste und häufigste ist: Sie werden bereits in die richtigen Kreise hineingeboren. Eine todsichere Sache und ohne großen persönlichen Einsatz Ihrerseits zu bewerkstelligen. Wenn der Herr Papa also den Learjet zur Arbeit nimmt, ist die Sache für Sie geritzt. Vergessen Sie in diesem Fall aber niemals, alle Welt wissen zu lassen, durch welches Stahlbad Sie für Ihren Erfolg gehen mussten. Denn Ihnen wurde nichts, aber auch gar nichts geschenkt. Das schlechte Essen und die Schläge im englischen Eliteinternat, die Anwürfe der Neider während des Studiums und schließlich der entbehrungsreiche Weg nach oben in der Firma!

Falls Sie nicht die richtigen Eltern haben, sieht’s schon deutlich schlechter aus. Dennoch sehe ich noch keinen Grund zur Verzweiflung. Denn besonders wenn Sie zu schön, zu jung oder zu intelligent sind, gibt es eine supersaubere Lösung: Heiraten Sie einfach in die richtigen Kreise! Und bitte da ist gar nichts dabei! Im Gegenteil. Sie bewegen sich geradezu auf ur-österreichischem Terrain. Denn schon vor über dreihundert Jahren hatten die Habsburger das "Tu felix Austria nube“ als Königsweg nach oben qualifiziert und wurden von aller Welt darum beneidet. Wenn diese beiden ersten Optionen für Sie nicht einlösbar waren, bleibt nur noch eine Option übrig: Treten Sie interessanten Vereinen bei. Mit einem Jagdschein tun Sie sich leichter. Sie werden bei der Pirsch einige kurzatmige Geschäftsführer vormals renommierter Unternehmen treffen. Zusammen mit den Aristos aus dem Aussenamt ist das ein vielversprechender Mix.

Der Hit der Saison sind aber Poloclubs. Am Rand des Spielfelds treffen sich immer interessante Menschen. Wenn Sie dazu noch Russisch können, sieht es gar nicht mal mehr so schlecht aus mit der Karriere. Betonen Sie am Rand des Polofelds aber immer wieder Ihre Vorahnung, dass auch dieser elegante Sport eines Tages von den notorisch unzufriedenen Gleichmachern und Anpatzern kaputt gemacht werden wird. Zeigen Sie Interesse an Elefantenpolo, hier liegt die Zukunft dieses Sports.

Weil es auf der Hand liegt, möchte ich zum Abschluss jedoch eine Warnung aussprechen: Vermeiden Sie Golf! Inzwischen ist dieser wunderschöne Sport auch in Europa von egalitären Wirrköpfen geradezu zur Geisel genommen worden. Auf dem Green regieren heute Kantinenköche und mittlere Handelsangestellte, die den Fahrstuhl nach oben schon lange verpasst haben. Obwohl ich noch nicht mal auf die "Tür zu“-Taste gedrückt hatte. Ehrlich.

Hal O ‘Ween heißt natürlich ganz anders. Als erfahrener Konzernmanager hat er in verschiedenen Ländern in senioren Führungspositionen gearbeitet und berät heute Unternehmen in ganz Europa. Der Besuch sinnloser "Leadership“-Veranstaltungen motivierte ihn schließlich, einen Management-Ratgeber der anderen Art zu verfassen: "Decoding Leadership Bullshit“, Page Verlag, 10,30 Euro. www.decodingleadership.net

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