Börse Wien: Was kann noch schlimmer werden?

Die Wiener Börse wurde im Oktober in einem Ausmaß nach unten geprügelt, das durch nichts zu rechtfertigen ist. Praktisch keine wichtige internationale Börse hat es heuer mehr erwischt als Wien. Sicher hat sich derzeit die Ostfantasie, die die Börse jahrelang beflügelt hat, angesichts der vielen Krisenherde in den Nachbarstaaten zum Nachteil verwandelt. Ein offenes Geheimnis ist, dass vor allem die in Osteuropa tätigen Finanzinstitute derzeit um viele Milliarden zittern. Wenn schon in Island 2,6 Milliarden Dollar versenkt wurden – wie hoch sind dann erst die Verluste in Ungarn, Rumänien, Russland oder der Ukraine, wo viel umfangreichere Geschäfte getätigt werden? Trotzdem wird nach menschlichem Ermessen keine der betroffenen Banken und Versicherungen pleitegehen, der Staat wird notfalls so viele Milliarden einschießen, bis alle Probleme gelöst sind.

Es muss bergauf gehen
Der ATX, der von seinem Jahreshoch von 4.875 Punkten in dieser Woche bis auf ein Tief von 1.676 Punkten gefallen ist, spiegelt mittlerweile trotzdem alle erdenklichen Katastrophenszenarien bis hin zu Bankenpleiten wider. Mit anderen Worten: Was soll noch schlimmer kommen – es muss wieder bergauf gehen. Diese einmalige Gelegenheit sollte man nicht völlig ungenutzt vorübergehen lassen. Neben soliden Industrietiteln wie der voestalpine sind auch konservative Immoaktien, die vor allem in Westeuropa tätig sind, einen Blick wert. Das Risiko, dass doch das eine oder andere Unternehmen noch Leichen im Keller hat, kann man mit dem Kauf eines Fonds umgehen. In den vergangenen Jahren hat sich der Meinl Equity Austria besonders bewährt, der auch jetzt noch, Ende Oktober, im Fünfjahresschnitt einen Ertrag von 11,7 Prozent per annum aufweist. Zweiter ist der Austrian Equity Trust von Spängler, der seit Oktober 2002 im Schnitt 7,2 Prozent erwirtschaftete, dritter der Kepler Österreich Aktienfonds mit 6,2 Prozent. Wer das Investment in mehreren Etappen vornimmt, reduziert zudem die Gefahr, den falschen Einstiegszeitpunkt zu erwischen.

Turbos für Zocker
Wer ohne Rücksicht auf Verluste alles auf Rot setzen möchte, kann zu Turbozertifikaten greifen. Derzeit kann man zum Beispiel auf www.abnamrozertifikate.de ATX-Mini-Long-Papiere finden, bei denen man mit einem Hebel von über 5 auf das Wiedererwachen der Wiener Börse setzt. Beim Immobilienindex IATX finden sich sogar Mini-Long-Instrumente mit einem Hebel von 12. Naturgemäß sind das extrem heiße Eisen, bei denen spektakuläre Gewinne möglich sind. Dafür ist auch jederzeit ein Totalverlust einzukalkulieren, wenn die festgesetzte Stop-Loss-Marke nach unten durchbrochen wird. Deshalb sollte man solche Papiere nur ordern, wenn man den kompletten Verlust des Einsatzes verkraftet und ständigen Online-Zugang zum Depot hat, um gegebenenfalls die Reißleine zu ziehen, falls sich die Börse dreht.

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