Bloß nicht die Bäume!

Bloß nicht die Bäume!

Die Bäume des Gezi-Parks in Istanbul, des Stuttgarter Schlossparks und die der Hainburger Au haben etwas gemeinsam, das man Bäumen an und für sich gar nicht zutrauen würde: An ihnen haben sich Bürgerbewegungen entzündet.

In allen drei Fällen sollten sie Infrastukturvorhaben weichen, und in allen drei Fällen ging das den Menschen in ihrer Umgebung selbst dann ziemlich gegen den Strich, wenn sie zuvor gar nicht viel für Bäume an sich übrig gehabt haben. In Istanbul sollte statt der Bäume ein Einkaufszentrum entstehen, in Stuttgart ein neuer Bahnhof und in Hainburg ein Kraftwerk. Lauter Infrastukturvorhaben, lauter Dinge, von denen die Befürworter sagen, dass sie sinnvoll sind, zumindest wirtschaftlich.

Doch sobald Bäume gefällt werden sollen, bildet sich Widerstand, wo zuvor keiner spürbar war. Sobald Bäume gefällt werden, wird Menschen offenbar über alle ideologischen Gräben hinweg mulmig. Das war in Hainburg der Fall, wo sich plötzlich eine seltsame Koalition aus Grün, Schwarz und der Kronen Zeitung fand. Das war in Stuttgart der Fall, wo das alteingesessene Bürgertum sich an die Platanen, Pappeln und Eichen band und demonstrierte, bis dem Spiegel dafür das Wort „Wutbürger“ einfiel. Der Bahnhof wird zwar gebaut, aber der Protest hat immerhin dazu geführt, dass Baden-Württemberg jetzt einen grünen Ministerpräsidenten hat, was lange unvorstellbar war. Welche Auswirkungen die Wut, die sich über der Bedrohung der Bäume bildete, nun in der Türkei haben wird, ist noch nicht absehbar. Das Potenzial ist groß.

- Martina Bachler

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