Blackberry – Ein letztes Tasten-Wunder?

Blackberry – Ein letztes Tasten-Wunder?

Champagnerkorken knallten in Waterloo, Kanada. Das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist“ diagnostizierte 2006 eine neuartige Managerkrankheit, das zwanghafte E-Mail-Checken.

Ein "Crackberry“ zu sein, war cool. Besser konnte es für die Kanadier nicht laufen. Eine ganze Managergeneration hatte sich die Blackberry-Holster umgeschnallt und saß auf Stand-by in den Sitzungszimmern dieser Welt, um unter oder über dem Tisch die alles entscheidende E-Mail zu lesen.

Push-Mail machte "pushy" und Blackberry reich – bis 2007 Steve Jobs den neuen Touch in die Branche brachte, der nicht nur Blackberry zum Verhängnis werden sollte. Dass die Mounties, trunken vom Erfolg, noch jahrelang auf die Tasten statt auf den Touchscreen starrten, war hier noch das kleinere Problem.

Richtig teuer kam ihnen zu stehen, dass sie auch den Tablettrend und das Appfieber verschliefen und glaubten, sich glatt auf ihren verkauften Blackberry-Firmenlizenzen ausruhen zu können.

Genau jenes Bedürfnis, dass die Kanadier einst so vorzüglich weckten und stillten, ist noch größer geworden. Die Sucht nach permanenter Kommunikation ist kein Fall mehr für die Wissenschaftsbibel, sondern schlicht Volkskrankheit. Aber die anderen Bedürfnisbefriediger hatten zuletzt einfach die bessere Ware. Tragisch, denn jetzt haben die Kanadier mit Blackberry 10 wieder richtig guten Stoff im Programm. Hoffentlich reicht das noch für ein allerletztes Tasten-Wunder.

- Barbara Mayerl

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