Billiger geht's immer

Stefan Knoll über den Pferdefleisch-Skandal.

So mancher Westösterreicher staunt nicht schlecht, wenn er an einem beliebigen Wiener Würstelstand erstmals mit Käsekrainer vom Pferd konfrontiert wird. Die Verwurstung der besten Stücke von Reittieren hat ostwärts des Ötschers Tradition.

Dass der aktuelle Fleischskandal auch hierzulande hohe Wellen schlägt, liegt folglich weniger am Produkt als am Etikettenschwindel. Beim Essen will man zumindest darüber Gewissheit, dass auch drin ist, was draufsteht. Doch Transparenz ist eine Frage des Preises. Käfighendl und Fertig-Lasagne entziehen sich weitgehend einer Analyse über Herkunft und "Herstellungsbedingungen“. Aus gutem Grund. Wer will schon so genau wissen, dass sein Schnitzel aus Massenhaltung stammt oder Gurke und Paradeiser keimfrei in kilometerlangen Folientunneln gezogen wurden?

Nur billig zählt. Deshalb wird die Lebensmittelindustrie auch weiterhin nur jene Produkte mit Zusatzinformationen versehen, die für gesunde Ernährung und glückliche Tiere stehen. An diesem Punkt hat Konsumentendruck bereits viel bewegt. Besucher aus EU-Nachbarländern registrieren mitunter erstaunt, dass alle großen Supermarkt-Ketten seit Jahren leistbare Bio-Eigenmarken vertreiben. Die Schere zwischen Qualität und Quantität wird kontinuierlich kleiner. Und jeder weitere Skandal erhöht den Druck auf die Anbieter.

- Stefan Knoll

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