Berechnende Bescherung

Barbara Mayerl über die weihnachtlichen Handytarif-Massaker und ein Dilemma.

Es ist angerichtet, das weihnachtliche Tarif-Menü der Mobilfunker. Orange preist im Angesicht der Übernahme unverdrossen seinen 7,50-Euro-Pauschaltarif an. 3 setzt noch eins drauf und macht es für 7 Euro. A1 bleibt tariflich hart, aber herzlich und lässt die sexy Weihnachtsengerln fliegen. Von T-Mobile hört man dagegen – durchaus zutreffende – Marktanalysen des neuen Chefs Andreas Bierwirth: Es gibt zu wenig Geld für die erbrachte Leistung. Das ist auch der Grund, warum es Orange bald nicht mehr geben wird. Das Spiel geht seit Jahren so und hat sadomasochistische Komponenten. Einer lässt die Tarif-Hosen runter, um im selben Augenblick lustvoll zu betonen, warum das wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht.

Auch T-Mobile sitzt in der Preisfalle, aus der sie nicht einmal der Inder im Robin-Hood-Kostüm befreien kann – und die man mit den legendären Fairplay-Tarifen einst selbst mit ausgelegt hat. Vor Weihnachten kann Bierwirth dieses Dilemma nicht mehr wirklich lösen, ohne in Argumentationsnotstand zu geraten. Er kann die nächsten Wochen eigentlich nur dafür nutzen, sich mit seinen besten Leuten ein unwiderstehliches Angebot auszudenken, das diesen gordischen Tarif-Knoten durchtrennt. Wenn ihm das gelingt, verdient er, dass die Lösung des Bierwirth-Dilemmas dereinst als Musterbeispiel in die Management-Lehren des Mobilfunks aufgenommen wird – als überraschende Drehung in einer scheinbar aussichtslosen Preis-Lage.

- Barbara Mayerl

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