Ballastfrei marschieren

Klaus Puchleitner über den Darabos-Rücktritt als Nachbrenner für die Heeresreform.

Fast ist es ja ein wenig gruselig, Norbert Darabos bei öffentlichen Auftritten nach seinen verzwickten Performances vergangener Jahre einmal entspannt und lächelnd zu sehen. Beinahe schon souverän wirkte der ehemalige Verteidigungsminister nach seinem Rücktritt jedenfalls bei Pressekonferenz und Auftritt im „ZiB 2“-Studio. Man konnte leicht den Eindruck gewinnen: Dem Mann wurde eine große Bürde von den Schultern genommen.

Nicht viel anders spielt sich die Sache beim Bundesheer ab. Der Darabos-Rücktritt wird sich als Nachbrenner für die Reform erweisen.

Dem Vernehmen nach geht auch bereits ein Ruck durch alle Kader. Plötzlich frei vom Ballast des ungeliebten Ministers, wird das Marschgepäck freudig aufgenommen, und man ist unter dem neuen Chef bereit, sich auf den Weg zu machen. Natürlich ist es ein kleiner Treppenwitz, dass Darabos nun noch vor seinem verhassten Generalstabschef Entacher den Hut nahm. Aber dem Heer tut das zweifellos sehr gut.

Man kann davon ausgehen, dass der von allen Scharmützeln der Vergangenheit völlig unberührte neue Minister die Heeresreform auf dem Papier zügig umsetzt. Danach ist ohnehin Vollwahlkampf, und was hinterher kommt, weiß niemand. SPÖ und ÖVP werden vor der Wahl jedenfalls sagen können: Job erledigt, Bürgerwille befolgt. Mit ganz tiefen Schnitten ernsthaft am Bundesheer herumdoktern will ohnehin keiner.

Dass die ÖVP dem neuen Heereschef Gerald Klug keine Schonfrist einräumen will, passt gut in den Zeitplan und ist hauptsächlich als Theaterdonner für die Galerie zu verstehen.

- Klaus Puchleitner

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