Bad Bank Austria

Barbara Mayerl über ein großes IT-Projekt, das die ganze Nation beschäftigt.

Operation gelungen, der Patient ist erst einmal tot. Seit dem Nationalfeiertagswochenende weiß ganz Österreich, dass der Austausch eines Kernbanksystems ein IT-Projekt der gröberen Kategorie ist. Medizinisch gesprochen, kommt das einer Herztransplantation gleich. Blöd für die Bank Austria, dass die Systemumstellung, auf die sich 700 Mitarbeiter zwei Jahre lang vorbereitet hatten, so öffentlichkeitswirksam schiefgegangen ist. Mit der Übernahme durch die UniCredit war klar, dass das Kernbanksystem der Mutter (EuroSIG) übernommen wird, was Sinn macht. Warum dasselbe Unterfangen bei der deutschen HypoVereinsbank vor zwei Jahren relativ reibungslos über ein Wochenende klappte, wird die retrospektive Analyse zutage fördern. War der Druck durch die Konzernmutter zu groß, endlich umzustellen?

Die Bank Austria weiß jetzt auch, wie sich ein ausgewachsener Shitstorm anfühlt – ein System-Sandy sozusagen. Die Kritik ist berechtigt, klar. Aber welche Häme und Polemik da im Internet ausgekippt wird, ist damit zu erklären, nicht zu entschuldigen, dass Banken durch die Finanzkrise zum Hassobjekt erster Klasse geworden sind.

Lieber Willibald Cernko, mit dem symbolischen Blumenstrauß auf der Website und der Entschuldigung ist es nicht getan. Die Bank Austria tut gut daran, Kunden und Mitarbeiter an den Einsparungen zu beteiligen, die das neue Kernbanksystem bringt, wenn es „up and running“ ist. Das ist Ihre Chance, bei dem Projekt noch „bella figura“ zu machen.

- Barbara Mayerl

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