Ausflug in die Siebzigerjahre: Herbert Hacker über das "Varga" im Burgenland

Manchmal können einem gut gemeinte Tipps einige Rätsel aufgeben. Der jüngste dieser Art: das Fischrestaurant Varga im burgenländischen Gols. Es soll hier ausgezeichnete Fischgerichte geben, sogar der deutsche Gourmetpapst Wolfram Siebeck sei angeblich schon mehrmals wegen der guten Küche da gewesen. Auch andere deutsche Redakteure aus der Feinschmeckerzunft seien immer wieder ganz hingerissen gewesen, heißt es.

Und weil auch sonst andauernd vom Varga geschwärmt wird, ist ein Besuch geradezu zwingend. Direkt an der Golser Hauptstraße gelegen, wirkt das Haus von außen allerdings nicht gerade einladend. 1970er- Jahre-Architektur, so weit das Auge reicht. Leider auch drinnen. Aber was soll’s. Wenn das Essen gut ist, was laut Siebeck und Co ja der Fall sein soll, dann kann uns die Optik egal sein.

Die Familie Varga betreibt schon seit geraumer Zeit Fischfang am Neusiedler See. Frisch gefangener Aal, Karpfen und Zander, das klingt nicht schlecht. Und tatsächlich: Gebackener Milchner vom Karpfen als Vorspeise – eine Delikatesse. Doch das war’s dann auch schon.

Urzeit-Zander
Der Zander auf serbische Art wird hier noch wie in grauen Urzeiten mit Knoblauchbutter malträtiert. Und der gebratene Wels schwimmt hilflos in einer Schwammerlpampe, die nach Convenience schmeckt. Die Fische sind zwar nicht schlecht, die Art der Zubereitung aber ist eher fragwürdig. Seltsam, dass diese überwunden geglaubte Küche überhaupt noch existiert.

Was die Weinempfehlung durch den Kellner betrifft, so wird hier nicht lange herumgeredet: „Was können Sie zu den jeweiligen Gerichten empfehlen?“ Antwort: „Bei uns sind alle Weine gut.“ Na dann.

NAME: Varga
ADRESSE: 7122 Gols, Untere Hauptstr. 123, Tel.: 0 21 73/22 31
ÖFFNUNGSZEITEN: Mi.–Mo. 11.30–14.30, 17.00–21.30 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 7,80, Hauptspeisen bis 15,90 Euro

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten