Andreas Weber im 'editorial': Grasser-Anwalt Ainedter und die „indische Infamie“

Manfred Ainedter ist ein erfolgreicher Wiener Strafverteidiger. Manfred Ainedter ist aber auch so etwas wie der Lugner der Juristenszene. Keine Promi-Fete ohne den 59-Jährigen. Wo Mausi Lugner, Jeannine Schiller, Birgit Sarata oder sein Best Buddy, der Bäcker Kurt Mann, abfeiern, ist mit Sicherheit auch „Drara“ anzutreffen. „Drara“ heißt übersetzt „Dr. Ainedter Rechtsanwalt“ und ist das Wunschkennzeichen, mit dem der Advokat seine Autos bestückt hat. Der Smart trägt „Drara 1“, der standesgemäße Mercedes „Drara 2“. Warum soll nicht auch ein Anwalt seine Marotten haben? Noch dazu wenn die Abkürzung auf dem Nummernschild Hinweise auf das Lebensmotto gibt. Mit „Drahrer“ ist im Wienerischen ein Nachtschwärmer gemeint.

Untertags hat Ainedter derzeit auch ganz schön viel zu tun. Es ist ihm nämlich ein Promifall zugewachsen, der viel Arbeitskraft und noch mehr Nervenstärke erfordert: die rechtsfreundliche Vertretung von Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser in der Buwog-Provisionsaffäre und anderen odiosen Privatisierungscausen der Ära Schwarz-Blau.

Und in dieser Eigenschaft trifft Ainedter beinahe wöchentlich auf FORMAT: wenn Aufdecker Ashwien Sankholkar wieder einmal Neues zu den Skandalen rund um Grasser & Friends recherchiert hat. Gemäß den alten journalistischen Tugenden „Check, Recheck, Doublecheck“ bittet Sankholkar dann Ainedter um Bestätigung beziehungsweise ergänzende Informationen aus Sicht seines Klienten – wie es den Spielregeln entspricht.

Als Sankholkar im Juli in einem Einstieg für eine Grasser-Story ( FORMAT 27/2010 ) wahrheitsgemäß davon berichtete, dass der Exfinanzminister seinem „ redseligen Anwalt“ einen Auftritt in der „ZiB 2“ untersagt hatte, brannten bei Ainedter aber alle Sicherungen durch. Er schickte dem FORMAT-Journalisten eine SMS mit folgendem Inhalt: „Danke für den ‚redseligen Anwalt‘. Mit Ihnen red ich jetzt wirklich kein Wort mehr. Mich in den Dreck zu ziehen ist wohl wirklich der Gipfelpunkt indischer Infamie! Rufen Sie mich nie wieder an, Sie unnötiger Schmierfink. M.A.“

Abgesehen davon, dass die Formulierung „redseliger Anwalt“ weit entfernt ist von „in den Dreck ziehen“: Ainedters Äußerung ist, wollen wir es mal vorsichtig ausdrücken, rassistisch angehaucht. Als Schmierfink bezeichnet zu werden sind wir Journalisten ja gewohnt. Wir nehmen das sportlich. Aber Charaktereigenschaften mit Herkunft zu verknüpfen verstößt nicht nur gegen die guten Sitten, sondern auch gegen die Standesregeln der Rechtsanwälte. Übrigens: Eine Entschuldigung Ainedters bei Sankholkar steht bis dato aus.

- Andreas Weber

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