Abgehoben: Stratos-Springer Baumgartner ist gelandet - doch wann landet die SPÖ?

Der Auftritt war bezeichnend: "Ich habe mir daher rechtlich nichts vorzuwerfen" - erklärte Medienstaatssekretär Josef Ostermayr vor nicht ganz zwei Wochen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Inseratenaffäre. Sein Chef, dessen Konterfei die umstrittenen Inserate geziert hatte und der zumindest bei den Bekanntheitswerten von den Einschaltungen profitiert haben dürfte, war gar nicht erst erschienen.

Abgehoben: Stratos-Springer Baumgartner ist gelandet - doch wann landet die SPÖ?

Juristisch nichts vorzuwerfen - diese Wortwahl spricht Bände über das Selbstverständnis der "Prätorianergarde", wie SPÖ-Insider den innersten Kreis um Werner Faymann nennen. Der Kanzler und SPÖ-Parteivorsitzende wird als Lichtgestalt präsentiert an dem alles abstreift, die politische Knochenarbeit erledigen seine Adlaten. Und die sind in der Wahl ihrer Mittel mitunter nicht zimperlich, wie die Inseratenaffäre zeigt. Hauptsache die Vorgangsweise war "juristisch einwandfrei".

Die Frage, ob es aus politisch-ethischer Sicht ebenfalls korrekt war, das Geld von Firmen, die vom Steuerzahler subventioniert werden, einzusetzen, um den damaligen Verkehrsminister namens Faymann als "Ombudsmann" der Bahnkunden zu positionieren ist damit nicht beantwortet. Und wie die SPÖ-Spitze mit der Inseratenaffäre letzlich umgegangen ist, steht auch auf einem anderen Blatt. Ein Blatt, dass möglicherweise jene 85 Delegierten bei sich trugen, als sie mit ihrer Streichung dem amtierenden SPÖ-Parteivorsitzenden Werner Faymann das schlechteste Ergebnis der jüngeren Parteigeschichte verpassten.

"Feig, feig, feig" nannte der oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl daraufhin die Delegierten, die Faymann gestrichen hatten, ohne vorher Kritik zu üben. "Es ist eine Schande, was da heute abgelaufen ist."

Mund halten - jetzt geht's ums Ganze

Ackerls Kritik geht allerdings ins Leere. Angesichts der medialen Inszenierung mit der solche Parteitage abgefeiert werden, hätte die leiseste Kritik am Genossen Faymann wohl eine politische Bombe sondergleichen ausgelöst. Vor allem ein Jahr vor der Nationalratswahl - worauf die Delegierten mit großflächigen Plakaten schon beim Eintreffen hingewiesen wurden. "Vorwärts GenossInnen - Auf ins Wahljahr" - hieß es da. Man hätte auch weniger vornehm "Mund halten - jetzt geht's ums Ganze" hinschreiben können. Angesichts dieser Botschaft darf es nicht weiter verwundern, dass jene 85, die der Parteivorsitzende nun überzeugen will, dass "unser Kurs richtig" ist, ihrem Unmut "nur" mit einer Streichung des Kandidaten Ausdruck verliehen haben.

Der Obmann die Lichtgestalt - sein Geschäftsführer der Vollstrecker

Dass die Botschaft der 85 am St. Pöltner Parteitag bei der SP-Spitze nicht angekommen ist, stellte am Tag nach der Wahl auch gleich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter unter Beweis: Folgt man seinen Worten so hat Faymanns Nicht-Erscheinen vor dem U-Ausschuss mit dem schlechten Abschneiden absolut gar nichts zu tun. Denn die Funktionäre haben "sehr richtig" erkannt, dass die Situation des Kanzlers nicht mit Deutschland vergleichbar sei, wo die deutsche Kanzlerin in einem Untersuchungs-Ausschuss Rede und Antwort stand. Leider haben die Delegierten noch zu wenig mitbekommen, dass Faymann in Europa die Finanztransaktionssteuer zustande gebracht hat: "Das ist noch nicht wirklich angekommen, was das für eine politische Leistung ist", erläuterte Kräuter..

Der Obmann die "Lichtgestalt" - sein Geschäftsführer der Vollstrecker, der weiß, was seine Funktionäre denken und die Welt wieder zurechtrückt, in dem er den Delegierten durch die Blume mitteilt, dass sie zu einfach gestrickt sind, um die wahre Größe des Werner Faymann zu erkennen.

Abgehobenheit darf man den SPÖ-Granden tatsächlich nicht vorwerfen, oder?

P.S.: Schnell sind sie ja die Spin-Doktoren des Kanzlers: Um 20.16 Uhr landete Felix Baumgartner in der Wüste von New Mexico. Um 20.34 Uhr gratulierte der Bundeskanzler als erster Politiker Österreichs via OTS-Aussendung dem Salzburger. Manchmal kann Politik, oder das was man darunter versteht, so einfach sein.