A. Lampl in 'formatiert': Ein gutes Jahr für die Wirtschaft, ein verlorenes in der Politik

Würde die Wirtschaft so agieren wie die Politik, Österreich wäre pleite.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Am Konjunkturhimmel ziehen dunkle Wolken auf, Märkte brechen ein. Die Vorstände eines Unternehmens müssten reagieren. Sie können sich aber nicht einigen, welche Ausgaben sie kürzen, welche Strukturen sie verändern wollen – oder ob sie vielleicht doch lieber die Preise erhöhen sollen. Die Aufsichtsräte wiegen bedächtig die Köpfe. Der Betriebsrat blockiert alle Kosteneinsparungsprogramme.

Wie lange wird es dauern, bis so ein Unternehmen im Wettbewerb unter- oder überhaupt pleitegeht? Zwei, drei Jahre, höchstens.

Da hat es die Politik gemütlicher. Sie kann Strukturreformen jahrzehntelang verschleppen, weil sie ihre Budgeteinnahmen einfach per Gesetz erhöhen kann und weil Staaten trotz des permanenten Anstiegs ihrer Verschuldung auf den Märkten nahezu uneingeschränkt frisches Kapital bekommen. Millionen Steuerzahler, die in der Wirtschaft effizient arbeiten, haften für die Ineffizienz der öffentlichen Verwaltung.

Glücklicherweise sind Österreichs Unternehmen wendig, ihre Manager meistens entscheidungsstark, ihre Mitarbeiter überwiegend leistungsbereit und die Belegschaftsvertreter aufgeschlossen für notwendige Kompromisse. Die Wirtschaft hat in der Krise schnell reagiert, ihre Kosten nochmals gesenkt (z. B. die OMV) oder Investitionen verschoben (z. B. die voestalpine ein Stahlwerk am Schwarzen Meer). 2010 waren die Unternehmen daher wettbewerbsfähiger als zuvor, konnten die Früchte aus Strukturmaßnahmen ernten. Und der Arbeitsmarkt hat sich deutlich entspannt.

Die Politik hat die Chance vertan, ist aber hoffentlich gewarnt: Selbst EU-Staaten kriegen irgendwann kein Geld mehr von Investoren – und könnten pleitegehen.

- Andreas Lampl

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