A. Lampl in 'formatiert': Der Aktienbesitz von Managern sollte neu geregelt werden

Insiderhandel passiert an der Wiener Börse regelmäßig. Ein Strafverfahren wegen dieses Delikts hat dagegen Seltenheitswert. Umso spannender ist es, wenn es doch jemanden erwischt und die Person auch noch prominent ist. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat Untersuchungen gegen OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer durchgeführt und will diese Causa auch zur Anklage bringen.

Der Topmanager erwarb im Jahr 2009 für 630.000 Euro OMV-Aktien, wenige Tage bevor der Ölkonzern trotz vorheriger Dementis seine Beteiligung am ungarischen Mitbewerber MOL verkaufte – eine Entscheidung, die den OMV-Kurs um rund fünf Prozent ansteigen ließ. Die FMA sieht dadurch den Tatbestand des Insidertradings erfüllt.

Öffentlichkeitswirksam ist der Vorstoß der Börsenaufseher allemal, nachvollziehbar weniger. Ruttenstorfer hat die Papiere im Rahmen eines vom Aufsichtsrat beschlossenen Aktienprogramms gekauft, das auch ein Eigeninvestment verlangte. Vor allem: Er besitzt die Aktien immer noch und darf sie auch gar nicht verkaufen, weil sie mit einer dreijährigen Behaltefrist belegt sind – was Insiderhandel ziemlich unmöglich macht. Wer weiß schon, was innerhalb von drei Jahren passiert? Auch ein Generaldirektor nicht.

Abgesehen davon: Hätte Ruttenstorfer sein Aktienpaket erst nach dem MOL-Deal erstanden, wäre der Preis um knapp 35.000 Euro höher gelegen – bei ihm ungefähr die Hälfte eines Nettomonatseinkommens und somit kein sehr starkes Motiv für eine kriminelle Handlung.

Insider aus Prinzip

Trotzdem: Auch wenn gerade dieser Fall nicht sehr stichhaltig erscheint, er taugt als Anlass für eine Debatte, unter welchen Umständen es Vorständen (und andere Organen) erlaubt sein soll, Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. Der scheidende Böhler-Boss Claus Raidl hat in seiner schnörkellosen Art in den letzten Jahren mehrmals festgestellt: Es sei prinzipiell Insidertrading, wenn Topmanager in Papiere ihres Unternehmens investieren! Nicht unrichtig. Denn sie haben naturgemäß zu jeder Zeit einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Aktionären und können kurz- bis mittelfristige Entwicklungen antizipieren.

Es gibt sogar Anleger, deren Strategie es ist, nach den Listen der sogenannten Directors Dealings vorzugehen, in denen die Finanzmarktaufsichten die Transaktionen der Organe veröffentlichen. Kaufen die Bosse, dann kaufen diese Anleger auch. Verkaufen die Bosse, werden die entsprechenden Wertpapiere ebenfalls abgestoßen.

Sollten also die Vorstände und Aufsichtsräte generell überhaupt nicht mehr mit Aktien des eigenen Unternehmens handeln dürfen?

Dagegen spricht die nachvollziehbare Überlegung eines Eigentümers, den Vorstand durch Aktien-Bonifikationen anzutreiben, den Wert des Unternehmens zu steigern. Wer selbst Aktien besitzt, wird sich wahrscheinlich konsequenter um einen möglichst hohen Börsenkurs bemühen.

Im Unterschied zur entbehrlichen Diskussion um die Begrenzung von Managergehältern ist diese Materie aber tatsächlich heikel und sollte noch strengeren Regeln unterliegen, als sie zurzeit gelten. Ganz besonders in Österreich, weil die Wiener Börse aufgrund ihrer geringen Umsätze besonders anfällig für Manipulationen jeder Art ist. Ein Körberlgeld an der Grenze oder jenseits der Legalität ist schnell gemacht.

Strengere Regeln

Eine Möglichkeit wäre, dass Manager nur im Rahmen von Programmen, die im Aufsichtsrat beschlossen wurden, Aktien der von ihnen geführten Unternehmen erwerben dürfen – oder nur zu genau definierten Zeitpunkten, die noch präziser als bisher festgelegt werden müssten. Auch der Vorschlag, diesen Zeitpunkt auf Kapitalerhöhungen zu beschränken, ist eine Beschäftigung wert. Vor allem sollten Aktienprogramme möglichst langfristig angelegt sein: mindestens drei Jahre (wie es bei der OMV kurioserweise ohnehin der Fall war) oder länger.

Totaler Unsinn ist etwa, für Bonifikationen einen Stichtag festzulegen. Man erinnere sich an das Beispiel der Telekom Austria, wo Aktienoptionen für die Führungsriege an das Erreichen eines bestimmten Kurses an einem bestimmten Tag geknüpft waren. Wohl nicht zufällig überstieg der Kurs genau an diesem Tag die geforderte Marke um ein paar Cent. Der Verdacht, dass dabei nachgeholfen wurde, ist mittlerweile nicht mehr unbegründet.

Die Bosse der wichtigen österreichischen Konzerne wären in ihrem eigenen Interesse gut beraten, von sich aus strengeren Richtlinien das Wort zu reden. Ihr in der Krise verfestigtes Image als Abzocker sind sie noch nicht wieder los.

Und noch ein Wort zur FMA: Der Eindruck verfestigt sich, sie wolle mit öffentlichkeitswirksamen Verfahren wie jenem gegen Wolfgang Ruttenstorfer davon ablenken, dass sie in jenen Causen, wo Kleinanleger wirklich geschädigt wurden, nichts zuwege gebracht hat – bei MEL, Immofinanz oder AvW.

- Andreas Lampl

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