Die 3 größten Megatrends der Zukunft nach JP Morgan

Die 3 größten Megatrends der Zukunft nach JP Morgan

Im Zentrum der Umwälzungen, die alle Branchen betreffen, steht der Einsatz von Daten.

JP Morgan, die größte Bank der USA, hat drei Megatrends identifiziert. Lesen Sie, welche das sein könnten und warum diese Entwicklungen so großes Wachstumspotential haben.

"Jede Entwicklung, die langfristig und tiefgreifend die sozialen, politischen und ökonomischen Verhältnisse umkrempeln, ist ein Megatrend", befand der legendäre Zukunftsforscher John Naisbitt in den 80-er Jahren und schuf den Begriff Megatrends. Seither kreisen viele Fragen darum, was ein Megatrend ist. Unternehmen und Anleger, die künftige Trends - je größer umso besser - richtig vorausahnen, können bei Investments in die richtigen Themen viel gewinnen.

Die Asset Manager von JP Morgan, die größte US-Bank, haben nun anlässlich einer Investmentkonferenz in ihrer Londoner Zentrale die ihrer Einschätzung nach drei größten Megatrends der Zukunft präsentiert. Dass das Unternehmen auch selbst mit seinen Geschäftssinn gut liegt, zeigen ihre Gewinne. Im Vorjahr erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 31 Milliarden Dollar. 2019 wurden wie im Vorjahr bereits wieder neue Rekordgewinne gemeldet.



1. Das Ende der Markenprodukte


Als einen wichtigen, heute noch unterschätzen Megatrend, sieht Jon Ingram, Manager des JP Morgan Europe Dynamic Technologies Funds das Ende der Kundentreue zu Marken, der Verbrauchsgüterbranche. Starke Marken wie der Batteriehersteller Duracell oder der Rasierklingenproduzent Gillette, könnten demnach massiv unter wirtschaftlichen Druck geraten.

"Der Trend zu Markenprodukten bei Verbrauchsgütern wird sich auf keinen Fall fortsetzen", behauptet Ingram. Umsätze und Gewinne von Markenunternehmen für den täglichen Bedarf werden sinken. Der Grund: Virtuelle Sprachassistenten wie Alexa von Amazon, der Google Assistent oder Apple Siri übernehmen immer öfter die Auswahl und Bestellung von Waren bei Käufen via Internet.

Amazon hat weltweit bereits mehr als 100 Millionen seiner Sprachassistenten verkauft. Auf Zuruf wird nicht nur Musik abgespielt oder die Beleuchtung gesteuert ,sondern eben auch per Sprachbefehl Waren online geordert.

Wie stark die Umwälzungen beim Einkaufverhalten durch Sprachassistenten sein könnten, erklärt JP Morgan Asset Manager Ingram anhand eines Beispiels eines Markenprodukts: „Viele haben bisher ohne groß nachzudenken und Preise zu vergleichen, beim Kauf einer Batterie zu einem Duracell-Produkt gegriffen." Dieses Kaufverhalten könnte sich durch Sprachassistenten radikal ändern. Markennamen spielen demnach bei der Produktauswahl durch Künstliche Intelligenz (KI) in der Form von Sprachassistenten künftig keine Rolle mehr. "Die Amazon-Auswahl wird für solche Markenhersteller zum großen Problem“, befindet der Investmentprofi. „Sprachassistenten zählen zu den großen disruptiven Entwicklungen."

Undurchsichtige Produktauswahl

Doch die Verkaufsregelungen von Amazon, Produkte nur auf Zuruf zu kaufen, sind rechtlich noch nicht in trockenen Tüchern. Der Konsument sei vor dem Kauf nicht hinreichend über die georderte Ware sowie deren Preis informiert, wie das Oberlandesgericht (OLG) München in Deutschland entschieden hat. Dabei ging es im konkreten Fall um den Amazon Dash Button, durch den auf der Waschmaschine per Knopfdruck bei Amazon ein bestimmtes Waschmittel geordert werden konnte. Das OLG München hat diesen Bestellknopf verboten.

Ein weiteres Problem: Die Produkte, die der Amazon Sprachassistent Alexa vorschlägt, stammen aus „Amazon's Choice“, die eine Kaufempfehlung des Internetkonzerns ist. Das Label ist allerdings keine Garantie für den niedrigsten Preis. Wie genau Amazon's Choice für das jeweilige Produkt zustande kommt, ist unklar und freilich das Geheimnis von Amazon.

Konsumenten, die vielfach gerne Preise vergleichen und Verbrauchsgüter am liebsten kaufen, wenn es Aktionen gibt, haben Einkäufe per Sprachassistent zudem noch nicht im großen Stil angenommen. Hinzu kommen immer wieder Probleme bei der Datensicherheit der Nutzer.

Doch sollten die Auswahlkriterien für die Nutzer von virtuellen Kaufassistenten nachvollziehbarer und damit glaubwürdiger werden. So sollen auch die Kundenvorlieben, wie Aktionen, berücksichtigt und vor allem auch die Daten sicherer werden.

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2. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI)


„Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung stellen die nächste industrielle Revolution dar und die wird alles verändern“, prognostiziert Kristian West, Aktienhandelschef und Wertpapierspezialist für Datenwissenschaften bei JP Morgan. „Jeder Industriezweig wird von diesen Entwicklungen betroffen sein", so der Datenspezialist.

Als drei wesentliche Auswirkungen ausgelöst durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) nennt JP Morgan Experte West, die Möglichkeit dadurch

  • billiger zu produzieren. „Die Digitalisierung wird es uns ermöglichen unsere Kostenbasis um 30 Prozent zu reduzieren“, sagte etwa Airbus-Chef Thomas Enders Mitte 2018. Die Automatisierung wird die komplette globale Lieferkette von Unternehmen verändern und wiederum kostengünstiger machen.
  • die Entwicklungsdauer zu reduzieren. Die Zeit, um Produkte zu entwickeln, wird deutlich sinken. Beim neuen Maserati Ghibli beispielsweise reduzierte sich durch den Einsatz von KI die Zeit von der Produktentwicklung bis zur Serienfertigung von 30 auf 16 Monate. So hat Siemens in Zusammenarbeit mit Maserati die Software für die gesamte Wertschöpfungskette entwickelt. Statt lange an einem Prototyp zu basteln und zu testen bis er zur Fertigung reif war, werde nun Analyse und Entwicklung durch sogenannte digitale Zwillinge extrem beschleunigt. Neue Modelle sind schneller auf dem Markt und die Effizienz wurde gesteigert.
    Im neuen Flieger von Airbus, dem A320, wurde beispielsweise kein Stück von Menschenhand getestet. Es wurde vielmehr eine Konstruktion umgesetzt, die Künstliche Intelligenz zuvor erdacht hat. Auch bei anderen Herstellern, etwa bei Produktdesigns, entwirft die Software das Produkt gleich selbst. Designer sind dafür nicht mehr nötig.
  • mehr Produkte als bisher zu personalisierten. Durch Anwendungen der Industrie 4.0 können Produkte wesentlich schneller maßgefertigt werden. So bieten Adidas und Nike bereits Schuhe an, die von 3D-Druckern nach den Wünschen der Kunden produziert werden. Aktuelle Modelle etwa können nach Material und Farbe individuell gestaltet werden. Immer mehr Markenhersteller setzen bereits, ermöglicht durch neue Technologien, auf personalisierte Produkte. Für den Maserati Ghibli gibt es durch Anwendungen der digitalen Fabrik 27 Versionen.

Wackeln die Hälfte aller Jobs?
Die neue Welt der Daten und ihre rasende Verarbeitung wird viele neue Jobs bringen, aber auch vernichten. Maschinen werden in Zukunft mehr denn je Menschen ersetzen. In den USA könnten laut einer Studie der Oxford University 47 Prozent der Jobs wegdigitalisiert werden. Je stärker die Kosten für Industrieroboter sinken und je leistungsstärker die Algorithmen werden, desto stärker wird sich vermutlich auch die Revolution in der Arbeitswelt vollziehen.

KI stellt eigene Überlegungen an
Durch KI können ganze Montagelinien automatisiert werden. Roboter können mittlerweile noch viel mehr als Fließbandarbeit beschleunigen, erleichtern, sicherer machen und komplexe Daten nutzbringend und in Hochgeschwindigkeit verarbeiten, sondern sich auch Dinge eigenständig überlegen.

Nicht nur Arbeiter auch Akademiker werden durch die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz zumindest einen Teil ihrer Aufgaben an Algorithmen abgeben müssen. IBM hat dazu „Watson“ erfunden, einen Computer für kognitive Intelligenz. Dieser könnte auch helfen Menschenleben zu retten und bei Krebspatienten sämtliche der Informationen zusammenzuführen, Studien zur Krankheit vergleichen und so die beste Therapie vorschlagen.

KI bringt große Wachstumschancen
Intelligente, digital vernetzte Systeme und Prozesse könnten laut einer Studie des Beratungsunternehmens PwC bis zum Jahr 2035 zusätzliches Wachstum von rund 420 Milliarden Euro in Europa bringen. KI hat das Potenzial im Jahr 2030 bis zu 16 Billionen Dollar zur Weltwirtschaft beizutragen. „Das ist mehr als das BIP Chinas“, sagt Investmentspezialist Stroh. 62 Prozent der großen Unternehmen nutzen laut PwC-Studie bereits solche Technologien.

An dieser Erfolgstory können auch Anleger teilhaben. Die DWS etwa hat mit dem ETF Xtrackers Artificial Intelligence and Big Data [ISIN IE00BGV5VN51] einen Themenfonds aufgelegt, der von diesem Megatrend profitieren soll.

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3. Gentherapie


Punktgenaue Gentherapie hat nach Einschätzung von Gesundheitsspezialist Karsten Stroh von JP Morgan das Potenzial eine der großen Umwälzungen der Zukunft zu bringen.

„Wir stehen am Beginn eines Paradigmenwechsels in der Medizin. Das ist nicht mehr länger Stoff für Science Fiction“, betont Scott Gottlieb, Kommissar der US-Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA). „Damit kann die Wurzel vieler Erbkrankheiten gefunden und geheilt werden“, ergänzt JP Morgan-Analyst Stroh.

Die erste Gentherapie wurde bereits 1990 erfolgreich eingesetzt. Doch nach Rückschlägen erfolgte die erste Zulassung für ein Produkt, das zur Behandlung von lymphatischer Leukämie eingesetzt wird erst im Jahr 2014. Inzwischen gibt es weltweit mehrere Hundert Gentherapiestudien. Die meisten dieser Studien, 330 an der Zahl, betreffen Krebserkrankungen. Andere Indikationen sind Blindheit, Hämophilie oder Parkinson. In Europa zugelassen sind Gentherapien gegen Muskelschwund, Bluterkrankheit und einen Immundefekt.



Die Zahl der Patienten, die weltweit damit behandelt werden könnten, gehen in die Milliarden.
Karsten Stroh
JP Morgan

Die Einsatzgebiete für Gentherapien sind Neurologie, Erkrankungen der Augen, Lunge, Herz, Leber, des Blutes, Muskeln und bei Infektionen, Krebs und seltenen Krankheiten.

„Durch die Gentechnik besteht die Möglichkeit Krankheiten zu behandeln, die bisher nicht behandelt werden konnten“, erläutert Stroh, "die Zahl der Patienten, die weltweit damit behandelt werden könnten, gehen in die Milliarden." Der Umsatz dafür könnte in die Billiarden Dollar gehen.

Bessere Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten als bisher
Die Effizienz bei der Erforschung und dem Einsatz von Gentherapien kann nun beschleunigt vorangetrieben werden. So wurde das einfach handhabende Gentechnikwerkzeug CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) entwickelt. Damit wird das nötige Enzym zu jener Stelle im Genom geschleust, an der es die DNA zerschneiden soll. Mit der Methode – der Virusabwehr von Bakterien abgeschaut – gelingt es, gezielt defekte Gene aus dem Erbgut zu entfernen.

Mit Gesundheitsfonds partizipieren
Wer einen Teil seines Portfolios in die vielversprechende Gentechnik investieren möchte, kann das bei JP Morgan etwa in den JPM Global Healthcare Fonds [ISIN LU0433846515] tun. Viele große Pharmaunternehmen wie Pfizer, Roche oder Novartis, die aktuell auch als Anteile gehalten werden, forschen auch in diesen vielversprechenden Medizintrend.

Zu den herausragenden Fonds auf dem Gesundheitssektor zählt auch der Bellevue Funds BB Adamant Medtech [ISIN LU0433846515]. Dieser warf in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt pro Jahr 18,2 Prozent Rendite ab. Der Fonds investiert fast 90 Prozent in den USA und setzt auf Titel wie Abbott Laboratories oder Boston Scientific.

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