Mega-Deal: Abfuhr für Kraft Heinz von Unilever

Mega-Deal: Abfuhr für Kraft Heinz von Unilever

Der größte Deal der Wirtschaftsgeschichte wir noch etwas Zeit brauchen. Unileverziert sich - noch.

Es wäre der größte Übernahmedeal aller Zeiten: Der US-Ketchup-Hersteller Kraft Heinz bietet 143 Milliarden Dollar für Unilever. Doch der Lebensmittelkonzern will von den Avancen nichts wissen. Am Montag kam das endgültige Aus. Der doppelt so große Unilever-Konzern hat Kraft Heinz einen Korb gegeben.

Pittsburgh (Pennsylvania)/Rotterdam. Der US-amerikanische Ketchup-Hersteller Kraft Heinz versetzt die Lebensmittelbranche mit einem 143 Mrd. Dollar (134 Mrd. Euro) schweren Übernahmevorstoß für den etwa doppelt so großen Konkurrenten Unilever in Aufruhr. Der Mega-Deal wurde am Freitag noch als völlig offen bezeichnet, auch wenn der britisch-niederländische Konzern das Angebot am Freitag erst einmal abgelehnt hatte. Das Offert sei zu niedrig, hieß es da noch. Es wurde damit gerechnet, dass Kraft Heinz nochmals nachlegen müsste.

Doch damit wurde nun doch nichts. Unilever hatte neben einem zu niedrigen Offert auch von strategischen Gründen gesprochen, die gegen eine Übernahme sprächen. Daher sehe Unilever keine Grundlage für weitere Gespräche.

Kraft Heinz hat sein Angebot am Sonntag dann überraschend zurückgezogen. Kraft begründete den Schritt am Sonntagabend mit dem Widerstand des Rivalen: "Wir wollten auf freundschaftlicher Basis vorankommen, aber Unilever hat klargemacht, dass sie keine Übernahme wollen", sagte Kraft-Sprecher Michael Mullen. Daher sei ein früher Rückzug gut, damit sich beide Firmen auf ihre eigenen Pläne zur Wertschöpfung konzentrieren könnten.

Doch dürfte nicht nur der Widerstand von Unilever für den Rückzug maßgebend gewesen sein. Die Übernahmepläne dürften zu früh bekannt geworden sein. Vorerst dürfte also Ruhe einkehren. Nach dem offiziellen Rückzug darf Kraft nach britischem Recht nun sechs Monate lang keine neuen Gespräche mit Unilever beginnen.

Ob sich Kraft Heinz so leicht abschütteln lassen wird, steht dennoch in den Sternen: "Wir freuen uns darauf, eine Einigung über die Bedingungen einer Transaktion zu erreichen", heißt es beim Ketchup-Konzern.

Eine Fusion der beiden Firmen mit Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton und Dove wäre eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte. Es entstünde ein Konsumgüter-Gigant mit einem Umsatz von gut 82 Mrd. Dollar, der nahe an den Schweizer Weltmarktführer Nestle mit 89 Mrd. Dollar heranrückt. Treibende Kraft hinter den Fusionsbestrebungen dürften Investoren sein, die die US-amerikanische Lebensmittelbranche bereits seit Jahren umpflügen: Hinter Kraft Heinz stehen der Milliardär Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sowie der Finanzinvestor 3G Capital.

Das Kursfeuerwerk

An der Börse sorgte der Vorstoß für ein Kursfeuerwerk: Die Unilever-Aktie schoss in London zeitweise um mehr als 14 Prozent in die Höhe und markierte ein Rekordhoch bei 3.848 Pence. Laut Unilever entspricht das Angebot von Kraft Heinz einem Aufpreis von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs der Aktie vom Donnerstag. Analysten sagten, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Amerikaner nachlegten. Auch bei den Kraft-Heinz-Aktionären kamen die Pläne gut an: Die Kraft-Heinz-Aktie legte knapp acht Prozent zu.

Die Lebensmittelbranche ist seit Jahren im Umbruch - vor allem in den USA: Kraft Heinz war selbst erst 2015 aus der Fusion des Ketchup-Herstellers Heinz mit dem Philadelphia-Produzenten Kraft hervorgegangen. Mitgemischt hatte bereits damals der Finanzinvestor 3G - und es war nicht der erste Coup: 3G hatte zuvor bei der Fusion von Burger King und Tim Hortons und beim Bier-Zusammenschluss Anheuser-Busch Inbev seine Finger im Spiel.

Doch auch andere haben sich einen Namen gemacht: Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung der "Milka"-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft - scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snack-Riesen aufzuspalten.

Nestle als Nummer eins der Branche will dabei vorerst nicht mitmischen: Die Zeit für große Übernahmen sei nicht gut, weil viele Unternehmen aktuell sehr teuer seien, hatte Firmenchef Mark Schneider erst am Donnerstag erklärt. Zudem hat Schneider erst zum Jahreswechsel offiziell auf dem Chefsessel Platz genommen. Er will sich in der für ihn neuen Branche - Schneider kommt vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius - erst einarbeiten. Er wolle daher "nicht wild um sich schießen", sagte er in einem Interview der Zeitschrift "Finanz und Wirtschaft". Zu einem möglichen Zusammenschluss der beiden Wettbewerber wollte sich Nestle nicht äußern.

Experten sehen allerdings auch Probleme für einen Deal von Kraft Heinz und Unilever: "Wegen der schieren Größe der Transaktion werden sich auf jeden Fall Kartellbehörden einschalten", sagte Chef-Analyst Michael Hewson vom Wertpapierhändler CMC Markets. Hürden erwartet er auch von Seiten der Regierungen, in denen die Konzerne große Produktionsstätten betreiben. Vor allem in Großbritannien und den Niederlanden sei mit Widerstand zu rechnen. "Die britischen Behörden haben schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht mit gebrochenen Versprechen nach dem Kraft/Cadbury-Deal und ich gehe nicht davon aus, dass sie sich nochmals täuschen lassen."

Aber auch seitens der Politik gibt es ein Interesse, dass Unilever nicht geschluckt wird, soweit der Übernahmedeal des US-Konzerns britische Interessen tangieren könnte. Die "Financial Times" hatte am Wochenende berichtet, Premierministerin Theresa May habe die Behörden angewiesen zu prüfen, ob eine Übernahme britische Wirtschaftsinteressen gefährden könne

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