Formel 1 will mit "Cable Cowboy" neu durchstarten

Formel 1 will mit "Cable Cowboy" neu durchstarten

Neuaufstellung der Formel 1: Bernie Ecclestone darf noch ein wenig in der Geschäftsführung mitmischen. Die Machtverhältnisse werden sich mit der 8-Milliarden-Dollar-Übernahme zugunsten des neuen Haupteigentümers Liberty Media verschieben.

Bernie Ecclestone, lange Jahre der Chef und Gesicht der Formel 1, will auch nach der Milliardenübernahme weiter im Cockpit der Formel-1-Dachcompany Delta Topco bleiben und ein gewichtiges Wort mitreden. Doch dürfte er die Rechnung ohne den neuen Eigentümer gemacht haben, der alles andere als zimperlich ist. Medienmogul John Malone hat Ecclestone gleich einen nicht weniger inspirierten Medienexperten als Chef vor die Nase gesetzt.

Wien. Medienmogul John Malone, wegen seiner aggressiven Deals auch "Cable Cowboy" genannt, hat die Formel 1 gekauft: 8,0 Milliarden Dollar zahlt der Medienmogul der US-Medien- und Unterhaltungsgruppe Liberty Media dem bisherigen Eigentümer CVC Capital Partners - 4,4 Milliarden Dollar (etwa 3,93 Milliarden Euro) für das Unternehmen sowie Schulden in ähnlicher Höhe übernommen werden. Malone wird künftig zusammen mit Chase Carey neuer Vorsitzender. Carey wird künftig die Interessen des öffentlichkeitsscheuen Medientycoon Malone in der Formel-1-Dachcompany Delta Topco vertreten.

Doch damit dürfte bereits genug Stoff für Konflikte vorprogrammiert sein. Carey, ebenso ein US-Medienmanager der alten Schule und langjähriger Vertrauter von Rupert Murdoch, wird es mit der bisherigen zentralen Figur im Rennzirkus Bernie Ecclestone zu tun bekommen, der lange Jahre die Formel 1 geprägt hat. Carey ist ein Mann, der ebenfalls seine Ellbogen einzusetzen weiß. Ihm wird ein Image als beinharter Verhandler nachgesagt. Er wird künftig Chef von Verkäufer Bernie Ecclestone sein.

Der Langzeitchef und Macher der Formel 1 Bernie Ecclestone - mit 13,6 Prozent weiterhin einer der Haupteigentümer der Formel-1-Dachcompany Delta Topco - wird wohl nicht freiwillig von der Kommandobrücke gehen. Denn der 85-Jährige will weiterhin das Gesicht der Rennserie und gleichnamigen Unternehmens bleiben. "Ich möchte Liberty Media und Chase Carey in der Formel 1 begrüßen und freue mich darauf, mit ihnen zu arbeiten", wurde Ecclestone in der Mitteilung von CVC Capital Partners und Liberty Media zitiert. Der Brite will für die nächsten "zwei, drei Jahre" operativer Geschäftsführer der Formel 1 bleiben.

Mit den drei Herren würden quasi drei Alpha-Tiere in den Ring steigen. Spannend wird in der Tat, wie das Duo Malone/Casey mit dem Granden der Formel 1 auf einen Nenner kommen soll. Malone will jedenfalls im Hintergrund bleiben. Der 75-Jährige, der in den wenig halbwegs aktuellen Fotos hemdsärmelig im Freizeitlook mit Funktionsweste abgelichtet wird, ist ein beinharter Knochen, wenn es um das Geschäft geht. Er gilt noch immer als einer der härtesten und abgebrühtesten Geschäftsmänner in den USA.

Formel 1 fährt hinterher

Ecclestone gilt in der Formel 1 mittlerweile nicht mehr als der unumstrittene Zampano. Der Druck von Seiten der Teams steigt, vor allem weil auch die Zuschauer immer mehr auslassen. Zu teure Eintrittskarten führten zuletzt zu massiv rückläufigen Besucherzahlen an den Rennsportrings vor allem in Europa und auch vor den Fernsehgeräten. Unzählige permanente Änderungen des Reglements gaben dem ganzen mittlerweile jahrelangen Gezerre zwischen Ecclestone und den teilnehmenden Formel-1-Teams um eine Neuausrichtung den Rest.

Dem seit Ecclestone wird bereits seit gut fünf Jahren vorgeworfen, vor allem die Zielgruppe der Jugendlichen Fans vernachlässigt zu haben.So hat die Formel 1 nur zögerlich auf die Chancen reagiert, die Social Media bietet, um vor allem junge Fans mit einem adäquaten Angebot zu versorgen. Vor allem Jugendliche zeigen dem TV-Event Formel 1 den Rücken und sind nicht mehr bereit Sonntag für Sonntag bis zu deri Stunden vor dem TV-Gerät zu verbringen, um den Boliden mit Hamilton, Rosberg, Vettel & Co hinterher zu schauen. So dürfen etwa Teams aus den Fahrerboxen keine Fotos auf Facebook, Instagram, via Twitter oder gar SnapChat posten, was zuletzt die Teams massiv kritisiert haben. Eine fehlende Strategie und Neuausrichtung auf das neue Kommunikatinsvrhalten wurde vor allem von den Teams in Richtung des Formel-1-Granden immer wieder erneuert. Ecclestones lapidarer Einwand war stets: "Wie verdiene ich damit Geld?" Mit dem Einstieg der Medienprofis von Liberty Media dürften auch strategisch die Weichen neu gestellt werden.

Dass ausgerechnet Rupert Murdochs frühere rechte Hand, Chase Carey, nun von Liberty als neuer Vorsitzender der Formel-1-Dachgesellschaft Delta Topco vorgestellt wird, ist kein Zufall. Carey - bis 2015 Präsident und Chief Operating Officer (COO) bei 21st Century Fox - übernimmt das Mandat des aus Kärnten stammenden Peter Brabeck-Letmathe, der mit dem Jahr 2005 als CEO von Nestlé in den Aufsichtsrat des Konzerns gewechselt ist. Der Villacher soll aber im Aufsichtsrat der Formel-1-Dachcompany Delta Topco bleiben.

Die neue Formel-1-Story

Während in Europa das Interesse an der Formel 1 stagniert, erfreut sich das "Fahren im Kreis" in den USA derzeit großer Beliebtheit. In den USA sollen laut New York Times die Einschaltquoten um 40 Prozent gestiegen sein, seit NBC Sports 2013 die nationalen TV-Rechte übernommen hat. Gemäß der Zeitung soll der sportaffine Carey, der von 2010 bis 2013 auch im Aufsichtsrat von Sky Deutschland saß, am Mittwoch bereits angekündigt haben, die "Formel-1-Geschichte" neu erzählen zu wollen.

Carey, zu dessen Geburtsdatum es keine offizielle Quelle gibt, will durchaus auf Traditionen der Formel 1 aufbauen. Die USA und Asien seien, so Carey, sicher Schlüsselmärkte mit Entwicklungsmöglichkeiten. "Aber das geht nicht über Nacht." Es müsse Priorität haben, auf dem bestehenden Fundament in Europa aufzubauen. Und dort ist der Motor bekanntlich etwas ins Stottern geraten. Was die Beliebtheit anbetrifft, haben andere Sportarten die Formel-1 längst überholt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Ecclestone die Multiplikatorwirkung von Facebook & Co einfach negiert hatte. Außerdem wollen gerade jüngere Formel-1-Fans nicht mehr drei Stunden vor dem Fernseher den Autos nachschauen, wie sie ihre Runden drehen.

Da wie dort will Carey aber neue, bisher offenbar weniger erreichte Zielgruppen ins Auge fassen. Unter anderem plane er den bisher schwachen digitalen Auftritt zu verbessern, um damit ein jüngeres Publikum zu gewinnen. Das Generieren von Einnahmen - es könnte stärker als bisher auf das Geschäft mit Bewegtbild verlagert werden.

Das Schwergewicht

US-Unternehmer Malone ist einer der weltweit gewichtigsten Medienmogule. Er hat in den vergangenen vier Jahrzehnten über zahlreiche Beteiligungen ein weitverzweigtes, international agierendes Firmenimperium aufgebaut, das vor allem in der Kabel- und Medienbranche tätig ist. Malone selbst gilt als milliardenschwer, im Milliardärs-Ranking des "Forbes"-Magazin von März wurde sein Vermögen auf rund sechs Milliarden Dollar geschätzt.

Zu Malones Firmenimperium gehört zum Beispiel auch eine Beteiligung am Medienkonzern Discovery - zu Discovery wiederum zählt auch der TV-Sender Eurosport. Discovery hatte sich im vergangenen Sommer überraschend die TV-Rechte an den Olympischen Spielen für den europäischen Markt von 2018 bis 2024 gesichert und dafür 1,3 Milliarden Euro bezahlt.

Liberty ist der Mutterkonzern von UPC, dem auch in Österreich marktführenden Kabelanbieter. In Deutschland kaufte Malone für insgesamt 6,7 Milliarden Euro die beiden Kabelnetzbetreiber Unitymedia und Kabel BW, die heute unter dem Namen Unitymedia aktiv sind.

Der Selfmade-Milliardär ist seit Anfang der 1970er-Jahre eine prägende Gestalt im Unterhaltungsmarkt, scheut jedoch selbst das Rampenlicht. Als eine Art graue Eminenz agiert der Liberty-Media-Boss lieber im Hintergrund. Obwohl vor allem in Europa nicht annähernd so bekannt, übertrifft sein Medien-Imperium sogar Branchenschwergewichte wie Rupert Murdochs 21st Century Fox deutlich an Reichweite.

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