McDonald's-Chef Piza: "Wir sind nicht der Kiosk ums Eck"

Nikolaus Piza, der neue Österreich-Chef von McDonald's, in seinem ersten Interview über schlaflose Nächte, die Wiedereröffnung der Lokale und sein Vertrauen in die heimische Fleischindustrie.

Nikolaus Piza, CEO McDonald's Österreich

McDonald's Österreich CEO Nikolaus Piza: "Die eigentliche Herausforderung mit großer Unsicherheit liegt erst vor uns."

trend: Sie haben am 1. April Ihren Job als McDonald's-Österreich-Chef angetreten, als das gesamte Geschäft stillstand. Wie war das?
Nikolaus Piza: Ich war mit Sicherheit der erste Geschäftsführer in der Geschichte von McDonald's Österreich, der ohne ein einziges offenes Restaurant angefangen hat. Das hat mir schon einige schlaflose Nächte bereitet. Nächte, in denen ich mich gefragt habe: Wohin steuert das alles, und wie kann man die Unsicherheit bei Kunden und Mitarbeitern am besten überbrücken?

Und wie haben Sie die Unsicherheit überbrückt?
Wir haben schon sehr rasch im Unternehmen ein Covid-19-Team gegründet, das sich früh mit den nötigen Maßnahmen auseinandergesetzt hat und Mitarbeiter und Franchisenehmer sehr früh über die nächsten Schritte informieren konnte. In der Anfangsphase war unsere Rolle, bedingt durch die vielen Vorgaben der Regierung, eher reaktiv, sehr bald schon haben wir aber eine gestalterische Rolle übernommen und die Regierung und die Sozialpartner über unser Maßnahmenpaket informiert.


Wir wollten sichergehen, dass wir nachhaltig öffnen können.

Eine sehr ungewöhnliche Vorgehensweise. Wie hat die Regierung reagiert?
Ja, mag sein, dass das ungewöhnlich ist. Aber wir wollten damit sicherstellen, dass wir den Gesetzgeber auch richtig verstanden haben, und außerdem Diskussion über einzelne Maßnahmen suchen. Das wurde von der Regierung sehr positiv aufgenommen. Ich hatte Gespräche mit Landwirtschaftsministerin Köstinger und Wirtschaftsministerin Schramböck. Wir wollten damit auch zeigen, dass wir Teil eines großen österreichischen Ökosystems sind und auch von der Hotellerie und anderen Branchen abhängig sind. In diesem Forum haben wir auch sehr früh schon eine Mehrwertsteuersenkung gefordert.

Trotz guter Vorbereitung hat McDonald's aber erst am 20. April den McDrive und die Belieferung wieder aufgesperrt. Warum so spät?
Wir sind ja nicht der Kiosk ums Eck. Wir müssen mehr bieten als nur Burger und Pommes. Von uns erwartet man umfangreiche Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden, und bei der Lieferung der Schutzausrüstung kam es zu Verzögerungen. Wir wollten sichergehen, dass wir nachhaltig öffnen können und uns nicht nach zwei Wochen wieder die Handschuhe ausgehen.

Waren Sie vom Andrang überrascht?
Jedenfalls hat dieser Tag die ein oder andere durchwachte Nachtstunde wieder wettgemacht. Mit so einem Andrang habe ich nicht gerechnet. Es war teilweise so, dass ich zu Fuß zu unseren Lokalen gehen musste, weil ich mit dem Auto nicht durchkam. Besonders gefreut hat mich, dass uns auch einige Landwirte, unsere Lieferanten, besucht haben und sich bedankt haben, dass wir wieder öffnen.


Alle Mitarbeiter, auch in der Küche, tragen Masken.

Wie hoch war der Umsatz an dem Tag?
Sehr hoch. Etwa das Doppelte eines üblichen Drive-in-Umsatzes. In manchen Stunden kamen über 120 Autos!

Nun haben auch Ihre Lokale geöffnet. Was ist anders sein?
Die Produktpalette bleibt kleiner, natürlich tragen alle Mitarbeiter, auch in der Küche, Masken. Wir haben Beklebungen am Boden und an Tischen angebracht, dass die Leute auch den Abstand einhalten können.

Re-Opening am McDonald's Drive-in

Die neue Normalität auch in den McDonald's-Lokalen: Alle Mitarbeiter tragen Masken.

Wie viel haben Sie in die Änderungen investieren müssen?
Einen niedrigen siebenstelligen Betrag. Wir mussten ja allein zwei Millionen Masken kaufen.

Und mit welchen Einbußen rechnen Sie durch Corona?
Das ist wirklich schwer zu sagen. Die eigentliche Herausforderung mit großer Unsicherheit liegt ja erst vor uns. Das größte Fragezeichen ist, ob unsere Gäste diese Veränderungen und Maßnahmen auch annehmen. Aber Umfragen zeigen uns, dass das Vertrauen der Österreicher in McDonald's schon sehr groß ist. Wenn wir im dritten Quartal 75 Prozent des Letztjahresumsatzes des Vergleichszeitraums erreicht haben, wäre das jedenfalls ein Riesenerfolg.


Ich muss dem Krisenmanagement der Regierung großes Lob aussprechen.

Werden Sie mit den Preisen nach oben gehen?
Wir planen keine Preiserhöhungen, ich sehe es nach wie vor als unsere Verpflichtung an, für alle leistbar zu sein. Gerade jetzt in der Krise.

Und die Umsatzsteuersenkung werden Sie auch nicht weitergeben wie von der Regierung empfohlen?
Ja, wir werden die Senkung nicht an die Kunden weitergeben. Ich sehe das als wichtige Stärkung der österreichischen Gastronomie.

Was halten Sie, abgesehen von der Umsatzsteuersenkung, vom "Wirtshaus-Paket"?
Insgesamt muss ich dem Krisenmanagement der Regierung großes Lob aussprechen. Dass wir in Österreich wieder so rasch aufsperren können, verdanken wir den Maßnahmen der Regierung. Wichtig ist jetzt, dass das Geld so rasch wie möglich und unbürokratisch bei den Betroffenen ankommt.

Und Sie haben den Eindruck, es läuft unbürokratisch ab?
Wir haben unseren Franchisenehmern bei den Kurzarbeitsanträgen geholfen. Da hatte ich den Eindruck, dass nicht alles reibungslos läuft, aber mittlerweile haben schon einige die Zahlungen erhalten. Von anderen Gastronomen höre ich, dass noch Gelder ausständig sind.


Wir versteuern alle unsere Gewinne in Österreich.

McDonald's wird wegen seiner Steuervermeidungskonstruktionen immer wieder kritisiert. Gibt es dazu auch Gespräche mit der Bundesregierung?
Nein, in Österreich gibt es auch keinerlei Steueroptimierungsmodelle, und wir versteuern alle unsere Gewinne in Österreich.

Ihr Konkurrent Burger King konnte zuletzt durch die Übernahme einiger Rosenberger-Lokale seine Marktposition etwas ausbauen. Bereitet Ihnen das Sorge?
Wettbewerb ist grundsätzlich eine gute Sache. Wir bei McDonald's haben zwei Schwerpunkte: Innovation und Regionalität. Bei beidem liegen wir weit vor Burger King, und das wird uns auch in Zukunft weiter Marktanteile bringen.

In den USA und in Deutschland gibt es Corona-bedingte Probleme in der Fleischindustrie. Machen Sie sich auch in Österreich Sorgen darüber?
Ganz klares Nein. Wir haben sehr hohe Lebensmittel- und Hygienestandards, und es gibt auch keine Probleme, die wir am Horizont sehen würden. Wir haben in der Krise die Zusammenarbeit zu unseren Lieferanten sogar noch intensiviert.

Einer Ihrer Vorgänger, Herr Sükar, hat über McDonald's kein sehr schmeichelhaftes Buch geschrieben. Können Sie manche der Vorwürfe - billiges Fleisch, Plastikmüll etc. - nachvollziehen?
Ich habe das Buch gelesen, allerdings liegen seine Beobachtungen mittlerweile 14 Jahre zurück. Seither hat sich viel getan. Wir haben ein vielfältigeres Produktangebot mit viel Salat und Gemüse, und bei der Abschaffung der Plastiksackerln waren wir sogar Vorreiter.

Sie haben Innovation als einen Ihrer Schwerpunkte genannt. Bleibt dafür in der Krise noch Geld und Zeit?
Ja, auf jeden Fall. Innovation wird nach der Krise den Unterschied machen. Wir haben einen der größten Bonusclubs mit 1,7 Millionen Kunden, für die wir uns täglich neue Attraktionen ausdenken. Zur Zeit arbeiten wir an einem Mobile-Order+Pay-System, wo der Kunde seine bereits bezahlte Bestellung in der Filiale abholt, um die Kontakte gering zu halten.


Facts & Figures

McDonald's Österreich
Die amerikanische Fast-Food-Kette setzte in Österreich zuletzt rund 700 Millionen Euro um. Laut Branchenradar liegt der Marktanteil von McDonald's hierzulande bei 72,1 Prozent, gefolgt von Burger King mit 7,6 Prozent. In Österreich gibt es 196 McDonald's-Restaurants, davon werden 187 im Franchise betrieben. Rund 90 Prozent der 9.500 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, ein kleiner Teil auch gekündigt.


Nikolaus Piza
Mit April hat Nikolaus Piza (46) als neuer Managing Director die strategische Führung des Unternehmens übernommen. Als CFO war Piza zuvor bereits seit 2018 für die Bereiche Finanzen, Recht, Logistik, Einkauf, Franchising sowie McDelivery zuständig und damit auch einer der Köpfe hinter den jüngsten Erfolgen der Kette.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 20/2020 vom 15. Mai 2020 entnommen.


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