Mastercard-Chef Gruber: "Bin nicht für Abschaffung von Bargeld"

Mastercard-Chef Gruber: "Bin nicht für Abschaffung von Bargeld"
Mastercard-Chef Gruber: "Bin nicht für Abschaffung von Bargeld"

"Im stationären Handel gibt es für Kreditkartenzahlungen noch viel Potential", sagt Gerald Gruber, Chef von Mastercard Österreich.

Geht es ums Geld, sind die Österreicher eher konservativ: Zu 80 Prozent wird noch bar gezahlt. Eine Abschaffung von Bargeld hält Gerald Gruber, Österreich-Chef von Mastercard, daher auch nicht für sinnvoll. Welche Pläne es in Österreich für das mobile Zahlen gibt, wie das Bezahlen per Selfie funktioniert und warum Österreich bei den Innovationen hinterherhinkt.

trend.at: Wie sieht die Zukunft des Bezahlens aus?

Gerald Gruber: Wir sehen eine Konvergenz von Kanälen, einerseits das Bezahlen mit Karte am Point of Sale, andererseits mit Karte im Internet. Diese Kanäle verschwimmen aber zunehmend. Daneben gibt es die Bezahlung mit unterschiedlichen Devices. Es gibt Pilotprojekte, bei denen Haushaltsgeräte - wie etwa ein Kühlschrank - in der Lage sind, Dinge zu bestellen. Autos werden in Zukunft mit der Zapfsäule kommunizieren und die Bezahlung abwickeln. Die Zukunft ist das “internet of things”, wo sich die Devices miteinander unterhalten. Näher an der heutigen Zeit sind jedoch mobiles Bezahlen mit der Uhr, einem Ring oder mit dem Armband.

trend.at: Mastercard hat vor kurzem ja das "Selfie Pay" in mehreren Ländern angekündigt. Wie funktioniert das?

Gruber: Selfie Pay gehört zum Bereich “Biometrics”: Damit meint man Plattformen, die eine biometrische Authentifizierung ermöglichen. Der Nutzer speichert ein Selfie als Authentifizierung auf unserer Plattform. Beim Bezahlen nimmt er ein neues Selbstporträt auf, das mit dem auf der Plattform abgeglichen wird. Der Kartenausgeber bekommt das OK und die Zahlung ist autorisiert. Es gibt aber auch Systeme, die auf Fingerabdruck oder sogar dem eigenen EKG basieren. Nymi, ein Unternehmen aus Kanada, das mit Mastercard kooperiert, hat ein Armband entwickelt, bei man einen Bezahlvorgang durch seine Herzfrequenz autorisieren lassen kann.

trend.at: Warum kommt "Selfie Pay" erst 2017 nach Österreich?

Gruber: Das ist eine Ressourcenfrage. Wir können nicht alle Märkte auf einmal aktivieren. Heuer starten wir in 14 Ländern, 2017 weiten wir den Service aus, unter anderem nach Österreich.

trend.at: Amazon will sich Bezahlen per Selfie patentieren lassen. Arbeitet Mastercard auch ein einem Patent?

Gruber: Unser Verfahren ist auch patentiert. Amazon hat ein modifiziertes Verfahren entwickelt.

trend.at: Man kann kontaktlos, mit dem Smartphone oder per Selfie bezahlen. Verlieren die Menschen nicht irgendwann den Überblick?

Gruber: Ja und nein. Es ist zwar klar, dass viele Prozesse digitalisiert werden, aber man weiß noch nicht, in welcher Form sie umgesetzt werden. Entscheidend ist, was der Kunde am Ende des Tages akzeptiert. Deshalb ist die Frage noch offen, wie das Bezahlen in der Zukunft aussieht.


"Kontaktloses Bezahlen hat sich in Österreich bereits durchgesetzt"

trend.at: Wie nehmen die Kunden kontaktloses Bezahlen in Österreich an?

Gruber: Die NFC-Technik - der kontaktlose Austausch von kleinen Datenmengen - hat sich bereits durchgesetzt. Österreich war bei dieser Technik zwar sehr spät dran im Gegensatz zu osteuropäischen Ländern. Aber bei der Umsetzung waren wir unter den schnellsten Ländern. In Österreich sind acht Millionen Karten im Umlauf, quasi jeder Österreicher verfügt über eine Bankkarte. Der Anteil des kontaktlosen Bezahlens liegt jetzt jenseits der 20 Prozent und hierzulande sind bereits 50.000 von 130.000 Terminals auf kontaktlos aufgerüstet.

Mastercard kooperiert unter anderem mit dem kanadischen Unternehmen Nymi: Ein Armband erkennt die Herzfrenz und nutzt diese zur Authentifizierung von Zahlungen.

trend.at: Welche Pläne gibt es beim mobilen Bezahlen?

Gruber: Konkret für Österreich gibt es etwa seit einiger Zeit eine mobile Bankomatkarte auf dem Smartphone, die Raiffeisenbank und die Bank Austria vertreiben das schon. Samsung hat Österreich heuer für seinen Dienst “Samsung Pay” auf der Roadmap. Das ist eine mobile Geldbörse, hinter der Mastercard-Technologie steckt. In den USA gibt es mit Facebook seine Kooperation, bei der sich Nutzer Geld über den Facebook-Nachrichtendienst schicken können. Mit Apple gibt es Gespräche, aber das wird 2016 noch nicht umgesetzt.

trend.at: Was steckt hinter der "Pin first"-Technologie?

Gruber: Bisher ist in Österreich "Signature first" weit verbreitet. Bei "Pin first" funktioniert die Kreditkarte wie eine Bankomatkarte, statt zu unterschreiben gibt der Kunde seinen Pin-Code ein. Das ist deutlich sicherer, global gesehen haben wir damit weniger Betrugsfälle. Darüber hinaus ist es viel komfortabler, weil es an der Kassa schneller geht und die Unterschrift nicht geprüft werden muss.


"80 Prozent aller Transaktionen in Österreich werden noch mit Bargeld abgewickelt"

trend.at: Die EZB will den 500 Euro-Schein abschaffen. Was halten Sie von diesen Plänen?

Gruber: Ich bin nicht für die Abschaffung von Bargeld, das wäre ein falscher Schritt. Denn 80 Prozent aller Transaktionen in Österreich werden noch mit Bargeld abgewickelt. Die Österreicher haben im EU-Vergleich ein sehr enges Verhältnis zu Bargeld. Der Grund: Auf der technischen Seite sind wir immer noch ein Nachzüglermarkt und es wird zu wenig der Fokus darauf gelegt, Innovationen zu kommunizieren. Der Konsument denkt sich: Bei Bargeld habe ich den Überblick. Das liegt daran, dass es noch viel zu wenige Lösungen gibt, die dem Kunden den Überblick über seine Finanzen in Echtzeit aufbereiten. Daher sollte es eine Vielfalt an Bezahlmöglichkeiten geben. Ohne Bargeld geht es schneller, günstiger, sicherer und komfortabler. Aber dazu muss ich das Bargeld nicht verbieten.

trend.at: Erhoffen Sie sich durch die Registrierkassenpflicht einen Schwung: Dass etwa mehr Einzelhändler sich ein Kartenterminal dazu kaufen?

Gruber: Diesen Effekt gibt es definitiv. Die Größenordnung kann ich allerdings nicht beziffern. Was man nach einem Quartal bereits sieht, dass es ein Mehr an Bezahlterminals gibt. Vor allem kleinere Händler setzten auf Tablet-basierte Lösungen, die Registrierkasse und Terminal kombinieren.

trend.at: Gibt es Unterschiede zwischen der Nutzung von Mastercard-Kreditkarten im stationären Handel und online?

Gruber: Im E-Commerce werden 35 bis 40 Prozent der Zahlungen über die Kreditkarte abgewickelt, noch einmal so viel geht auf Rechnung. Im stationären Handel bezahlen 80 Prozent der Kunden bar, 14-15 Prozent mit Maestro-Karten. Lediglich in 2-3 Prozent der Fälle kommt die Kreditkarte zum Einsatz. Da gibt es noch sehr viel Potential nach oben. Der durchschnittliche Österreicher verwendet seine Kreditkarte vor allem im Urlaub.


Zur Person

Gerald Gruber ist seit April 2012 Österreich-Chef von Mastercard. Der heute 46-Jährige studierte technische Mathematik in Graz und an der London Business School. Zuvor arbeitete Gruber bei Microsoft Österreich.

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