Lyoness: Rapid-Sponsor mit mehreren Baustellen

 Lyoness: Rapid-Sponsor mit mehreren Baustellen

Für Andreas Werner (2.v. li.) soll der Sponsorvertrag auch eine Behübschung des Lyoness-Image bringen. Die Rapidler Christoph Peschek (Geschäftsführer, li.), Spielmacher Steffen Hofmann und Präsident Michael Krammer freuen sich über die neue Geldquelle.

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness Group AG hat neben dem Sponsorvertrag mit SK Rapid Wien noch einige Baustellen zu schließen. Am Firmensitz in Graz werden jetzt voraussichtlich 95 Mitarbeiter gekündigt. Es wird umgebaut. Und mindestens ein Urteilsspruch steht noch aus.

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness Group AG will offenbar aus den Negativschlagzeilen dribbeln, die das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren immer wieder konfrontiert wurde. Als neuer Sponsor von Rapid Wien will das einst vom Grazer Unternehmer Hubert Freidl gegründete Unternehmen mit Sitz in der Schweiz offenbar sein Image ändern.

Der Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzende der Lyoness Group AG Andreas Werner verwehrt sich gegen die immer wieder aufkommenden Vorwürfe, das Geschäftsmodell von Lyoness basiere auf einem „Pyramidenspiel“, bei dem Mitglieder des Lyoness-Netzwerks neue Mitglieder werben, die wiederum weitere Mitglieder werden, die gegen einen finanziellen Obolus in vierstelliger Höhe Teil eines Systems werden, das sich stets mit dem Zahl der Mitglieder erweitert und mit Geld gefüttert wird. Ein weiterer Geschäftsbereich sind so genannten „Geld-Zurück-Garantien“. Zahlt ein Konsument in Geschäften, die dem Lyoness-Netzwerk beigetreten sind, gegen Vorlage der Lyoness-Kundenkarte, wird ein Bonus von bis zu drei Prozent auf den Einkauf als Bonus überwiesen.

Von einem Pyramidenspiel, wie Kritiker immer wieder einwerfen, will Lyoness-Vorstand Werner nichts wissen. Der Vorwurf, hinter dem Geschäftsmodell von Lyoness würde sich ein Pyramidenspiel verbergen, weist Werner von sich: "Es hat sich eine Front gegen uns gebildet, so ist das Pyramidenspiel zustande gekommen ", sagt Werner dem FORMAT. „Es gibt bestimmte Kreise, die uns das immer wieder andichten wollen.“

Zu Gericht

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat bereits im Jahr 2012 in den Vertragsbedingungen 61 Klauseln gefunden, die gegen Gesetze verstoßen. Eine Klage wegen gesetzwidriger Klauseln in den AGB von Lyoness wurde 2015 eingereicht. In erster Instanz hat das Handelsgericht (HG) Wien alle 61 AGB-Klauseln als gesetzeswidrig deklariert. Lyoness hat Berufung eingelegt. Die Gerichte werden voraussichtlich erst 2016 ein Urteil sprechen. Auch in anderen Ländern, etwa am Stammsitz in der Schweiz, wird die Mitgliederwerbung ebenso heftig von Konsumentenschützern kritisiert.

Wegen Pyramidenspiels ermittelt außerdem seit dem Jahr 2012 die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien.

Personalabbau und Umbau

Zeitgleich mit dem Sponsorenvertrag bei Rapid Wien bestätigte Lyoness-Aufsichtsratschef Werner den Arbeitsplatzabbau in der Grazer Geschäftsstelle. „Das hat sich nur zufällig zeitlich getroffen“, so Lyoness-Aufseher Werner. In Österreich soll auch gespart werden. 95 der 300 Mitarbeiter in Graz wurden laut Werner bereits im Rahmen des Frühwarnsystems beim AMS zur Kündigung angemeldet.

Den Arbeitsplatzabbau verteidigt der Lyoness-Manager als "zukunftsorientierte Maßnahme im Zuge der Expansion". Die Aufgabenbereiche der gestrichenen Jobs würden nun auf die Ländergesellschaften umgeschichtet. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2003 gegründet wurde, sei es nun an der Zeit einige Anpassungen vorzunehmen, sagt Werner im Gespräch mit FORMAT, ohne in die Tiefe zu gehen.

Lyoness ist derzeit als Einkaufsgemeinschaft in 46 Ländern vertreten. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 1000 Mitarbeiter. Der Umsatz im vergangenen Jahr beziffert Werner auf rund 1,2 Milliarden Euro. Gewinn? „Das geben wir nicht bekannt“, sagt Werner. Ebenso bedeckt hält sich Lyoness-Aufsichtsratschef zu Umsatz und Gewinn in Österreich.

Bei Rapid Wien ist die Jubelstimmung zum neuen Sponsor groß. Pro Jahr wird Lyoness 1,8 Millionen Euro überweisen. Rapid-Wien-Präsident Michael Krammer spricht von „einem erfreulichen Tag“, weil dadurch der finanzielle Spielraum für seinen Klub wesentlich verbessert wird.

Rapid verpflichtet sich im Gegenzug in den kommenden fünf Jahren den die Wortmarke „Lyoness“ auf dem Rücken der Fußballdressen zu tragen, Spielmacher Steffen Hofmann trägt zusätzlich „Lyoness“ auf der Brust seines Fußballdress.

Die „Geld-Zurück-Garantie“

Ab 24. Oktober 2016 zum Derby gegen Austria Wien soll die Cashback-Karte für Rapid-Fans verteilt werden. Gratis. Mit jedem Einkauf, den die Rapid-Fans gegen Vorlage ihrer Lyoness-Karte bei Unternehmen tätigen, die sich dem Lyoness-Netzwerk angeschlossen haben, bekommt Rapid rund ein Prozent des getätigten Umsatzes als Bonus überwiesen.

Rapid-Präsident Krammer bekräftigte, dass die Daten aus der Rapid-Mitgliedsdatenbank nicht an Lyoness weiter gegeben werden.

Eine klare Absage erteilt Krammer an Oligarchen oder Unternehmen, die Rapid als Teil der Marketingabteilung gerne übernehmen wollen. „Wir sind das Gegenmodell, Rapid ist ein Mitgliederverein“, betont der Rapid-Präsident.

Lyoness ins Kuratorium

Der langjährige Rapid-Fan und Lyoness-Aufsichtsratsvorsitzende Werner wird in einer der kommenden Sitzungen noch näher an den 116 Jahre alten Wiener Traditionsklubs rücken. Bei der Nächsten Sitzung soll Werner in das Kuratorium von Rapid Wien kooptiert werden.

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