Luxus Schokolade: Kakaobohnen sind ein knappes Gut

Luxus Schokolade: Kakaobohnen sind ein knappes Gut
Luxus Schokolade: Kakaobohnen sind ein knappes Gut

Kostbarer Rohstoff Kakaobohne: Arbeiter in Abidjan (Elfenbeinküste) kontrollieren die Bohnen, bevor sie zum Rösten kommen.

Drei von vier Österreichern greifen bei Süßigkeiten am liebsten zu Schokolade. Doch das süße Vergnügen könnte bald ein echter Luxus sein: Die Kakao-Preise sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, am Weltmarkt droht ein Engpass.

Bei den Azteken galt der Kakao-Baum mit seinen ovalen Früchten als heilig. Begehrt ist der Inhalt der Frucht, die Kakaobohne, noch heute als Rohstoff für die Schokolade. Zu Ostern haben alleine deutsche Süßwarenhersteller 213 Millionen Schoko-Osterhasen produziert. Zum Vergleich: 2014 wurden zu Weihnachten "nur" 146 Millionen Nikoläuse hergestellt.

Auch die Österreicher kaufen gerne und oft Vollmilch oder Zartbitter: 75 Prozent greifen bei Süßigkeiten am liebsten zu Tafel-Schokolade. Im vergangenen Jahr haben die Österreicher insgesamt 21,2 Millionen Kilogramm Schokolade verzehrt. Der Gesamtmarkt für Tafelschokolade in Österreich stieg um 3,5 Prozent auf 176 Millionen Euro. Weltweit naschen die Europäer besonders gerne, sie konsumieren mehr als doppelt so viel Schokolade wie etwa etwa die US-Amerikaner.

Nachfrage könnte Kakao-Angebot übertreffen

In Zukunft könnte Schokolade jedoch zum Luxusgut werden. 2014 ließ eine Erhebung des weltweit größten Kakaoverarbeiters Barry Callebaut aufhorchen. Durch die global steigende Nachfrage nach Schokolade könnte es zu Versorgungsengpässen kommen. 2020 könnte dem globalen Markt wegen dem zunehmenden wirtschaftlichen und ökologischen Druck auf Kakaofarmen rund 1 Million Tonnen Kakao fehlen, warnte 2012 auch die damalige Präsidentin von Mars UK, Fiona Dawson. Weniger bedrohlich sieht man die Zukunft bei der International Cocoa Organisation: Das Defizit an Kakao belaufe sich wohl eher auf rund 100.000 Tonnen.

Zwar ist seit den 1980er-Jahren der Kakaopreis um mehr als die Hälfte gesunken, doch er ist in den vergangenen Jahren wieder deutlich angestiegen. Am Board of Trade in New York kletterte der Kakao-Preis 2014 um 21 Prozent, in London um mehr als 13 Prozent nach oben.

Neben der steigenden Nachfrage könnte auch eine Landflucht der Kakaobauern die Versorgung mit dem Rohstoff gefährden. Viele Kakaoplantagen sind von der intensiven Landwirtschaft zu sehr beansprucht, die Erträge sinken.

2011 war der Kakaopreis auf einem Rekordhoch von über 3600 Dollar pro Tonne, derzeit liegt er bei rund 2700 Dollar pro Tonne.

Westafrika produziert 70 Prozent des weltweiten Kakaos

Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich teilt die Ansicht von der Knappheit: "Die Prognosen treffen zu, da aufgrund der aufkommenden Mittelschichten in den Schwellenländern die Nachfrage nach Kakao gestiegen ist." Die Nachfrage wird weiter ansteigen, der Abwärtstrend der Preise sei vorüber, so Kirner. Mit Preisschwankungen müsse man aber immer noch rechnen.

Diese Schwankungen beim Kakaopreis treffen vor allem die Kakaobauern in den ärmeren Regionen Westafrikas. Die Hauptanbaugebiete befinden sich in der Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun - diese vier Länder sind für 70 Prozent der weltweiten Kakao-Produktion verantwortlich. Weitere große Anbauländer sind Ecuador, Brasilien, Indonesien und Papua-Neuguinea. Weltweit wurden von Oktober 2013 bis Ende Juni 2014 rund 4,358 Millionen Tonnen Kakao produziert

Auch das Wetter hat einen großen Einfluss auf die Kakaoernte. So erzielte die Elfenbeinküste 2014 dank der günstigen Wetterlage eine Rekord-Kakao-Ernte mit rund 1,75 Millionen Tonnen (siehe Grafik). Das sind 20,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Ernte negativ beeinflussen können aber auch Pilzkrankheiten.

Laut dem US-amerikanischen Think Tank Center for Strategic & International Studies leben rund 5 Millionen Haushalte weltweit vom Kakao-Anbau; 70 Prozent davon sind Kleinbauern, die nur ein sehr geringes Einkommen haben. Die Studie Cocoa Barometer zeigt deutlich, dass Kakao-Bauern weit unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen. In Ghana beträgt das Tageseinkommen lediglich 0,84 Dollar pro Tag, in der Elfenbeinküste sogar nur 0,50 Dollar pro Tag.

Faitrade stärkt Verhandlungsposition der Kakaobauern

Durch fairen Handel mit dem Kakao kann der prekären Lebenssituation der Bauern jedoch entgegengewirkt werden. "Fairtrade garantiert Mindestpreise für den Kakao. Derzeit überbieten sie sogar die Kakaopreise an den Börsen", sagt Fairtrade-Österreich-Chef Kirner. Zusätzlich erhielten die Bauern eine Prämie in Höhe von 10 Prozent des Abgabepreises.

Die Ernte der Kakaobohne - hier in der Dominikanischen Republik - ist eine mühsame Handarbeit.

Faitrade hilft den Bauern aber nicht nur beim Verkauf der Kakaobohnen, sondern unterstützt sie auch finanziell bei der Bildung von Genossenschaften. "Das Problem ist die Ungleichheit: Wenige, konzentrierte Schokoladenkonzerne stehen vielen Millionen Bauern gegenüber", so Kirner. Fairtrade unterstütze so auch die Organisation der Bauern. Mit den Prämien können sie sich etwa einen LKW anschaffen, um die Bohnen schnell in das nächste Dorf transportieren zu können.

In Österreich boomt das Geschäft mit Fairtrade-Produkten: 2013 wurde damit ein Umsatz von rund 130 Millionen Euro erzielt - 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Kakao ist dabei das drittwichtigste Produkt nach Bananen und Kaffee. Zotter etwa setzt bei seinen Schokoladen bereits seit 2008 auf Fairtrade-Kakao, andere bekannte österreichische Hersteller ziehen nach. Seit Ende 2014 verarbeiten auch Niemetz Schwedenbomben-Hersteller Heidi Chocolat und Heindl in ihren Produkten ausschließlich Kakao aus Fairtrade-Anbau. Der Trend könnte anhalten: "Gerade bei Schokolade ist bei den Konsumenten das Bewusstsein für fair gehandelte Produkte deutlich gestiegen", so Kirner.

Fair gehandelte Schokolade und Süßigkeiten machen rund 22 Prozent am Umsatz in Österreich aus.

Kakao-Oligopol

Trotz der gestiegenen Preise profitieren die Bauern aber beim konventionellen Kakaoanbau nur wenig. Sie erhalten 6 Prozent des Verkaufspreises, 10 Prozent weniger als 1980. 70 Prozent streichen die Kakaoverarbeiter und Schokoladeproduzenten ein. Mondelēz International etwa, Produzent von Marken wie Milka, Daim und Toblerone, machte 2014 fast eine Milliarde Euro Gewinn.

International liegt Mondelēz hinter Mars (Snickers, M&M's, Mars, Milky Way) auf Platz zwei der größten Schokoladenkonzerne. In Österreich dominiert Milka etwa mit 45 Prozent den Markt, dahinter folgen weit abgeschlagen Lindt (8,9 Prozent) und Ritter Sport (7,7 Prozent). Zusammen mit den Lebensmittelkonzernen Nestlé (Kitkat, Lion, Nuts) und Ferrero (Duplo, Rocher, Kinder), sowie den Kakaoverarbeitern Barry Callebaut und Cargill kontrollieren Mondelēz und Mars rund 80 Prozent des weltweiten Marktes. 2011 überstieg das Gesamtvolumen der Schokoladenindustrie erstmals die Grenze von 100 Milliarden US-Dollar.

Doch auch bei den Schokoladenkonzernen hat ein Umdenken stattgefunden. Unter anderem haben sich Barry Callebaut, Cargill, Mondelēz, Nestlé, Ferrero und Mars dazu verpflichtet, bis 2020 nur noch nachhaltigen Kakao zu verwenden. Normalerweise sieht Fairtrade-Chef Kirner diese Meldungen skeptisch, doch bei Kakao sieht er ernsthafte Bemühungen: "Die Knappheit des Rohstoffs Kakao zwingt die Konzerne,nachhaltiger zu wirtschaften." Die Situation der Bauern werde dadurch verbessert, andererseits ginge es den Firmen natürlich auch darum, die Erträge zu steigern. "Das ist aber eine Win-win-Situation", so Kirner.

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