Luxus und Mode haben nach Corona-Krise den Dreh heraus

Die Mode- und Luxusbranche blickt weltweit wieder optimistisch in die Zukunft. Spätestens in drei Jahren werde laut Deloitte-Studie das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind die Themen der Zukunft. Kreuzfahrten und Hotellerie haben noch massive Probleme.

Luxus und Mode haben nach Corona-Krise den Dreh heraus

Wien. Nun kommt es schwarz auf weiß auf den Tisch: Die Luxusbranche hat genauso wie die Modebranche massive Einbußen in der Corona-Krise hinnehmen müssen - und zwar so ziemlich alle Marken und Bereiche der Luxus- und Modebranche haben kräftig Federn gelassen bis hin zum finanziellen Knockout. Das belegen nun die Zahlen der jüngsten Deloitte-Studie, die mit der „Global Fashion & Luxury Private Equity and Investor Survey“ den jährlichen Überblick der Glitz & Glamour-Industrien präsentieren

Die heuer durchgeführte Erhebung basiert auf Befragung von Investoren und der Analyse von Marktdaten des Coroan-Jahres 2020. 100 Top-Investoren und Fondsmanager wurden befragt. Und sie verheißen den Branchen Gutes, zumal die Trendwende schon eingesetzt hat. Und einige Parameter offenbar besser ausgefallen sind als befürchtet. Zudem haben vor allem die Luxus- und Modeindustrie die Chancen der Digitalisierung erkannt. Und seien bereits mitten in der Umsetzung, was auch die Nutzung modernster Tools anbetrifft, wie Deloitte festgestellt hat.

1. Erholung ist im Gang - Luxus zieht wieder

Trotz massiver Umsatzeinbrüche kehrt der Optimismus laut Studie wieder rasch zurück, was die Erholung der Luxusbranche post-Corona angeht: 64 Prozent der Befragten glauben an eine Umkehr des aktuellen Negativtrends bis Ende 2022, 36 Prozent rechnen bereits bis Ende 2021 mit einem Aufschwung. Rund 94 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass eine vollständige Erholung auf Vorkrisenniveau bis spätestens in drei Jahren zu schaffen sein wird.

Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich.

„Im Luxusgütermarkt steckt trotz Krise nach wie vor viel Potenzial", analysiert Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich. Das habe sich nicht nur bei der Nachfrage beim Kunden abgezeichnet. Auch bei den Investment sei dies klar zu erkennen.

Bei potenziellen Investoren sitzt demnach dabei das Geld wieder locker: 42 Prozent der Private-Equity-Fonds wollen noch in diesem Jahr sicher oder sehr wahrscheinlich in den Mode- und Luxusmarkt investieren. Bevorzugt wird dabei der Sektor Kleidung und Accessoires, dahinter kommen gleich Kosmetika und Düfte als beliebte Segmente.

2. Die Verlierer der Corona-Krise

Die Luxusmarken mussten im Krisenjahr 2020 fast alle Federn lassen. Was sich auf den Marktwert durchgeschlagen habe. So verzeichnen die Luxussegmente einen massiven Rückgang im Marktwert. Besonders betroffen sind jedoch die Reise- und Gastronomiebranche. Hier vor allem die Kreuzfahrtindustrie und das Luxusgastgewerbe. Die Kreuzfahrtbranche schreibt im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 70 Prozent , das Luxusgastgewerbe hat 45 Prozent an Marktwert eingebüßt.

Interessanterweise konnten die Unternehmen bei den persönlichen Luxusgütern die Geschäftsschließungen im Lockdown und das Ausbleiben von Touristen besser kompensierten.

3. Digitale Aufrüstung & lokale Fokussierung

So wurde technologisch schon zum Teil kräftig nachgerüstet. Neben digitalen Vertriebskanälen haben die Unternehmen die Künstliche Intelligenz (KI) entdeckt, die strategisch eingesetzt Vorteile und wieder hilft die Umsätze zurück zu bringen. Die noble Branche nutzt bereits neueste KI-Werkzeuge. Dadurch konnte die Nachfrage besser abgeschätzt und überwacht werden. Bis hin zur Produktion konnten so auch Lieferketten angepasst und die Lagerverwaltung optimiert werden.

Zudem hat die Branche die lokale Kundschaft wiederentdeckt, was vor allem wichtig wurde, um so mit den nächstliegenden Kundschaft die wegbrechende Auslandsnachfrage zu kompensieren. Laut Deloitte-Studie konnte der stärkere Fokus auf die lokalen Märkte die zuletzt starke Auslandsnachfrage wieder ausgleichen.

„Die Digitalisierung und die regionale Fokussierung sind wichtige Erholungsstrategien für den Luxusgütermarkt", ergänzt die Deloitte-Luxusexpertin Orsolya Hegedüs. Darüber hinaus würden immer mehr Verbraucher auch eine klare Positionierung bei Ethik und Nachhaltigkeit fordern. "Unternehmen sollten jetzt ihre Lieferketten und Geschäftsmodelle dahingehend durchleuchten und anpassen“, so die Deloitte-Managerin.

4. Leichter Anstieg bei M&A

Die weltweiten Lockdowns haben das Übernahmekarussell kaum aus der Spur bringen können: Im Jahr 2020 gab es in der Branche weltweit sogar 277 abgeschlossene M&A-Deals, um 2,2 Prozent oder sechs Transaktionen mehr als im Jahr vor der Covid-Krise.

Wachstumstreiber war das Segment der persönlichen Luxusgüter: Der Bereich Kleidung und Accessoires verzeichnete ein Plus von 13 Deals im Vergleich zu 2019, der Bereich Kosmetika und Düfte steigerte sich um 23 Deals.

„Trotz Krise wurden 2020 mehr M&A-Deals als im Jahr davor abgeschlossen. Das verdankt der globale Luxusmarkt vor allem den persönlichen Luxusgütern, die ein Wachstumstreiber sind. In diesem Bereich gab es die meisten Merger: fast die Hälfte aller M&A-Transaktionen kommen aus dem Bereich der Personal Luxury Goods. Dazu zählen Unternehmen aus dem Bereich Bekleidung & Accecoires, Uhren & Juwelen sowie Kosmetik & Parfüm. Gegenüber dem Jahr 2019 wurde bei den M&Deals in diesem Sektor eine Steigerung von 39 Prozent erzielt.

5. Hotelbranche im Lockdown

Komplett anders ist die Situation hingegen im Hotelsektor. Hier hat die Corona-Krise aufgrund der Lockdowns und des fehlenden Tourismus tiefe Spuren hinterlassen. 2020 wurde der stärkste Rückgang an Transaktionen verzeichnet, mit 30 Deals weniger als im Vorjahr“, so Deloitte-Expertin Hegedüs. „Eine Erholung der Hotellerie wird davon abhängen, ob längerfristig wieder internationale Reisen möglich sein werden." Für den Sommer sieht die Deloitte-Partnerin aktuell einen Hoffnungsschimmer.

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