"Junge Politiker machen nicht automatisch Politik für Junge"

Der Ökonom Lukas Sustala über benachteiligte Millennials, warum sie so still sind und wie sich ihre Chancen verbessern.

"Junge Politiker machen nicht automatisch Politik für Junge"

Lukas Sustala - Der Wiener Ökonom vom Thinktank Agenda hat sich seine Generation im Detail angeschaut.

trend: Sie haben ein ganzes Buch darüber geschrieben, warum die junge Generation es schlechter hat als frühere Generationen. Woran liegt das vor allem?
Lukas Sustala: Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren eine Finanzkrise und ihre Folgen erlebt. Und das wirkt sich immer negativ auf jene aus, die gerade in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Gehälter sind da tendenziell geringer, die Beschäftigung ist öfter zeitlich beschränkt. Hinzu kommt, dass die junge Generation aus deutlich weniger Menschen besteht, daher müssen sie die Kosten für den demografischen Wandel schultern.

Bei den Pensionen?
Sustala: Zum Beispiel, ja, aber der Kohorteneffekt geht viel weiter. Die Immobilienpreise sind vielerorts stärker gestiegen als die Gehälter, es ist heute also schwieriger, auf Eigentum zu sparen. Zudem sind etwa auch die Anforderungen an die Ausbildung deutlich höher, die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt aber größer. In der Rushhour des Lebens kommen diese Herausforderungen noch mit der Familiengründung zusammen. Mit dieser Mehrfachmühle ist es kein Wunder, dass die Familiengründung zeitlich noch weiter nach hinten geschoben wird.

Viele Firmen nehmen die junge Generation anders wahr: enorm selbstbewusst, fordernd und wissend, dass jede Fachkraft gesucht wird. Woher rührt die Diskrepanz?
Sustala: Es gibt natürlich Branchen wie etwa die IT, in der sich junge Absolventen die Arbeitgeber aussuchen und auch hohe Gehälter verlangen können. Die weiterreichenden strukturellen Benachteiligungen gibt es aber dennoch. In Österreich sind sie oft speziell hoch, weil die Seniorität eine große Rolle spielt. Wer älter ist, verdient deutlich mehr, ist sozial wesentlich besser abgesichert. Das führt auch unternehmensintern zu Konflikten.

Warum sind die Jungen so leise?
Sustala: In Österreich liegt es wahrscheinlich daran, dass es politisch immer noch viel zu verteilen gab. Wenn in den kommenden Jahren wirklich viele Babyboomer in Pension gehen, wird es aber so sein, dass den Jungen noch mehr Kosten aufgebürdet werden, damit sich diese Pensionen wirklich finanzieren lassen. Vielleicht wird es dann lauter.

Immerhin: Fridays For Future verschaffte sich zuletzt stark Gehör. Ein Hoffnungsschimmer?
Sustala: Sie machen auf jeden Fall deutlich, wie die älteren Generationen auf Kosten der jüngeren manchmal Politik machen oder eben nicht machen. Damit sich in Österreich etwas ändert, brauchen die Jungen definitiv eine bessere Lobby und Verbündete außerhalb der eigenen Generation. Auch junge Politiker sind per se keine Garantie, dass faire Generationenpolitik gemacht wird.

Was könnte noch zur Generationengerechtigkeit beitragen?
Sustala: Am Wohnungsmarkt sicher, dass mehr gebaut wird und es mehr Anreizmodelle für Junge zum Wohnungskauf gibt, indem Gebühren wegfallen oder Miete in Kauf umgewandelt werden kann. Wesentlich aber wäre es, den Sozialstaat früh genug so umzubauen, dass die Finanzierung von Pensionen nicht Investitionen in die Zukunft gefährdet.


Buchtipp

Lukas Sustala

"Zu spät zur Party. Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst"

Verlag Ecowin, 168 S., € 20
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