Lufthansa besiegelt Übernahme von Air Berlin und Niki

Lufthansa CEO Carsten Spohr

Lufthansa-CEO Carsten Spohr, der lachende Gewinner der Air Berlin Pleite.

Die Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin und deren Tochter Niki und damit einem großen Wachstumsschritt an. Vor allem die eigene Diskont-Marke Eurowings soll ausgebaut werden. Kritiker befürchten ein Quasi-Monopol der deutschen Airline. Seitens der Wettbewerbsbehörde wird mit Auflagen gerechnet.

Das Grounding der Ari Berlin verhilft der Lufthansa zu einem neuen Höhenflug. Über 40 Jahre war die Air Berlin ein erbitterter Konkurrent der Lufthansa. Der Diskonter hatte mit den weiteren Billig-Anbietern die deutsche Kranich-Airline scharf attackiert, ist zur zweitgrößten Fluglinie Deutschlands herangewachsen und hatte die stolte Lufthansa schließlich dazu gebracht, ein wenig von ihrem Stolz abzulegen. Sich neu zu erfinden, schlanker aufzustellen, Geshäftsprozesse und Modelle zu überdenken und sich gesund zu sparen.

Die Lufthansa musste dabei selbst einige harte Jahre und Sparprogramme überstehen. Doch nun setzt die Airline zu einem neuen Höhenflug an, denn die Air Berlin ist Geschichte. Am Abend 27. Oktober 2017 startet die letzte Air Berlin Maschine von München nach Berlin, und dann ist Schluss. Die Maschinen rollen in den Hangar, die Belegschaft - zum Schluss noch rund 6.200 Vollzeit-Mitarbeiter - wird freigesetzt, die Rollbalken werden herabgelassen.

Mehr als die Hälfte der Air Berlin-Flieger werden in der Folge umlackiert und neu ausstaffiert - in den Farben und mit den Logos diverser Lufthansa-Töchter, für die sie künftig im Einsatz sein werden. Insgesamt sollen 81 Maschinen, darunter die der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki und der Regionalfluggesellschaft LGW (Luftfahrtgesellschaft Walter), übernommen werden. Lufthansa zahlt dafür 210 Millionen Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr konnte sich - auch mit Unterstützung der deutschen Politik - gegen Konkurrenten behaupten, die ebenfalls an der Air Berlin oder Teilen daran interessiert waren.

Eurowings bekommt Flügel

Spohrs Plan ist, mit den Air Berlin Teilen vor allem die Marke Eurowings, die Diskont-Tochter der Lufthansa, gegen die Konkurrenz (Ryaanair, EasyJet, Virgin & Co.) zu stärken. Insgesamt wird die Lufthansa 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau von Eurowings stecken.

Für viele Air Berlin Mitarbeiter gibt es damit auch die Perspektive, im Lufthansa-Konzern unterzukommen. Spohr hat bereits angekündigt, mit den Air-Berlin-Maschinen bis zu 3.000 neue Stellen zu schaffen. Die rund 1.700 Beschäftigten der ebenfalls von der Air Berlin übernommenen Fluglinien Niki und LGW können jedenfalls ihre Jobs behalten, da es hier einen Betriebsübergang gibt. Alle anderen können sich auf offene Stellen bewerben und haben dies zum Teil schon getan. "Das sind tolle Leute, deswegen will ich auch möglichst viele von denen zu uns holen", sagte Spohr insbesondere mit Blick auf die Crews.

Die Gewerkschaften pochen auf Garantien für Air Berliner, ohne finanzielle Einbußen den Arbeitgeber wechseln zu können, allerdings deutet das auf längere Verhandlungen hin, da die Konditionen bei Eurowings für die Mitarbeiter deutlich ungünstiger sind als sie bei der Air Berlin waren. Markus Wahl, der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, erklärte daher nach dem Bekanntwerden der Übernahme: "Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen, so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert. Die Mitarbeiter können leider alles andere als aufatmen."

"Konsolidierung stärkt Europa"

Die mit dem Wegfall der Air Berlin fortschreitende Konsolidierung in der europäischen Luftfahrtbranche ist aus Sicht von Spohr auch dringend nötig. Erst im September beklagte er, dass die fünf größten europäischen Fluglinien, zu denen neben Lufthansa auch Ryanair, die British-Airways-Mutter IAG, Air-France/KLM und EasyJet gehören, in "einer der am meisten zersplitterten Branchen" zusammen nur auf einen Marktanteil von 43 Prozent kommen. Die Top-5 in den USA hingegen hätten einen Anteil von 69 Prozent an den Buchungen in, von und nach Nordamerika. Die Amerikaner sind nach Daten von Scope denn auch mit einer Vorsteuerrendite von rund 20 Prozent doppelt so profitabel wie die Europäer.

Bei der Marktbereinigung in Europa will die Lufthansa nach Worten Spohrs eine aktive Rolle spielen: "Da wird Air Berlin nicht der letzte Schritt sein." Sollte es einen Neustart bei der ebenfalls in die Pleite gerutschten Alitalia geben, sei die Kranich-Linie ebenfalls an Gesprächen interessiert. Auch Spohrs Erzrivale, Ryanair-Chef Michael O'Leary, prophezeit einen radikalen Umbau des Markts. Europa werde sich genauso wie der nordamerikanische Markt neu sortieren. "Das ist zum Teil, worum es bei dem ganzen Air-Berlin-Ding geht." O'Leary geht sogar davon aus, dass am Ende nur die fünf Großen übrig bleiben - mit Ryanair an erster Stelle

Bedenken gegen das "Flug-Monster"

Es gibt aber noch weitere kritische Stimmen. Die Lufthansa-Gruppe wird nach der Übernahme in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent an allen Buchungen haben. In Österreich ist die Lage ähnlich. Am Flughafen Wien ist die Gruppe, zu der ja auch die AUA gehört, überhaupt der dominante Anbieter. Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht daher auch von einem "schlechten Tag für den Wettbewerb in der Luft". Auf einigen innerdeutschen Strecken wie Berlin-Frankfurt werde fast ein Monopol entstehen, Preissteigerungen werden folgen

Ob der Kauf den Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher beschränkt, prüfen die EU-Kommission und das Bundeskartellamt. "Die Wettbewerbsbehörden werden ein mögliches Monopol verhindern", sagte der Chef der Monopolkommission und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach. Die EU müsse dabei alle Strecken einzeln überprüfen. Auch in Österreich beginnt nun die Arbeit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Und Konkurrent Ryanair kündigte umgehend an, sich bei der EU über den Verkauf zu beschweren.

Die Verhandlungen mit EasyJet konnten anders als geplant noch nicht abgeschlossen werden. Die Briten waren an rund 30 Flugzeugen interessiert, zögerten zuletzt aber. Die Zeit drängt allerdings, weil Air Berlin zum Schutz der Gläubiger bis zum 28. Oktober den Flugbetrieb mit dem Teil der Flotte einstellen muss, der nicht zur Lufthansa wechselt. Zu den Gläubigern, die vorrangig bedient werden müssen, gehört die deutsche Bundesregierung mit ihrer Kreditlinie von 150 Mio. Euro.

An der Börse wurde der Lufthansa-Deal jedenfalls mit Wohlwollen aufgenommen. Die Lufthansa-Aktie (DE0008232125) kletterte auf den höchsten Stand seit fast 17 Jahren (rund 25 €). Im laufenden Jahr hat sich der Wert des Papieres somit schon mehr als verdoppelt. Binnen Jahresfrist hat die Lufthansa-Aktie überhaupt schon 150 Prozent zugelegt. Die Investmentbanken Bernstein und HSBC halten sogar einen Anstieg auf bis zu 30 Euro für möglich. "Der Air-Berlin-Deal macht die Lufthansa in ihrem Heimatmarkt stärker, was in den kommenden Jahren zu steigenden Erträgen führen sollte", schrieben die HSBC-Analysten.

Lufthansa-Aktie (DE0008232125); 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 13.10.2017: 24,86 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Lufthansa-Aktie (DE0008232125); 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 13.10.2017: 24,86 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

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