Tarifkonflikt eskaliert: Lufthansa-Streik bis Freitag verlängert

Tarifkonflikt eskaliert: Lufthansa-Streik bis Freitag verlängert

Der 14. Streik der Lufthansa-Piloten wurde am Mittwoch gestartet. 1800 Flüge wurden für Mittwoch und Donnerstag abgesagt. Und auch am Freitag geht der Streik weiter. Die Geschäftsführung der Lufthansa attackiert die Piloten und will die Gewerkschaft wieder auf Millionen verklagen. Die Passagiere werden umgebucht, müssen aber in der Hotline sich gedulden und fast zwei Stunden warten und hoffen den gewünschten Ausweichtermin zu bekommen.

Frankfurt/Wien/Düsseldorf. Wer Lufthansa gebucht hat und trotz Streik fliegen will, muss derzeit Geduld haben. Die Airline ist zwar bemüht trotz Tarifkonflikt die gebuchten Passagiere auf andere Flüge umzubuchen. Passagiere werden entweder gleich auf Donnerstagflüge umgebucht oder müssen Zeitverzögerungen, Umwege und Zwischenstopps in Kauf nehmen, wollen sie noch am Mittwoch ihre Zieldestination erreichen.

Gestrichen werden demnach unter anderem 82 Langstreckenflüge. Auch am Donnerstag sind 115.000 Passagiere vom Streik betroffen. In Wien fallen 22 Verbindungen zwischen Wien und München beziehungsweise Frankfurt aus. Auch zumindest ein Graz-Flug wird ausfallen. Die Lufthansa-Tochter Austrian wird ihre Flüge nach derzeitigem Ermessen planmäßig durchführen. Auf den beiden Strecken nach Deutschland wird die Austrian statt Airbus mit Boeing 777-Flugzeuge fliegen. In Summe werden nach Angaben der Austrian dadurch um 200 Sitzplätze mehr angeboten als sonst.

Wer umbuchen will oder muss, weil der Alternativflug nicht passt, muss Geduld haben. Wer telefonisch umbuchen will, muss damit rechnen, dass er bei der Hotline fast zwei Stunden in der Warteschleife hängt, wie eine Recherche von trend.at am ergeben hat.

Fünf Stunden statt 1,5 Stunden Flugzeit

Am Mittwoch wurden über 900 Flüge gestrichen. Nur wenige Flüge werden etwa von Frankfurt aus abgewickelt. Nach England werden Flüge von Frankfurt via Amsterdam ins Vereinigte Königreich umgeleitet. Der Start erfolgt dabei bereits mit fast vier Stunden später. Aufgrund des Zwischenstopps verlängert sich außerdem die Reise um weitere zwei Stunden. Im Gegensatz zum Direktflug, der nur eine Stunde und 30 Minuten dauert, dauert die Reisezeit via Amsterdam somit fast fünf Stunden.

Und auch am Donnerstag und Freitag dürfte sich die Lage weiter zuspitzen. Denn für Donnerstag wurden bereits 912 Flüge abgesagt. Am Mittwochabend wurde bereits die Verlängerung des Streiks beschlossen. Auch am Freitag der Großteil der Lufthansa-Flotte am Boden bleibt.. Allerdings soll zunächst nur die Kurzstrecke in Europa bestreikt werden. Betroffen davon wären auch Flüge von Deutschland nach Österreich sowie in die andere Richtung.

Indes eskaliert der Tarifkonflikt der Lufthansa mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Beide Seiten haben zum Start des jüngsten Streiks bereits am Mittwochfrüh schwere Vorwürfe erhoben. Die Gewerkschaft sei "offenbar mehr an einer Eskalation interessiert als an einer zielorientierten Lösung des Konflikts", sagte Konzernsprecher Martin Leutke am Mittwoch im "Morgenmagazin" des ZDF.

Indirekte Klagsdrohung gegen die Piloten

Die Geschäftsführung der Lufthansa legte am Mittwochnachmittag nach und erklärte, eine alte Schadenersatzklage aus dem Jahr 2014 wieder aufzunehmen. Damit soll die Pilotengewerkschaft finanziell unter Druck gesetzt werden. Daei geht es um eine ruhende Schadenersatzklage über 60 Mio. Euro. Die Lufthansa-Führung werden die Klage nun wieder weiterverfolgen, wie ein Lufthansa-Sprecher erklärt hat.

Die Forderung bezieht sich auf die erste Streikrunde im aktuellen Tarifkonflikt aus dem April 2014. Lufthansa hatte damals erklärt, dass der Streik nicht rechtmäßig sei. Die Geschäftsführung der Lufthansa hatte die Klage ruhen lassen, um die laufenden Gespräche mit der Vereinigung Cockpit nicht zu belasten. Das hat sich mit der mittlerweile 14. Streikrunde erledigt.

Eine erfolgreiche Forderung in dieser Höhe würde die Gewerkschaft überschulden. Allerdings haben Gerichte bis jetzt äußerst selten entschieden, dass Gewerkschaften nach Arbeitskämpfen Schadenersatz leisten müssen.

VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg warf dem Unternehmen vor, bisher nur ein "Scheinangebot" vorgelegt zu haben, und drohte mit weiteren Ausständen.

Die Vereinigung Cockpit hatte in der Nacht zum Mittwoch einen zunächst auf 24 Stunden angesetzten Streik bei Lufthansa begonnen, der kurzfristig auch auf den kompletten Donnerstag ausgeweitet wurde. Am Mittwochabend wurde der Streik bis Freitagabend verlängert. Jeder Streiktag sei ein "trauriger Tag für die Lufthansa", sagte Konzernsprecher Leutke. Das Unternehmen sei weiter daran interessiert, "möglichst schnell zu einer Lösung" zu gelangen, und wolle gerne wieder verhandeln.

VC-Vorstandsmitglied Handwerg rief die Lufthansa auf, der Gewerkschaft ein echtes Angebot zum Vergütungstarifvertrag vorzulegen. Bisher gebe es "nur ein Scheinangebot", sagte er im ZDF. Lufthansa verlange für jegliche Tariferhöhung eine "Kompensation" - ein solches "Nullsummenspiel" sei "kein seriöses Angebot".


Die Forderungen im 14. Streik

Die Gewerkschaft fordert für die Piloten rückwirkend ab 2012 jährlich 3,66 Prozent mehr Lohn.

Die Lufthansa hatte zuletzt 2,5 Prozent mehr Lohn angeboten bei einer Laufzeit des Vergütungstarifvertrags bis Ende 2018.
Über 900 Flüge der Lufthansa wurden alleine für Mittwoch gestrichen. Betroffen sind 100.000 Passagiere.

Welche Flüge betroffen sind und welche Alternativflüge angeboten werden, kann HIER via Internet abgerufen werden.

Der Streik wurde für Lang- und Kurzstreckenstreckenflüge der Lufthansa am 23.11. von 00.01 Uhr bis zum 24.11.2016 23.59 Uhr ausgerufen. Die Gewerkschaft VC hat am Mittwochabend die den Streik bis Freitag verlängert,.


Handwerg verteidigte die Tarifforderung der Vereinigung Cockpit als "legitim". Die Piloten seien in den vergangenen Jahren von der allgemeinen Lohnentwicklung "abgekoppelt" worden. Zugleich habe Lufthansa in dem fraglichen Zeitraum 5 Mrd. Euro Gewinn gemacht und die Vergütungen für Vorstände und Aufsichtsräte deutlich erhöht.

Sobald ein seriöser Vorschlag der Arbeitgeberseite eingehe, könne die Gewerkschaft den Streik abbrechen, sagte Handwerg. Gefordert werde ein verhandlungsfähiges Angebot - "so lange das nicht eingeht, kann es immer wieder zu Streikmaßnahmen kommen".

Die Lufthansa war zudem in der Nacht zum Mittwoch mit dem Versuch gescheitert, den Pilotenstreik per Eilantrag gerichtlich verbieten zu lassen. Zunächst das Arbeitsgericht Frankfurt am Main und danach auch das Hessische Landesarbeitsgericht stuften den Ausstand als rechtens ein. Cockpit kündigte an, der Streik werde um 24 Stunden verlängert.

Millionenschäden für die Flughäfen

Die deutschen Flughäfen befürchten Schäden in Millionenhöhe durch den Streik der Lufthansa-Piloten und des Kabinenpersonals bei Eurowings. Die Airports seien inzwischen immer häufiger Schauplatz von Tarifauseinandersetzungen, kritisiert der deutsche Flughafenverband ADV. Die zunehmenden Streiks schadeten dem Flughafenstandort Deutschland und dem Image des Luftverkehrs.

"Diese Entwicklung ist nicht akzeptabel und geht weit über das vertretbare Maß hinaus", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch).

An der Börse ist der Lufthansa-Streik noch nicht gelandet. Die Lufthansa-Aktie hat am Mittwoch gleich zum Handelsauftakt an der Frankfurter Börse mit über einem Prozent stärker notiert. Bis zum späten Nachmittag konnte die Aktie um 1,54 Prozent auf 12,85 Euro zulegen. Am Vortag hatte die Aktie noch etwas mehr als ein Prozent verloren.

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