Lufthansa im Streik: Airline-Chef bittet Kunden um Verständnis

Lufthansa im Streik: Airline-Chef bittet Kunden um Verständnis

Lufthansa-Chef Spohr spricht in einer Video-Botschaft zu seinen Mitarbeitern. Er verweist auf Verantwortung für alle 120.000 Mitarbeiter. Bis 23 Uhr wird die Langstrecke von Frankfurt aus bestreikt. 33 Flügen wurden bereits gestrichen. Österreicher sind von den Flugausfällen auch betroffen.

Frankfurt. Angesichts des erneuten Piloten-Streiks bei der Lufthansa hat sich Konzernchef Carsten Spohr am Dienstag in einer Videobotschaft direkt an die Kunden seiner Firma gewandt. Angesichts des "längsten Streikes in der Geschichte des Unternehmens" wolle er um Verständnis bitten für die Auswirkungen des Arbeitskampfes auf die persönlichen Reisepläne, sagte Spohr. 15 Stunden werden die Piloten insgesamt streiken. Betroffen sind Lnagstreckenflüge, die von Frankfurt gestartet werden.

Die Flugkapitäne der Lufthansa wollen an diesem Dienstag von 8 bis 23 Uhr Langstreckenflüge ab Frankfurt am Main bestreiken. Bis zum Morgen wurden 33 von 57 geplanten Flügen gestrichen. Hauptsächlich Flüge nach Nordamerika seien von den Flugausfällen betroffen, wie die Airline auf ihrer Website mitteilte. Auch Flüge nach Flüge nach Singapur und Bangkok sind am Dienstag ausgefallen. Mit einem Sonderflugplan will die Lufthansa dafür sorgen, dass jedoch mehr als die Hälfte der geplanten Interkontinentalflüge stattfinden können.

Der Kurz- und Mittelstreckenverkehr soll nach Angaben der Lufthansa nicht betroffen sein. Auch Langstreckenflüge von München und Düsseldorf sollten starten. Die Flüge der übrigen Konzerngesellschaften wie Swiss, Austrian, Germanwings, Brussels Airlines und Air Dolomiti fänden ebenfalls planmäßig statt.

Auch Österreicher, die einen Langstreckenflug über Frankfurt gebucht hätten, seien betroffen. "Wir haben bereits gestern versucht, die Kunden über SMS zu erreichen und wo möglich Alternativen angeboten", sagte Boris Ogursky, ein Lufthansa-Sprecher, am Dienstag zur APA. Österreichische Gäste seien zum Teil über München, Zürich oder Brüssel umgebucht worden oder auch Flüge über Wien mit der AUA als Alternativen angeboten worden.

Die Lage am Airport sei sehr ruhig, sagte Markus Wahl von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. "Das ist aber auch gut, denn wir wollen nicht die Passagiere treffen, sondern unseren Arbeitgeber." Von gestrandeten Reisenden war in der Abflughalle A zunächst nichts zu sehen, dafür hatten zahlreiche Medienvertreter ihre Kameras aufgebaut.

Manager-Piloten springen ein

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte ihre fünfte Streikwelle von vornherein auf Interkontinentalflüge beschränkt, dafür aber die Dauer im Vergleich zu den vorangegangenen Streiks stark ausgeweitet. 32 Flüge aus dem Streikzeitraum sollten nach Angaben der Lufthansa starten. Ein Großteil davon werde von freiwilligen Piloten gesteuert. Zum Teil handelt es sich um sogenannte Manager-Piloten, leitende Lufthansa-Mitarbeiter, die ihre Fluglizenz aufrechterhalten haben.

Die Konzernführung trage nicht nur für die 5400 Piloten Verantwortung, die sich derzeit an dem Streik beteiligten, "und damit die Hälfte unserer Pilotenschaft, sondern für die gesamten 120.000 Mitarbeiter unserer Lufthansa", warb Vorstandchef Spohr für die Haltung der Unternehmensleitung in dem Tarifkonflikt. Die Lufthansa wolle auch in Zukunft "die besten Mitarbeiter der Branche an uns binden, fair behandeln, fair bezahlen".

Mehrere Konflikte

Hintergrund des Streiks ist der festgefahrene Streit um die Übergangsversorgung der Piloten. Sie erlaubt es Piloten bisher, ab dem Alter von 55 Jahren in den bezahlten Frühruhestand zu gehen. Der Konzern will die Altersgrenze erhöhen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) lehnt dies ab. Vor zwei Wochen hatte die Lufthansa vorgeschlagen, die Altersgrenze individuell anhand der Dienstjahre eines Piloten festzulegen. Auch diesen Vorschlag wies die Gewerkschaft zurück.

Die VC hat bereits bei vier Streikwellen 4.300 Flüge ausfallen lassen, Hunderttausende Reisende waren betroffen. Der Konflikt zwischen Management und Pilotengewerkschaft eskaliert auch an anderer Stelle. So prüft das Unternehmen den Einsatz externer Piloten auf Langstreckenflügen unter der Marke Lufthansa. Die VC soll sich laut Lufthansa nicht zu Einsparungen bereit erklärt haben, was allerdings von der Gewerkschaft bestritten wird.

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