Lufthansa verhandelt 9-Milliarden-Euro-Rettungspaket

Die wegen der Coronakrise schwer angeschlagene Lufthansa verhandelt mit der deutschen Bundesregierung über ein Rettungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro. Der Staat soll dafür einen Anteil von bis zu 25 Prozent plus eine Aktie bekommen

Lufthansa verhandelt 9-Milliarden-Euro-Rettungspaket

Die wegen der Coronakrise schwer angeschlagene Lufthansa verhandelt nach eigenen Angaben mit der deutschen Bundesregierung über ein Rettungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro. Im Gegenzug werde über eine Beteiligung des Staates in Höhe von bis zu 25 Prozent plus eine Aktie gesprochen. Der deutsche Bund strebt einen Sitz im Aufsichtsrat des Konzerns an. Zudem werde weiter über Auflagen für die Fluggesellschaft gesprochen, darunter sei der Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen.

Ein Befreiungsschlag über eine Insolvenz, den das Management Insidern zufolge für den Fall zu strikter Auflagen des Staates prüfte, soll nicht notwendig sein. "Wir sind überzeugt, dass wir angesichts der Gespräche mit der Bundesregierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen", sagte Spohr. Zu Details der noch laufenden Verhandlungen über ein Rettungspaket von bis zu zehn Milliarden Euro wollte sich die Lufthansa-Spitze bei der Übertragung aus der Frankfurter Firmenzentrale nicht äußern.

Auch die Töchter brauchen Hilfen

Die bisher größte staatliche Finanzhilfe für ein Unternehmen während der Corona-Krise könnte in dieser Woche besiegelt werden. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier betonte das hohe Interesse des Staates an der Rettung der finanziell angeschlagenen Lufthansa.

Die Lufthansa ist vom weltweiten Einbruch des Reisens durch die Pandemie so hart getroffen, dass sie um ihre finanzielle Existenz kämpfen muss. Alle vier Heimatländer der Airline-Gruppe - neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich und Belgien - wollen der Lufthansa und ihren Töchtern Swiss, Austrian und Brussels Airlines unter die Arme greifen. Doch sie stellen Bedingungen zur Standortsicherung oder verlangen Mitsprache wegen der erheblichen Steuergelder.

Auch Österreich will eine Beteiligung

Die Lufthansa-Tochter AUA verhandelt derzeit mit der Corona-Finanzierungsagentur COFAG über Unterstützungen im Wert von 767 Mio. Euro. Zunächst hatte die COFAG noch ausstehende Unterlagen moniert. Mit dem Betriebsrat verhandelt die AUA über ein Sparprogramm und Personalabbau.

Der österreichische Finanzminister Gernot Blümel hatte ebenfalls erklärt, dass er im Falle einer derart hohen Unterstützungszahlung an die AUA eine entsprechende Beteiligung an dem Mutterkonzern Lufthansa erwartet. "Die Lufthansa ist ein deutsches Unternehmen", hatte Blümel betont, aber gleichzeitig bekräftigt, prinzipiell Unterstützung für die AUA leisten zu wollen.

Die Wirtschaftsprüfer von PwC haben der AUA bis 18. Mai Zeit gegeben, um konkrete Verhandlungsergebnisse mit der Republik Österreich über Staatshilfen und dem Personal über ein Sparpaket vorzulegen. Nur wenn diese vorliegen, soll es eine positive Fortbestandsprognose geben.

Tauziehen um Mitspracherecht

Im deutschen Bundestag und bei der Lufthansa selbst ist umstritten, wie stark der Staat künftig bei der Lufthansa mitreden soll. Insidern zufolge ging es zuletzt neben Krediten und einer stillen Beteiligung ohne Stimmrecht um ein 25-prozentiges Aktienpaket für den Staat. Damit hätte die Bundesregierung eine Sperrminorität und Zugriff auf Sitze im Lufthansa-Aufsichtsrat.

Das hatte Spohr zu eindringlichen Warnungen vor zu starkem Einfluss der Politik veranlasst. Die Lufthansa müsse auch weiterhin "ihr Schicksal unternehmerisch gestalten können", erklärte er. "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen." Die vor der Krise umsatzstärkste europäische Fluggesellschaft drohe sonst, im Wettbewerb gegen die Konkurrenz aus China, den USA und vom Golf zurückzufallen.

Damit fand er zumindest nach eigener Wahrnehmung in Berlin Gehör. "Auch in der Bundesregierung in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Geschäftsführung der Lufthansa", sagte Spohr. Entsprechend äußerte sich ein Top-Berater von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Auch Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz oder der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sowie die Fondsgesellschaft Union Investment hatten sich gegen politische Einmischung ausgesprochen, die über Kontrolle hinausgehen würde.

Vor einer Schrumpfkur

Viele der rund 250 Fragen, die Aktionäre vorab eingereicht hatten, drehten sich darum, wie sich die Lufthansa durch die schwere Krise verändert. Spohr hatte schon angekündigt, etwa 100 der zuletzt 760 Flugzeuge blieben für immer am Boden. Für rund 10.000 überzählige Mitarbeiter müssten neue Jobs gefunden werden. Weder für weitere Firmenverkäufe noch für Übernahmen anderer, strauchelnder Airlines habe das Management jetzt Zeit, erklärte der Lufthansa-Chef. "Unser Fokus liegt auf der Stabilisierung der Lufthansa in der jetzigen Form und nicht auf der Übernahme anderer Airlines."

Die schon länger von ihm erhoffte Marktbereinigung am europäischen Luftfahrtmarkt werde sich durch die staatliche Stützung von Airlines verlangsamen. Am Plan, das Catering-Geschäft zu verkaufen, hält die Lufthansa fest. Für andere Töchter gebe es keine Verkaufspläne. Auch wolle die Lufthansa an ihrem Geschäftsmodell mit mehreren Drehkreuzen für Langstreckenflüge festhalten. Vor der Krise hatte sie mit Frankfurt, München, Zürich und Wien vier Hubs. Die Regierung Österreichs und der Schweiz fordern, den Status zu erhalten.

Kein schnelles Ende der Krise

Derzeit sind nur ein Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahr an Bord der wenigen verbliebenen Lang- und Kurzstreckenflüge. Erst ab Mitte Juni sei ein neuer Flugplan mit "spürbar" mehr Verbindungen zu erwarten, kündigte Spohr an. Die Finanzlage ist mit fast keinen Einnahmen und weiter laufenden Kosten kritisch. Spohr bezifferte die Liquidität auf gut vier Milliarden Euro. Allein die noch anstehenden Rückzahlungen für bis Ende Mai stornierte Flüge belaufen sich auf 1,8 Mrd. Euro, wie der für das Rechnungswesen derzeit zuständige Personalchef Michael Niggemann erklärte.

Dass auch die Lufthansa bei der Absicherung des Ölpreises keinen Corona-Schock mit abstürzendem Ölpreis vorhersehen konnte, wird sie in diesem Jahr etwa eine Milliarde Euro kosten. Niggemann kündigte an, dass nach diesem auch im nächsten Jahr die Dividende ausfallen wird.

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