Luftfahrt hofft auf Schnelltests, Impfung und Neustart

Weltweit ist die Luftfahrt eine der von der Corona-Pandemie am schwersten getroffenen Branchen. Der internationale Luftfahrtverband IATA hofft für 2021 auf massenweise verfügbare Schnelltests und hofft auf eine schnelle Durchimpfung von großen Bevölkerungsteilen.

Am Flughafen Wien konnte heuer nur eine Bruchteil der Passagiere eines normalen Jahres befördert werden. Die Hoffungen liegen auf ein Ende der Pandemie im Jahr 2021.

Am Flughafen Wien konnte heuer nur eine Bruchteil der Passagiere eines normalen Jahres befördert werden. Die Hoffungen liegen auf ein Ende der Pandemie im Jahr 2021.

"Wir können nicht auf den Impfstoff warten." Der scheidende Generaldirektor des globalen Airlineverbandes IATA, Alexandre de Juniac, hat noch einmal mächtig Druck gemacht, um den Neustart der Luftverkehrsbranche in den kommenden Monaten mit Hilfe massenhafter Corona-Schnelltests zu beschleunigen. Die Pandemie hat die Fluggesellschaften im fast abgelaufenen Jahr zwar mächtig mitgenommen, untergegangen sind bisher aber erst wenige.

Die globalen Geschäftszahlen sind dennoch ernüchternd. Statt 4,5 Milliarden Menschen im Vorjahr waren 2020 nur noch 1,8 Milliarden Menschen mit einem Flugzeug unterwegs. Der Passagierschwund um 60,5 Prozent hat den Umsatz der Airlines laut IATA um mehr als 500 Milliarden Dollar auf 328 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Die Verluste summieren sich auf geschätzte 118,5 Milliarden US-Dollar. Darin nicht enthalten sind die ebenfalls hart gebeutelte Flugzeugindustrie, die Flughäfen und ihre zahlreichen Dienstleister.

Rund 173 Milliarden Euro haben die Regierungen im laufenden Jahr bereits in ihre nationalen Airlines gepumpt. Juniac erwartet weitere Transfers von bis zu 80 Milliarden Euro. Heißer Kandidat für neue Milliardenspritzen ist Air France-KLM, dem der französische Staat laut der Zeitung "Le Monde" bereits weitere Zahlungsbereitschaft signalisiert hat.

Hoffnung: Impfung und Schnelltests

Nur wenn die kurz vor der Zulassung stehenden Corona-Impfstoffe schnell verteilt werden und zudem deutlich mehr Passagiere mit Hilfe von negativen Schnelltests reisen dürfen, erwartet die IATA zur Jahresmitte 2021 eine Erholung der Ticketnachfrage. Die Umsätze sollen im kommenden Jahr der Schätzung nach 459 Milliarden Dollar erreichen, die Verluste blieben auf knapp 39 Milliarden Dollar beschränkt. Rund 12 Milliarden Dollar müssten die europäischen Airlines schultern, die wegen der kleinen Binnenmärkte stärker auf das internationale Geschäft angewiesen sind als Amerikaner, Russen oder Chinesen.

Alexandre de Juniac, Generaldirektor IATA

IATA-Präsident Alexandre de Juniac: "Wir können nicht auf den Impfstoff warten."

Den Experten ist längst klar, dass sich das Geschäft auf der Mittelstrecke schneller erholen wird als auf der Langstrecke, dass touristische Reisen eher wieder aufgenommen werden als solche aus geschäftlichen Gründen. Schließlich hat Corona einen erheblichen Digitalisierungsschub gebracht, der künftig viele kostspielige Business-Trips überflüssig erscheinen lässt. Allerdings erwartet der Geschäftsreiseverband VDR einen beträchtlichen Nachholbedarf an persönlichen Begegnungen. Der Aufwand pro Reise dürfte steigen: Rund 80 Prozent der Unternehmen rechnen dem VDR-Barometer zufolge mit komplizierteren Planungen und höheren Kosten. Und 90 Prozent wollen künftig genauer prüfen, welche Reisen wirklich notwendig sind.

Fracht statt Passagiere

Ihre Relevanz für eine globalisierte Wirtschaft hat die Airline-Industrie in der Krise bei der Luftfracht bewiesen. In der Pandemie wurde so manches Passsagierflugzeug zu einem Frachtflugzeug umgebaut, etwa um dringend benötigte MNS-Masken oder andere Schutzbekleidung aus den Produktionsstätten in Asien nach Europa zu bringen. Die Cargo-Umsätze stiegen deutlich auf knapp 118 Milliarden Euro und retteten manche Airline.

Die Passagiere werden im kommenden Jahr nur ein ausgedünntes Verbindungsangebot vorfinden, denn die Gesellschaften fliegen nur, wenn sie zumindest die direkten Kosten eines Fluges decken können. Auf dem alten Kontinent waren im April nur noch 2.110 Städtepaare mit Direktflügen verbunden, berichtet IATA-Experte Rafael Schvartsman. Vor der Krise konnte man aus mehr als 9.000 Destinationen wählen. Etliche Ziele werden nur mit einem Zwischenstopp zu erreichen sein, was zunächst Drehkreuze wie Frankfurt, Paris oder Amsterdam stützt.

Die Ticketpreise sind in der Coronakrise in schlecht ausgelasteten Jets eher gesunken und der Billigflieger Ryanair hat für den Neustart bereits mit aggressiven Kampfpreisen gedroht. Die Iren können dabei erstmals auch auf besonders kostengünstige Flugzeuge vom Unglückstyp Boeing 737 Max zurückgreifen, der im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden war. Nach technischen Nachbesserungen steht die Wiederzulassung auch am europäischen Himmel durch die Luftfahrtaufsicht unmittelbar bevor.

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