L'Oreal Vorständin Alexandra Palt: „Frauen, steht für eure Rechte auf!“

Alexandra Palt, Vorständin von L'Oreal weltweit ruft Frauen zur Solidarität auf, um die Gleichberechtigung in der Gesellschaft voranzubringen. Man müsse nicht Frauen fördern, sondern Männer und Unternehmen für Sanktionierung sanktionieren.

Alexandra Palt, Vorständin L'Oreal international

Alexandra Palt, Vorständin L'Oreal international

trend: War es für Sie je ein Thema, wie man gerade als Frau Karriere macht?
Palt: Eher weniger, weil meine Karriere nicht so geplant war. Die Frage stellt sich aber spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem eine Frau Kinder bekommt. Sie überlegt dann, wie sie ihr Leben nun organisiert, und schaut sich Unternehmen genauer an. Bei manchen gibt es Gleichberechtigung nur am Papier. Bei anderen wird Gleichberechtigung gelebt, das gesamte Topmanagement steht dahinter, wie das bei L’Oréal der Fall ist. So wird alles dafür getan, damit Frauen gleichberechtigt repräsentiert sind.

Etwa indem man keine Meetings ab 18 Uhr anberaumt?
In der Tat, aber es gibt aber auch andere Dinge, die ich tue, um Familie und Beruf zu verbinden. Ich hole zum Beispiel meine Kinder am Freitag von der Schule ab. Doch weil es als Frau immer noch schwieriger ist, Karriere zu machen, ist man versucht, bei zu vielem mitzumachen.


Es ist nicht effizient, 80 Stunden die Woche zu arbeiten.

Wie kann man widersprechen?
Es muss um die Leistung an sich gehen. Keiner glaubt hier mehr, dass es effizient ist, 80 Stunden die Woche zu arbeiten. Das ist 80er-Jahre-Denken. Wo das noch so ist, muss es sich schnell ändern, wenn man die besten Talente haben möchte. Übrigens für Frauen und Männer, die heute auch mehr Work-Life-Balance einfordern.

Wie unterscheidet sich die Situation in Frankreich von jener in Österreich?
In Frankreich wird etwa die Mutterrolle völlig anders definiert. In Österreich werde ich manchmal gefragt: „Warum hast du überhaupt zwei Kinder, wenn du den ganzen Tag arbeitest?“ Das französische Kinderbetreuungssystem ist darauf ausgerichtet, dass Frauen arbeiten. Wenn sich das in Österreich ändern soll, müssen junge Eltern das von der Politik einfordern. In Bezug auf erfolgreiche Frauen gibt es aber weltweit eine Gemeinsamkeit.


Man muss nicht Frauen fördern, sondern Männer sanktionieren.

Welche?
Frauen sind immer irgendetwas „zu viel“. Zu tough, zu ehrgeizig, zu männlich. Und wenn man nichts Negatives findet, dann haben sie einfach „zu viel Glück“. Je früher Frauen verstehen, dass solche Äußerungen nicht ihr Problem sind, sondern das des Systems, desto schneller werden sie in höhere Positionen kommen.

Muss man Frauen speziell fördern?
Nein, den Frauen fehlt nämlich nichts. Sie haben aber genug von Diskriminierung, unangebrachten Bemerkungen und Nicht-Beförderungen und sagen das heute auch lauter und klarer. Man muss nicht Frauen besser fördern, sondern endlich Männer und Unternehmen für Diskriminierung, Mobbing und Sexual Harassment sanktionieren. Ich glaube auch, dass die heutige Generation merkt, dass ein System, in dem Frauen in Gesellschaft und Wirtschaft einen Platz haben, viel besser funktioniert und interessanter ist.

Was raten Sie jungen Absolventinnen?
Man darf nicht glauben, dass nur harte Arbeit zum Ziel führen wird. Ohne diese geht es nicht, aber man muss sich bewusst sein, dass es Momente gibt, in denen man für seine Rechte aufstehen muss. Und dann müssen Frauen in totaler Solidarität mit anderen Frauen daran arbeiten, die Veränderungen in unserer Gesellschaft weiterzubringen. Es sind noch nicht alle von Gleichberechtigung überzeugt.


Zur Person

Die Österreicherin Alexandra Palt (47) ist seit September 2019 im Vorstand von L’Oréal weltweit und dort für das sehr aktuelle Thema „nachhaltige Entwicklung“ zuständig. Ihre Karriere führte die Juristin über eine auf Menschenrechte spezialisierte Kanzlei in Gleichbehandlungs-Organisationen in Frankreich. Sie war zudem Beraterin, bevor sie 2012 als CSR-Verantwortliche zu L’Oréal kam.


Mehr zum Thema

Das Interview wurde für die Coverstory "Die 100 mächtigsten Business-Frauen Österreichs" der trend-Ausgabe 09/2020 vom 28. Februar 2020 geführt.

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