Lohndumping und Zwangsurlaube: Dicke Luft bei Airlines

Ryanair-und Lauda-Chef Michael O'Leary im Österreich-Trikot: Er will, dass sein Team nach seinen Plänen spurt.

Ryanair-und Lauda-Chef Michael O'Leary im Österreich-Trikot: Er will, dass sein Team nach seinen Plänen spurt.

Mitarbeiter von AUA, Eurowings, Lauda, Level und Laudamotion wollen sich gegen Lohndumping und Verstößen gegen das Arbeitsrecht bei Billigairlines zur Wehr setzen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft versucht man eine Lösung zu finden.

Sommerzeit ist Reisezeit - und damit Hochsaison bei den Fluglinien, die Urlauber in alle Welt bringen. Doch nicht alle sind dabei glücklich. Am größten Flughafen Österreichs in Wien-Schwechat kommen Airline-Mitarbeiter unter Druck. Die Konkurrenz durch Billiganbieter hat Lohndumping und Arbeitsrechts-Turbulenzen gebracht. Betriebsräte der in Wien ansässigen Fluglinien - Vertreter von Austrian Airlines (AUA), Eurowings, Level und Wizz Air - sind daher zu einer Krisensitzung zusammengekommen, bei der zu Ryanair gehörenden Laudamotion kam es zu einer Betriebsversammlung.

Nach dem Krisengespräch erklärte die für das fliegende Personal zuständige Gewerkschaft vida ihre Solidarität mit den Lauda. In den nächsten Wochen, möglicherweise noch in der Ferienzeit, soll es Betriebsversammlungen gleich bei mehreren Airlines in Wien geben, und zwar alle am selben Tag zur selben Zeit. Das hieße dann Beeinträchtigungen für die Passagiere.

"Die Mitarbeiter sind aufgebracht", sagt Roman Hebenstreit, Chef der vida. Die Situation in der Luftfahrt sei "ziemlich dramatisch" - jeder wolle billig in den Urlaub fliegen, die Airlines wüssten nicht mehr, wie sie sich gegenseitig mit ihren Preisen nach unten drücken sollen. "Die, die die Rechnung dafür bezahlen, sind zunehmend leider die Beschäftigten in der Luftfahrt", kritisierte er. Der Gewerkschaftschef fordert eine branchenweite "faire" Lösung für die Luftfahrt. Vertreter der Airlines, also vom zuständigen Wirtschaftskammer-Fachverband, sollten sich mit vida zu "ernsthaften Gesprächen" zusammensetzen.

Ryanair droht

Ryanair (ISIN IE00BYTBXV33), Eigentümer der in Österreich ansässigen "Laudamotion", droht, Jobs zu streichen, wenn es mit dem Betriebsrat nicht rasch zu einer Einigung Einsparungen gäbe. Als Frist dafür hat Ryanair den 14. August festgesetzt. Für die Gewerkschaft ist die Forderung unannehmbar. Auch die zuletzt bekannt gewordene Suche nach Ryanair-Piloten für Wien über eine polnische Leiharbeitsfirma rufen bei Hebenstreit Unverständnis hervor: "Dass das jetzt derartige Ausmaße annimmt, erschüttert uns aus Sicht der Gewerkschaft und aus Sicht der Belegschaft enorm. Dass es da keine Grenze nach unten gibt, ist einfach letztklassig."

Laudamotion-Piloten könnte zudem ein Zwangsurlaub drohen, warnt vida - ein klarer Verstoß gegen das österreichische Urlaubsgesetz. Der Gewerkschaft zufolge peilt die Ryanair-Tochter eine Regelung an, dass nach Erreichen des gesetzlichen Höchstlimits von 900 Flugstunden im Jahr Betroffene vom Unternehmen automatisch in den Urlaub geschickt werden sollen. Das könne weder vom Betriebsrat noch von der Gewerkschaft mitgetragen werden, betonte Anton Fuszko, Vorsitzender des vida-Ausschusses Fliegendes Personal. Das Gesetz sehe Urlaub zu Erholungszwecken vor, was eine gewisse Planbarkeit und gegenseitiges Einvernehmen voraussetze - das wäre hier nicht mehr gegeben, so Fuszko.

Außerdem fordere die Lauda-Geschäftsführung unter anderem vom Bordpersonal mindestens 850 Flugstunden im Jahr, sonst sei mit Sanktionen wie einer Reduzierung der monatlichen freien Tage von zehn auf sieben zu rechnen. Da die geleisteten Flugstunden aber nicht vom einzelnen Beschäftigten, sondern ausschließlich vom Unternehmen durch die Dienstpläne bestimmt würden, wäre hier jeder einzelne "der absoluten Willkür der Unternehmensführung ausgesetzt", kritisierte Hebenstreit in der Aussendung: "So kann man mit den Beschäftigten nicht umspringen." Er versicherte dem Lauda-Bordpersonal und dem Betrieb Unterstützung bei den Betriebsversammlungen und Verhandlungen mit der Geschäftsführung.

Als ersten Schritt will die Gewerkschaft den wirtschaftlich stärksten Kollektivvertrag der AUA "satzen" lassen, also für alle gültig erklären lassen. Damit kämen auch "KV-freie" Airlines zu entsprechenden Regelungen und andere, wie etwa Lauda, sollten höhere Standards der AUA auf sich anwenden können. Ein solcher Antrag an das Sozialministerium soll in den nächsten ein bis zwei Wochen erfolgen.

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