Loewe dreht zum zweiten Mal in Österreich auf

Loewe dreht zum zweiten Mal in Österreich auf

Neustart mit Hürden: Loewe-CEO Mark Hüsges hat nach dem Bauchfleck in Österreich ein neues Sendungsbewußtsein.

Der deutsche Fernsehhersteller Loewe hat in Österreich auch nach der Insolvenz und dem Neustart noch nicht sehr viel Glück gehabt. Erst im zweiten Anlauf kommt Loewe in Schwung. CEO Mark Hüsges erklärt, worauf es in der Zukunft ankommt, um auch im hochpreisigen Geschäft zu reüssieren.

"Wir sind der Erfinder des Fernsehens", sagt Loewe CEO Mark Hüsges voller Selbstbewusstsein. 1923 wurde das Unternehmen gegründet. Tradition, die Marke und jüngste Technologie soll dem Unternehmen neuen Anschub bringen. Und das will Loewe künftig noch stärker zu Schau stellen.

Im Jahr 2014 war das Unternehmen Pleite. Der Investor und ehemalige Berater des Unternehmens, Mark Hüsges, hat sich gemeinsam mit seinem Partner Boris Levin vom Münchner Finanzinvestor Stargate Capital die Reste des insolventen Unternehmen samt rund 400 Mitarbeiter einverleibt. Und das Unternehmen neu aufgestellt. "Wie ein Familienunternehmen", betont Hüsges.

Der Ober-Loewe will damit sagen, dass sich die Eigentümer nicht als einen klassischen Finanzinvestor sehen, der die Strukturen begradigt, Kosten senkt und bald wieder einen Exit mit Profit macht, sondern mit einer traditionellen Marke und einem Top-Produkt auf Nachhaltigkeit setzt.

In Österreich hat der TV-Hersteller nach seiner Neuaufstellung im Jahr 2014 nicht das glücklichste Näschen. Der Markt, vor allem aber ein Großhändler HB Austria, hatte Loewe zuletzt in Österreich ein Schnippchen geschlagen. Der Großhändler ging Pleite. Rund fünf Millionen Euro Schulden hatte er bei Loewe angeschrieben. Was noch aus der Insolvenz des österreichischen Händlers wohl zu holen sei, wollte man bei Loewe nicht kommentieren. Ein Verfahren läuft noch.

Ein wichtiger Markt

Doch nun soll alles anders werden. Auch in Österreich - Hüsges: "ein für uns ganz wichtiger Markt" - soll das Geschäft unter Eigenregie wieder in Schwung bringen. Unter der Leitung von Kurt Doyran soll ein Sales-Team zusammen mit über 100 Galerien und Loewe-Partnern der traditionellen Marke auch hierzulande wieder ein Hochglanz-Image verschaffen.

Die Präsentation neuer Geräte und Strategie im 820 Quadratmeter großen Penthouse in Wiens Nobelherberge Park Hyatt Vienna gibt die Richtung vor. Eine Nacht im Penthouse über den Dächern der Freyung im Wiener Zentrum kostet immerhin 19.000 Euro (ohne Frühstück!). Eine Maut, die mit den Premium-Preisen der Loewen fast auf Augenhöhe ist.

"Home-Entertainment" heißt das Code-Wort. 75 und 85 Zoll messen die Screens der teuersten, größten und margenträchtigen TV-Geräte in ihrer Bilddiagonalen. Der Preis: fünfstellig, abhängig vom Modell. Wer es kleiner und günstiger will bekommt auch TV-Geräte zwischen 40 und 55-Zoll-Bildgröße. Für den Blick sorgt, wie es die Loewe-Männer ausdrücken, "schärfstes Ultra HD-Bild". Neueste Dolby-Technologie sollen Gehör und Seele entzücken.

Zahlungskräftige Kunden, oder diejenigen, die bereit sind, etwas tiefer ins Börsel zu greifen, sollen adressiert werden. Das kleinste und günstigste Gerät, der 31-Zoll-Empfänger, soll weiterhin im Programm bleiben, trotz großer Konkurrenz wie Samsung, Panasonic, Sony, LG, Grundig oder Philips, deren Geräte weit billiger und unter 1000 Euro zu haben sind. Im Premium-Segment ist Loewe laut Stückzahlen Nummer 3 (21,9 Prozent) hinter Marktführer Samsung (27 Prozent) und Panasonic (21,9 Prozent).

Für den hochpreisigen TV-Anbieter war Österreich schon immer wichtig. Doch nun wird der Vertrieb mit einem eigenen Team selbst gesteuert. "Wir haben den Umsatz seit September gegenüber dem gesamten Jahr 2015 schon fast verdreifacht", sagt Vertriebschef Kurt Doyan.

Loewe bleibt sich seiner Premium-Strategie treu. Neben Bang & Olufsen will das Unternehmen sich positionieren. Produziert werden die Geräte im oberfränkischen Kronau. Die Ersatzteile kommen - wie in der Branche üblich - aus Fernost.

Kernmärkte sind Deutschland, Österreich und die Schweiz. Aber auch Italien, Frankreich, Großbritannien und die Benelux-Länder zählen laut Hüsges zu den Zielgebieten. Die Expansion in die USA, wo Loewe in New York noch vor der Insolvenz Partner hatte, ist derzeit nicht vorgesehen. Der Loewe-CEO setzt hingegen auf Fernost und vor allem China, wo man In zehn Galerien sowie in einige Hotels präsent ist.

Die Softwarecompany

Mit den Premium-Produkten will Loewe an zahlungskräftigen Kunden andocken. Der Kaufpreis für die Top-Geräte: fünfstellig. Der Unterschied zur Konkurrenz ist laut Hüsges noch immer die Qualität der verwendeten Produkte. Vor allem aber auch Software. Frühere Softwareprobleme, etwa beim Einspielen von Software-Updates, sind laut Hüsges nun passé.

"Was das Produkt künftig aber wirklich ausmacht ist die Software", sagt CEO Hüsges im Gespräch mit trend.at. "Ein qualitatives Fernsehgerät zu bauen ist zu wenig, es kommt auf das Gesamtsystem an." Dies habe den Vorteil, dass das Gerät "up to date" bleibt. "Unser Produkt ist dann nach drei Jahren nicht mehr alt."

"Wir suchen eine Reihe von Softwarespezialisten." Das Unternehmen stellt sich derzeit auch als Softwarecompany auf. "Die Kunden wollen vom Steuergerät aus Content abrufen", so Hüsges. Dass die Konsumenten über das TV-Gerät surfen wollen, daran glaubt Hüsges nicht.

Die Geschichte des Unternehmens war bewegend. Die Brüder Loewe gründeten einst die Radiofrequenz GmbH in Oberfranken in Deutschland. Siegmund Loewe zählt zu den deutschen Radio- und Fernsehpionieren. Bis zuletzt im Jahr 2013, als das deutsche Traditionsunternehmen drohte von der Bildfläche zu verschwinden. Der Börsengang im Jahr 1999 hatte zuletzt nichts genutzt. Der Premium-Hersteller für TV-Geräte hatte die Jahre darauf eisigen Gegenwind bekommen. Die Konkurrenz aus Fernost machte dem Hersteller zu schaffen. Was auch heute nicht viel anders sein dürfte.

Die Finanzen

Finanzzahlen, wie Umsatz, Gewinn und Prognosen für das Jahr 2016? Der redselige Hüsges kennt die Magie von Zahlen, die Unternehmen recht schnell auch unter Druck nehmen können, vor allem wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät. Und hüllt sich in Schweigen, wenn er zu den Zahlen, Daten und Fakten Stellung nehmen soll. Er hatte die "alte" Loewe als Aktiengesellschaft 1999 noch an die Börse gebracht: "Ja, ich war das." Das von der Börse eingesammelte Geld konnte allerdings den Niedergang zur Pleite im Jahr 2013 nicht bremsen.

Geläutert und zwei Jahre nach der Insolvenz ist der Loewe-CEO neu orientiert. Hüsges "Wir liegen ganz gut im Plan."

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