Lift an Marcel Hirschers Hausberg in Schwierigkeiten

Die Kpfbergbahn in Annaberg

Marcel Hirscher lernte auf seinem Hausberg in Annaberg, Salzburg, das Skifahren. Vater Ferdinand hat dort seine Skischule. Die Kopfbergbahn bindet Annaberg an das Skigebiet Dachstein-West an. Aber wie lange gibt es den Lift noch?

Olympiasieger Marcel Hirscher ohne Skilift auf seinen Hausberg? Seine Heimatgemeinde Annaberg kämpft gegen den Stillstand der Kopfbergbahn, die Annaberg an die Skiregion Dachstein-West anbindet.

Einer jener, die sich über die Olympiasiege von Marcel Hirscher ganz besonders freuen, ist Josef Schwarzenbacher, Bürgermeister im salzburgischen Annaberg-Lungötz, der Heimatgemeinde des Ski-Superstars: "Das tut dem Tourismus hier sehr gut."

Weniger erfreulich ist die finanzielle Lage des Skilifts in Annaberg. Die Kopfbergbahn, die vom Dorfzentrum auf Hirschers Hausberg führt, auf dem einst der kleine Marcel seine ersten Stemmbogen in den Schnee setzte und wo Vater Ferdinand immer noch seine Skischule betreibt, kämpft ums Überleben. Der skifahrerischen Wiege des neuen Olympiasiegers und besten Rennläufers aller Zeiten droht möglicherweise das Aus.

Schon vor der aktuellen Saison konnte man einen Stillstand der Kopfbergbahn in letzter Minute gerade noch abwenden. Statt 250.000 Fahrten, die zur Kostendeckung nötig wären, kam man im Vorjahr nur auf 150.000. Eines der Grundprobleme: Wer hier durchs Drehkreuz rutscht, fährt ab der Bergstation in der Regel weiter ins verbundene Skigebiet Dachstein West. Und das liegt größtenteils in Oberösterreich. Erst mit einer Notfallaktion trieben örtliche Hoteliers und die Gemeinde die fehlenden 100.000 Euro auf, um den heurigen Saisonstart zu sichern.

Reicht der Hirscher-Faktor?

Bürgermeister Schwarzenbacher ist punkto Zukunftsperspektive hin- und hergerissen: "Finanziell wird Marcel wohl nichts beitragen. Aber alleine der Werbewert, wenn er und Annaberg genannt werden, ist gigantisch."

Ob das reicht? Die Liftgesellschaft muss für die anstehenden Investitionen Finanziers ins Boot holen: Fast acht Millionen Euro sind für die Modernisierung des alten Vierer-Sessellifts und für eine neue Beschneiung veranschlagt. Nachdem Teile der kleinen Skiregion schon fusioniert haben, suchen auch die Annaberger nun Anschluss an die oberösterreichischen Betreiber von Dachstein West. Schwarzenbacher: "Da wird gerade die Fusion diskutiert."

Freilich: Auch dort wachsen die Liftstützen nicht in den Himmel. 2014 musste eine "Mordsinsolvenz", so Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer damals, verhindert werden. Die letztverfügbare Bilanz aus 2016 für die Bergbahnen Dachstein West GmbH weist Verluste von über zwei Millionen und eine bilanzielle Überschuldung von 4,2 Millionen Euro aus.

Doch das ist Schnee von gestern. Jetzt wird in Annaberg erst einmal der große Sohn gefeiert, sagt Schwarzenbacher. Und er hofft darauf, dass der Werbewert von Hirscher wirklich groß genug ist, um Geldgeber zu überzeugen. Der Skiberg des Olympiasiegers ohne Lift: eigentlich schwer vorstellbar.


Der Artikel ist der trend Ausgabe 7/2018 vom 16. Februar 2018 entnommen.

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