Österreichs Lieferketten haben ein hohes Ausfallsrisiko

Österreich ist bei wirtschaftlichen Schocks von Lieferproblemen bei End- und Zwischenprodukten besonders betroffen. In den letzten Jahren ist die Abhängigkeit, vor allem von China, stark gestiegen. Experten empfehlen Maßnahmen, um bei künftigen Krisen besser gewappnet zu sein.

Österreichs Lieferketten haben ein hohes Ausfallsrisiko

Die EU hat die Corona-Krise hinter sich gelassen. Das Handelsvolumen ist nahezu wieder auf dem Stand vor Ausbruch der Pandemie. Die Exporte innerhalb der EU sind praktisch schon wieder auf dem Stand vor der Krise (siehe Grafik).

Die Exporte und Importe der EU-27 sind bereits fast wieder auf Vorkrisenniveau.

Doch die Welt und damit auch die EU und Österreich leiden nach wie vor unter Lieferengpässen. Es gibt zu wenige Computerchips für die Autoindustrie oder zu wenig Baustoffe– nur zwei Beispiele, die in Zeiten von Corona die Verwundbarkeit globaler Lieferketten zeigen.

"Insbesondere bei Hochtechnologie und Medizinprodukten ist die Abhängigkeit von asiatischen Produzenten groß, allen voran betrifft das Lieferungen aus China“, sagt Robert Stehrer, wissenschaftlicher Leiter des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), der mit einem Team untersucht hat, welche Produkte und Sektoren in Österreich und der EU am anfälligsten für weltwirtschaftliche Schocks sind.

Im Rahmen der Studie wurden fast 5.000 Waren und Vorprodukte einer Risikoanalyse anhand der Faktoren Marktkonzentration, Tendenz zur Clusterbildung, Dominanz einzelner Lieferanten und internationale Substituierbarkeit unterzogen.

Für Lieferprobleme anfälligste Produktgruppen

  1. Arzneimittel - Anteil am Welthandel
  2. Laptops, Tablets und Handys
  3. Telefonapparate und Teile davon
  4. Geräte für die Datenverarbeitung und Speichereinheiten
  5. Fernseher und Radios
  6. Flugzeuge und Teile davon
  7. Optische Geräte und Instrumente
  8. Kunststoffe

Quelle: BACI, wiiw

30 Prozent der EU-Importe betroffen

Österreich ist von Problemen bei der Lieferkette besonders betroffen, aber in Europa kein Einzelfall. 30 Prozent der EU-Importe und 35 Prozent der österreichischen Einfuhren aus Drittstaaten entfallen auf Erzeugnisse, die im Falle von Handelsturbulenzen ein erhebliches Verfügbarkeitsrisiko bergen.

Im Falle Chinas zweitwichtigste Handelspartner der EU, beträgt ihr Anteil an den EU-Importen knapp die Hälfte. (siehe Grafik).

Österreichs Nachschub ist besonders anfällig für wirtschaftliche Schocks besonders anfällig

Besonders hoch ist der Anteil der Importe in Hightech-Industrien, etwa bei Halbleitern, Schienenfahrzeugen oder Präzisionsmaschinen. „Die hohen Produktionsausfälle in der Automobilindustrie aufgrund fehlender Chips haben die schmerzhaften Auswirkungen von Lieferengpässen vor Augen geführt“, sagt Stehrer. In der EU27-Staaten liegt der Anteil der riskanten Importprodukte im Schnitt bei knapp über 30 Prozent, weltweit liegt der Anteil bei 27,5 Prozent.

Endprodukte besonders risikobehaftet

Der Anteil der risikobehafteten Produkte an den Importen ist sowohl was Österreich als auch die EU und den weltweiten Handel betrifft, bei Endprodukten wesentlich stärker ausgeprägt als bei Zwischenprodukten. Bei Gütern für den Endkunden liegt der Anteil zwischen 40 und 50 Prozent, der Anteil an riskanten Gütern im Bereich Zwischenprodukten liegt zwischen 20 und 30 Prozent.

Österreich ist sowohl was den Import von End- als auch Zwischenprodukten, die anfällig für weltwirtschaftliche Schocks sind, im internationalen Vergleich besondes betroffen

Das bedeutet auch, dass der Handel mit Zwischenprodukten stärker regionalisiert ist als der Handel mit Endprodukten. Zwar stammen 40 Prozent der Importe Österreichs aus Deutschland, doch China hat mit einem Importanteil von drei Prozent einen hohen Anteil an risikobehafteten Importprodukten von 45 Prozent. Der relativ hohe Anteil an risikobehafteten Importgütern im Fall von Wirtschaftsschocks liegt großteils an Importen aus Großbritannien und anderen EU-Mitgliedsstaaten, wie die Studienautoren herausfanden.

Risiko China

Der Anteil Chinas an den weltweiten Handelsströmen wächst, ist jedoch bei riskanten Produkten besonders ausgeprägt. Für Österreich stieg der Anteil der Importe aus China in dieser Gruppe von rund fünf Prozent im Jahr 2000 auf rund 20 Prozent im Jahr 2018. Für die EU27 war diese Dynamik in Bezug auf China-Importe noch ausgeprägter.

Wichtige Regionen, aus denen Österreich und die EU importieren, sind abgesehen vom Rest der Welt mit rund 25 Prozent, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich mit rund 10 bis 15 Prozent und die Schweiz mit etwa 25 Prozent für Österreich.

Empfehlung: Stresstests, Lager aufbauen

Bei der unmittelbaren Bekämpfung von Corona haben Österreich und die EU von den globalen Wertschöpfungsketten eindeutig profitiert. „China hat uns in der Pandemie massiv geholfen, weil wir in Europa die erforderlichen Produktionskapazitäten nicht schnell genug aufbauen konnten“, konstatiert Stehrer.

Um die Bezugsquellen allerdings in Zukunft stärker zu diversifizieren, empfiehlt die Studie widerstandsfähigere multilaterale Handelssystems auf Basis der Welthandelsorganisation (WTO) zu etablieren. Unternehmen sollten Regierungen über potenzielle Marktkonzentrationen informieren und etwaige Engpässe entlang von Wertschöpfungsketten aufzeigen und die Staaten unterstützen. Zudem plädiert die Studie für Stresstests und für kritische Produkte größere Vorräte anzulegen.

Take Aways
  • Hightech-Industrien am anfälligsten
  • Österreich im Vergleich zum EU-Schnitt besonders anfällig gegen Lieferengpässe
  • 30 Prozent der EU-Importe und 35 Prozent der österreichischen Einfuhren aus Drittstaaten entfallen auf Erzeugnisse, die im Falle von Handelsturbulenzen ein erhebliches Verfügbarkeitsrisiko bergen.
  • Fast die Hälfte aller EU-Importe kommt aus Chinas, immerhin der zweitwichtigste Handelspartner der EU.
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